Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Autogipfel: Mit Ladesäulen gegen die "Ladeangst" | BR24

© BR

Die Bundesregierung will die Kaufprämien für alternative Antriebe um 50 Prozent erhöhen.

21
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Autogipfel: Mit Ladesäulen gegen die "Ladeangst"

Die Bundesregierung will Millionen E-Autos auf die Straße bringen, doch die Bürger sind bislang skeptisch. Für eine Trendwende sollen nun eine Million Ladepunkte her - bisher gibt es nur 21.000. Ist das machbar – und sinnvoll?

21
Per Mail sharen
Teilen

An großen Zielen hat es der Bundesregierung bei der E-Mobilität nie gefehlt. Eine Million Elektroautos sollten 2020 auf deutschen Straßen rollen - eigentlich. Im Juli 2019 waren nur rund 143.000 reine E-Autos zugelassen.

Das größte Hindernis sehen die Bürger Umfragen zufolge in zu geringer Reichweite und fehlender Ladeinfrastruktur. Dafür gibt es sogar einen neuen Begriff: "Ladeangst".

Die Bundesregierung will das jetzt angehen und gibt dazu ein neues Ziel aus, das sie zur Stunde mit Automobilchefs und Gewerkschaftern im Kanzleramt besprechen dürfte: eine Million öffentlich zugängliche Ladepunkte bis 2030. Heute sind es laut Bundesregierung etwa 21.000. Laut bayerischem Verkehrsministerium gibt es in Bayern 3.455 öffentlich zugängliche Ladestationen – für rund 30.400 E-Autos.

Wie können eine Million Ladestationen schnell aufgebaut werden?

Die Bundesregierung setzt im Wesentlichen auf drei Maßnahmen: Mehr Geld geben, Genehmigungsverfahren verkürzen und die Industrie in die Pflicht nehmen. 3,5 Milliarden sollen laut Bundeskanzlerin Merkel in den kommenden Jahren in die Ladeinfrastruktur investiert werden. Das sagte sie bei der Eröffnung des neuen VW-E-Autowerks in Zwickau. Der Bund will besonders an Standorten investieren, wo es Lücken im Ladenetz gibt, die aber für Stromanbieter zu wenig lukrativ sind. Zum Beispiel in manchen ländlichen Regionen.

Private Ladestationen und Stationen auf Betriebsgeländen fördern

Das will der Bund vor allem durch schnellere Genehmigungsverfahren. Merkel sagte: "Die Genehmigungsprozesse für Ladeinfrastruktur dürfen nicht ein oder zwei Jahre dauern." Auch für private Ladestationen müsse man über eine Anschubfinanzierung nachdenken. Hier gibt es schon erhebliche Förderungen der Länder und Kommunen: Bis zu 1.000 Euro gibt es in NRW. München zahlt bis zu 6.000 Euro Zuschuss zu Planung und Einbau von Ladeinfrastruktur.

© BR

Vor dem Autogipfel zur Förderung der Elektromobilität hat Bundeskanzlerin Merkel mehr Einsatz von Politik und Industrie bei der Mobilitätswende angemahnt

Wo die Industrie gefordert ist: Strom an der Tankstelle – mehr Prämie für E-Autos

Tankstellen sollen durch eine Versorgungsauflage verpflichtet werden, auch Ladepunkte anzubieten. An Autobahnen und Bundesstraßen sollen rund 1000 Schnellladestationen gebaut werden, die mit höherer Leistung eine große Batterie in 20 Minuten laden könnten. Und die Förderung von Elektroautos soll erhöht werden. Bisher sind es 4.000 Euro, im Gespräch sind bis zu 6.000 Euro für kleinere E-Autos. Hier fordert die Kanzlerin die Beteiligung der Industrie. Allerdings blieb vor dem Autogipfel offen, in welcher Höhe sich die Autoindustrie an einer höheren Kaufprämie beteiligen würde.

Auto-Experte: Bauordnung hätte längst verändert werden müssen

2030 flächendeckende Ladeinfrastruktur, das könnte klappen, meint Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Allerdings hänge das auch vom Angebot in den Städten ab, wo nicht jeder eine Garage mit Stromanschluss habe und die Ladeinfrastruktur nicht gewährleistet sei. Veränderungen an der Bauordnung bei Mietshäusern hätte es schon vor Jahren geben müssen, sagte Bratzel dem ZDF. Bisher sei es so: "Da kann sich ein Eigentümer wehren, und dann gibt es keine Ladestationen."

Auch die Energiewirtschaft fordert, Hürden für den Einbau privater Ladeinfrastruktur bei Elektroautos schneller abzubauen. Ein schnelle Anpassung des Wohn und Miteigentumsrechts sei nötig, so die Hauptgeschäftsführerin des Energieverbandes BDEW, Kerstin Andreae. Unverständlich sei, dass von der Regierung weiterhin das Ziel von einer Million öffentlicher Ladepunkte bis 2030 ausgegeben werde. "Nach unseren Berechnungen sind 350.000 Ladepunkte für die anvisierten zehn Millionen E-Autos vollkommen ausreichend", so Andrea.

Allein mit einer hohen Zahl an Ladestationen sei es nicht getan, sagt auch Automobilexperte Bratzel. "Man fährt an die Ladestation. Sie ist vielleicht sogar frei. Aber sie funktioniert nicht, weil die Software ja nicht mit dem Auto zusammenfunkt." Auch hier werden Stromanbieter und Automobilindustrie beim Autogipfel gefragt sein.