Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

49 Tote: Weltweites Entsetzen nach Terroranschlag in Neuseeland | BR24

© BR

Mindestens ein Angreifer hat zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch überfallen. Die Regierung spricht von einem Terrorakt. Drei Verdächtige wurden festgenommen.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

49 Tote: Weltweites Entsetzen nach Terroranschlag in Neuseeland

Bei Moschee-Anschlägen in Neuseeland sind nach vorläufigen Angaben 49 Menschen getötet worden. Der Haupttäter, ein rechtsextremer Australier, und zwei weitere Verdächtige wurden festgenommen. Weltweit herrscht Bestürzung über den Terroranschlag.

Per Mail sharen
Teilen

Nach Augenzeugenberichten begann der Terroranschlag gegen 13.45 Uhr (1.45 Uhr MEZ). Ein bewaffneter Mann drang in eine Moschee in der Innenstadt ein, wo sich zur Mittagsstunde mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten und schoss mit einer Schnellfeuerwaffe um sich. Zeugen zufolge handelt es sich bei dem Täter um einen weißen Mann, der Helm und kugelsichere Weste trug. Später fielen auch noch in einer anderen Moschee Schüsse.

Einer der überlebenden Gläubigen, Mohan Ibrahim, berichtete der Zeitung "New Zealand Herald" von einem "Schockmoment". "Dann haben alle Leute angefangen davonzulaufen." Ein anderer Zeuge, Ahmad Al-Mahmoud, sagte: "Es fielen mindestens 50 Schüsse, sehr schnell hintereinander. Es können auch Hunderte gewesen sein."

Angriff als Terrorakt eingestuft

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern stufte den Angriff auf zwei Moscheen mit mehreren Toten in Neuseeland als Terrorakt ein. "Es ist klar, dass dies nur als terroristische Attacke beschrieben werden kann", sagte sie am Freitag im Fernsehen. Die mutmaßlichen Angreifer seien offenbar "gut vorbereitet" gewesen. Auf Terrorlisten standen ihre Namen aber nicht. An Autos seien zwei Sprengsätze gefunden worden, sagte Ardern. Diese seien entschärft worden.

Zuvor hatte schon Australiens Premierminister Scott Morrison diese Einschätzung geäußert. An der Attacke sei ein 28-jähriger Australier beteiligt gewesen. Es handle sich um einen rechtsextremen Terroristen, so Morrison.

Chef-Ermittler Bush sagte, einem Verdächtigen, der Ende 20 sei, werde Mord vorgeworfen, er werde bereits an diesem Samstag einem Richter vorgeführt. Zahlreiche Waffen seien sichergestellt worden. Nach anderen Verdächtigen werde derzeit nicht aktiv gesucht. Auch habe es keine weiteren Drohungen seit den Angriffen gegeben. Bewaffnete Wachleute seien aber an Moscheen im ganzen Land postiert worden.

Mehrere Verdächtige festgenommen

Nach dem Angriff waren den offiziellen Angaben zufolge mehrere Verdächtige festgenommen worden.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Christchurch werden derzeit 48 Menschen mit Schusswunden in verschiedenen Krankenhäusern behandelt.

Premierministerin Ardern sagte, viele der Opfer hätten beschlossen, Neuseeland zu ihrem Zuhause zu machen. "Dies ist ihr Zuhause. Sie gehören zu uns", betonte Ardern. "Die Person, die diesen Gewaltakt ausgeführt hat, gehört nicht zu uns".

Für den Pazifikstaat Neuseeland ist es eine der schlimmsten Gewalttaten der jüngeren Geschichte. Premierministerin Jacinda Ardern sprach von einer von Neuseelands "dunkelsten Stunden". Aus Sorge vor weiteren Attacken riegelte die Polizei Schulen und andere öffentliche Gebäude stundenlang ab.

