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Auswärtiges Amt verhängt Reisewarnung für Kanarische Inseln | BR24

© picture alliance/Zoonar

Las Palmas de Gran Canaria

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    Auswärtiges Amt verhängt Reisewarnung für Kanarische Inseln

    Wegen der gestiegenen Zahl an Corona-Neuinfektionen hat das Auswärtige Amt auch für die Kanarischen Inseln eine Reisewarnung ausgesprochen. Mittlerweile gilt ganz Spanien als Risikogebiet. Die Tourismus-Branche der Inseln trifft das hart.

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    Nun trifft es auch die Kanaren: Das Auswärtige Amt hat für die bei deutschen Urlaubern beliebte Inselgruppe am Mittwochabend eine Reisewarnung verhängt.

    Damit warnt die Bundesregierung nun vor "nicht notwendigen, touristischen" Reisen in alle Landesteile Spaniens. "Spanien war und ist von COVID-19 stark betroffen", begründete das Auswärtige Amt am Mittwochabend die Entscheidung. Auf den Kanaren seien besonders die Inseln Gran Canaria und Teneriffa betroffen.

    Rückkehrer sind zu Corona-Test verpflichtet

    Bislang hatte das Auswärtige Amt bereits vor Reisen aufs spanische Festland sowie die Balearen mit der beliebten Urlaubsinsel Mallorca gewarnt. Nun gilt dies auch für die Kanaren. Rückkehrer müssen verpflichtend einen kostenlosen Corona-Test machen und bis zu einem negativen Ergebnis in Quarantäne gehen.

    Wie das Auswärtige Amt weiter mitteilte, sind derzeit vor allem die Regionen Kantabrien, Kastilien und Léon, La Rioja, Navarra, das Baskenland, die Hauptstadtregion Madrid sowie die Hauptstadt der Balearen, Palma de Mallorca, vom Virus betroffen. Im ganzen Land herrschen deshalb strenge Ausgangsbeschränkungen. Diskotheken und Nachtbars sind komplett geschlossen, Restaurants haben maximal bis 1.00 Uhr nachts geöffnet.

    Kanaren stellten bisher "Ausnahme" dar

    Im Corona-Hotspot Spanien hatten die Kanaren wegen ihrer relativ geringen Fallzahl bisher eine Sonderstellung - doch die Infektionen steigen nun auch dort rapide. Trotz hochsommerlicher Temperaturen setzt auf den Inseln daher das große Zittern ein. Vor allem in der Tourismusbranche. Mit 300 Fällen pro Tag während der vergangenen Woche meldeten die regionalen Gesundheitsbehörden in Las Palmas zuletzt stark steigende Infektionszahlen.

    Reisewarnung sei "Todesstoß" für die Kanaren

    Bereits vor einigen Tagen hatte ein TV-Kommentator betont, eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes samt Quarantänepflicht für Urlauber nach ihrer Heimkehr würde der bereits schwer angeschlagenen Tourismusbranche, die einen Anteil von etwa 35 Prozent am Regionaleinkommen hat, einen "Todesstoß" versetzen.

    Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Auf den Kanaren lag diese Zahl binnen sieben Tagen bei mehr als 95.

    Drastische Maßnahmen bereits seit einigen Tagen

    Der kanarische Regionalpräsident Ángel Víctor Torres hatte angesichts der negativen Entwicklung schon vor einigen Tagen neue Einschränkungen bekanntgegeben, die er "drastisch" nannte. Auf den besonders schwer betroffenen Inseln Gran Canaria und Lanzarote sind Veranstaltungen mit mehr als zehn Teilnehmern seither zunächst bis zum 11. September verboten. Restaurants und Kneipen müssen schon um Mitternacht schließen.

    In der gesamten Region gilt auch am Arbeitsplatz Maskenpflicht. Die Polizei soll mit mehr Beamten dafür sorgen, dass die Vorschriften von den 2,15 Millionen Einwohnern der Inseln auch eingehalten werden.

    Hoffnungen auf "Ausweichziel" erfüllten sich nicht

    Obwohl die Kanaren bis zum heutigen Mittwoch die einzige Region Spaniens waren, für die Berlin noch keine Reisewarnung herausgegeben hatte, traten zuletzt weiterhin nur relativ wenige Deutsche eine Reise nach Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote oder zu einem anderen Teil des Archipels an. Mit 2,65 Millionen Besuchern im vorigen Jahr ist Deutschland hinter Großbritannien mit circa fünf Millionen und vor Spanien mit rund zwei Millionen der zweitgrößte Markt für die Kanaren.

    London hatte am 26. Juli eine Quarantäne für alle Spanien-Rückkehrer angeordnet. Das war vor allem für die Kanaren und die Balearen, die beide besonders viele Briten empfangen und wo Tourismus wie sonst nirgendwo in Spanien die Haupteinnahmequelle ist, ein sehr harter Schlag.

    Dramatischste Einbrüche in wichtigster Branche

    Wie schlimm die Lage auf den Kanaren ist, zeigen bereits die amtlichen Zahlen für Juli, obwohl die Infektionslage im vorigen Monat viel besser war als jetzt: Die Zahl der britischen Besucher fiel da im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als 83 Prozent: Von 450.000 auf unter 75.000. Die Zahl der Besucher aus Deutschland ging derweil im gleichen Zeitraum von gut 190.000 auf unter 80.000 zurück.

    1.200 Pleiten bereits in diesem Jahr

    Viele Reserven zum Durchhalten gibt es inzwischen nicht mehr. Im ersten Halbjahr brach die Wirtschaft der Kanaren um gut 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein. In diesen sechs Monaten machten mehr als 1.200 Betriebe hauptsächlich wegen Corona dicht.

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