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Auschwitz-Befreiung vor 75 Jahren: Gedenken in Yad Vashem | BR24

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50 Staatschefs aus aller Welt werden zur Gedenkveranstaltung in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem erwartet: Sie erinnern an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz. Zum ersten Mal überhaupt darf hier ein deutscher Bundespräsident sprechen.

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Auschwitz-Befreiung vor 75 Jahren: Gedenken in Yad Vashem

Es ist das größte Staatsereignis seit Gründung Israels 1948: In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem wird an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren erinnert. 50 Staatschefs aus aller Welt werden erwartet.

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Sieben bis acht Minuten. Soviel Zeit hat das Protokoll den Rednern und damit auch dem Bundespräsidenten eingeräumt – wenig Zeit für eine so wichtige Rede. Als erstes deutsches Staatsoberhaupt wird, darf Frank-Walter Steinmeier in Yad Vashem sprechen. Er sieht das als große Ehre. Es ist wohl auch ein Zeichen persönlicher Wertschätzung durch den israelischen Präsidenten Rivlin, der die Einladung aussprach, die Steinmeier ein Zeichen der Versöhnung nennt.

Dass der deutsche Bundespräsident in Yad Vashem spricht, wenn dort an die Auschwitz-Befreiung erinnert wird, ist auch ein Zeichen der Verbundenheit, die mittlerweile zwischen Israel und Deutschland besteht. Am Mittwoch, am Tag vor der Gedenkveranstaltung, besuchte Frank-Walter Steinmeier in Jerusalem Holocaust-Überlebende.

Holocaust-Überlebende mahnen: Verantwortung im Heute erkennen

Sie hätten an ihr Schicksal erinnert, aber auch gemahnt an die Verantwortung der Deutschen: Sie sollten nicht nur zurückschauen auf eine schreckliche Vergangenheit, sondern müssten die Verantwortung im Heute erkennen. Und gegen Antisemitismus eintreten, sagte Steinmeier nach den Gesprächen.

Steinmeier wird auf Deutsch, die Sprache der Täter, verzichten

Die Verantwortung für den Massenmord zu betonen, der Opfer zu gedenken und die Mahnung, vor stärker werdendem Antisemitismus nicht die Augen zu verschließen, die Gefahr ernst zu nehmen – diese Punkte wird der Bundespräsident voraussichtlich ansprechen. Er wird in seiner Rede wahrscheinlich ein bisschen Hebräisch einbauen, sie aber überwiegend in Englisch halten und auf Deutsch, die Sprache der Täter, verzichten – aus Rücksichtnahme auf Holocaust-Überlebende, auf Menschen wie Menachem Haberman, der im Konzentrationslager Auschwitz war.

"Jeden Morgen, wenn ich meine Gebetsriemen anlege, sehe ich Auschwitz vor mir. Jeden Tag sehe ich Auschwitz und ich sehe Auschwitz auch oft in der Nacht ... den Tod. Für mich wurde Auschwitz nicht befreit. Denn bei mir existiert Auschwitz Tag und Nacht." Menachem Haberman

Rund 50 hochrangige Staatsgäste aus aller Welt sind zu der Gedenkveranstaltung angereist. Neben Frank-Walter Steinmeier, werden auch Israels Regierungschef Netanjahu, Präsident Rivlin, dessen Amtskollegen aus Frankreich und Russland, Macron und Putin, US-Vizepräsident Pence und der britische Thronerbe Prinz Charles sprechen.

Polens Präsident kommt nicht zur Gedenkveranstaltung

Vor allem der Auftritt Wladimir Putins sorgte im Vorfeld für diplomatische Verstimmungen zwischen Israel und Polen. Die Regierung in Warschau fürchtet, dass der russische Präsident Polen in seiner Rede eine Mitverantwortung am Zweiten Weltkrieg geben könnte. Deshalb wollte auch Polens Präsident Duda in Yad Vashem sprechen. Als die israelischen Organisatoren ablehnten, sagte Duda seine Teilnahme ab. Israels Staatspräsident Rivlin mahnte am Vorabend der Veranstaltung: Geschichte sollte den Historikern überlassen werden. Politiker sollten die Zukunft im Blick haben, sagte Rivlin, der zuvor zu einem entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen hatte.

"Antisemitismus beginnt irgendwo und richtet sich gegen irgendwen, aber wir wissen nie, wo er endet. Wir müssen vereint sein im Kampf gegen Faschismus, Rassismus, Hass und Antisemitismus." Israels Staatspräsident Rivlin

Gedenken in Auschwitz am Montag

Das Gedenken in Yad Vashem bildet den Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen, mit denen an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz Birkenau vor 75 Jahren erinnert wird. Dort wurden nach Schätzungen mehr als eine Million Menschen ermordet.

Am Montag, dem Jahrestag der Befreiung, wird in Auschwitz selbst der Opfer gedacht. Bundespräsident Steinmeier und sein israelischer Amtskollege Rivlin werden dann dabei sein und danach gemeinsam nach Berlin reisen, wo Rivlin am Mittwoch nächster Woche im Bundestag sprechen wird.

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