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Bildrechte: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

Gerade auf dem Land sind viele auf das Auto angewiesen. Doch wer den Führerschein machen will, braucht Geduld. Fahrschulen haben wegen wochenlanger Schließungen lange Wartelisten. Der strukturelle Mangel an Fahrlehrern verschärft das Problem.

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Ausgebremst - Der holprige Weg zum Führerschein

Gerade auf dem Land sind viele auf das Auto angewiesen. Doch wer den Führerschein machen will, braucht Geduld. Fahrschulen haben wegen wochenlanger Schließungen lange Wartelisten. Der strukturelle Mangel an Fahrlehrern verschärft das Problem.

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Von
  • Thies Marsen

Karin Drexl will Landwirtin werden. Die 15-Jährige arbeitet schon jetzt jeden Tag auf dem elterlichen Hof in Schwifting östlich von Landsberg am Lech mit. Nach ihrem Schulabschluss im Sommer will sie eine landwirtschaftliche Ausbildung machen. Damit sie überhaupt zum Lehrbetrieb ein paar Dörfer weiter und zur Berufsschule im 35 Kilometer entfernten Weilheim kommt, braucht sie eine Fahrerlaubnis für Mopeds – und eine für Zug- und Arbeitsmaschinen, damit sie ihren Eltern auch in Zukunft auf dem Hof helfen kann.

Lange Wartelisten und viel Geduld

Doch der Weg zum Führerschein ist holprig. Denn auch die Fahrschulen hat Corona hart getroffen. Durch die wochenlangen Schließungen sind die Wartelisten lang. Markus Mayr leitet eine Fahrschule im Raum Landsberg mit sechs Filialen und 14 Fahrlehrern. "Wir haben Arbeit ohne Ende", berichtet er. Manchmal frage er sich, wie sie das alles abarbeiten sollen. "Die Fahrschüler warten."

Führerschein auf dem Land oft ein Muss

Dabei sind auf dem Land viele auf das eigene Fahrzeug angewiesen. Busse fahren vor allem zu Stoßzeiten. Wer nicht auf den Hauptrouten unterwegs ist, der muss oft umsteigen und lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Und ein Großteil der Betriebe befindet sich – ebenso wie die Einkaufsmärkte – in Gewerbegebieten am Ortsrand, die in der Regel nicht gut angebunden sind an den öffentlichen Nahverkehr.

Fahrlehrermangel verschärft das Problem

Doch die Fahrschulen kämpfen nicht nur mit den Folgen der Pandemie, sondern auch seit Jahren mit einem strukturellen Problem. Es fehlt der Nachwuchs bei Fahrlehrern. "Also, ich habe jetzt das Glück, dass ich eine neue Fahrlehrerin bekommen habe, die auch LKW schulen darf", berichtet Markus Mayr. Er könne ohne Probleme drei Fahrlehrer fest einstellen und keiner der anderen Angestellten würde sich langweilen, meint er. Schon vor sieben Jahren starteten Fahrlehrer-Ausbilder eine Werbekampagne mit dem Titel: "Mission Fahrlehrer Nachwuchs" - ohne durchschlagenden Erfolg. Der Mangel ist nach wie vor groß, bestätigt auch Bernd Brenner. Er ist erster Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fahrlehrerausbildungsstätten.

"Es gibt eine Umfrage vom Verband Moving – International Road Safety Association e.V. in Berlin und da wurde festgestellt, dass ungefähr 10.000 Fahrlehrer in Deutschland gesucht werden. Bei ungefähr 10.000 Fahrschulen bedeutet das, dass im Schnitt praktisch jede Fahrschule mindestens einen Fahrlehrer sucht." Bernd Brenner, Bundesarbeitsgemeinschaft der Fahrlehrerausbildungsstätten

Für den Mangel gibt es einige Gründe: Etwa dass die Arbeitszeiten nicht sonderlich attraktiv sind. Und die Ausbildung ist teuer.

Reformversuche wenig erfolgreich

Von Seiten der Politik hat es durchaus Versuche gegeben, gegenzusteuern. So hat das Bundesverkehrsministerium vor drei Jahren die Fahrlehrerausbildung leicht reformiert: Fahrlehrer für PKW-Scheine müssen nun nicht mehr unbedingt auch noch den LKW- und den Motorradschein besitzen. Der durchschlagende Erfolg blieb allerdings bisher aus. Und dann kam auch noch Corona.

Höhere Kosten für Führerschein

In normalen Zeiten ist der Unterrichtsraum der Fahrschule Mayr in Lengenfeld regelmäßig gerammelt voll. Doch wegen der Pandemie und den Abstandsregelungen muss derzeit jeder zweite Platz leer bleiben. Auch das verzögert die Ausbildung. Und macht sie teurer. Denn die Fahrschulen müssen für die gleiche Anzahl an Fahrschülern mehr Stunden anbieten. Die Kosten dafür werden am Ende an die Schüler weitergegeben. Die jungen Leute werden demnächst also tiefer in die Tasche greifen müssen, prophezeit Fahrschulbetreiber Markus Mayr.

Sparen für den Führerschein

Die 16-jährige Karin Drexl bekommt ihren Traktor-Schein noch von den Eltern bezahlt. Den PKW-Führerschein wird sie selbst bezahlen müssen. Sie wird dafür einiges zusammensparen müssen. Das nimmt sie in Kauf. Denn sicher ist auch: Ohne Auto geht es nicht.

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