Merkel: "Wir stehen Seite an Seite gegen solchen Terror"

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt via Twitter, sie sei tief erschüttert. "Ich trauere mit den Neuseeländern um ihre Mitbürger, die friedlich betend in ihren Moscheen überfallen und aus rassistischem Hass ermordet wurden. Wir stehen Seite an Seite gegen solchen Terror." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte ebenfalls der neuseeländischen Regierung. Er habe das Land bei seinem Besuch 2017 als "außergewöhnlich weltoffen und gastfreundlich erlebt", so Steinmeier. "Umso schwerer ist mein Herz in dieser dunklen Stunde Ihrer Nation."

Auch Königin Elizabeth sprach ihre Anteilnahme aus. Sie sei zutiefst traurig über die schrecklichen Ereignisse in Christchurch. "In dieser tragischen Zeit sind meine Gedanken und Gebete bei allen Neuseeländern", teilte die Queen in einer Erklärung mit.

Maas spricht Familien und Freunden der Opfer sein Mitgefühl aus

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat die bewaffneten Angriffe auf zwei Moscheen in Neuseeland als "brutales Verbrechen" verurteilt. "Wir sind tief erschüttert von dem brutalen Verbrechen in Christchurch", schrieb Maas am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Kirchliche Vertreter in Bayern reagieren mit Entsetzen

Vertreter der Kirchen und des Judentums in Bayern haben mit Entsetzen auf die Moschee-Anschläge reagiert. Der katholische Bamberger Erzbischof Ludwig Schick schrieb in sozialen Medien, jeder Mensch, der sich den Namen der Stadt bewusst mache, müsse Abscheu empfinden. "Den Toten das Paradies, den Angehörigen und allen Muslimen Trost ohne Vergeltungsgedanken!"

Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), erklärte: "Hass und Gewalt gegen Menschen gleich welcher Religion, Herkunft oder Weltanschauung sind durch nichts zu rechtfertigen." Die Tatsache, dass ein Video des Angriffs im Internet kursiert, bestürzte Bedford-Strohm zusätzlich: "Die digitale Multiplikation des Horrors beschreibt die zynischen Abgründe des Terrorismus unserer Tage."

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, schrieb auf Facebook, "das Maß an Verachtung für menschliches Leben, das sich in einem solch barbarischen Angriff offenbart, macht mich sprachlos". Besonders niederträchtig und abscheulich sei, dass der Täter seine Opfer gezielt in einer Moschee während des Gebets aufgesucht habe, so die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Papst Franziskus hat ebenfalls mit Bestürzung auf die Angriffe reagiert. "Im Angesicht dieser Angriffe sichert er allen Neuseeländern und insbesondere der muslimischen Gemeinde seine tief empfundene Solidarität zu", heißt es in einem Telegramm des Vatikans. Der Pontifex bete für "die Heilung der Verletzten, den Trost für diejenigen, die den Verlust ihrer Lieben betrauern, und für alle diejenigen, die von dieser Tragödie betroffen sind".

Christchurch: Gefahr noch nicht gebannt

Die Polizei hat die Bevölkerung in Christchurch zu Wachsamkeit aufgerufen. Die Gefahr sei noch nicht gebannt, sagte Polizeichef Mike Bush bei einer Pressekonferenz in Wellington. Die Menschen sollten nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

Frankreich und Großbritannien erhöhen nach der Terrorattacke in Neuseeland die Sicherheitsvorkehrungen. Der französische Innenminister Christophe Castaner kündigte Kontrollen rund um religiösen Einrichtungen an. Der Chef der britischen Terror-Abwehr, Neil Basu, erklärte, es werde im ganzen Land verstärkt Polizeistreifen im Umkreis von Moscheen geben. Zudem würden sämtlichen Glaubensrichtungen darauf hingewiesen, wie sie ihre Mitglieder und Einrichtungen schützen könnten.

Muslime - Minderheit in Neuseeland

In Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Insgesamt gibt es dort etwa 50.000 Muslime, viele davon Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch. Größte Religionsgruppe in Neuseeland ist das Christentum. Die Stadt Christchurch hat 350.000 Einwohner und liegt auf der Südinsel des Pazifikstaats.