BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Ausbruch in Ischgl: "So kann man mit Menschen nicht umgehen" | BR24

© picture alliance/APA/picturedesk.com

Après-Ski-Location "Kitzloch": Quelle des Corona-Verbreitung?

93
Per Mail sharen

    Ausbruch in Ischgl: "So kann man mit Menschen nicht umgehen"

    Die Bar "Kitzloch" zählt seit jeher zu den angesagten Après-Ski-Locations der Skimetropolregion Ischgl. Mit dem Ausbruch des Coronavirus hat sie nun den Ruf als "Herd des Virus". Entsprechend prüfen Verbraucherschützer nun Schadensansprüche.

    93
    Per Mail sharen

    "Diese Arroganz, die da unten an den Tag gebracht wird, ist zum Kotzen. Ich wünsche mir, dass die kapieren, dass sie so mit Menschen nicht umgehen können." Ludger Görg ist wütend. Der 55-jährige Imbissbetreiber aus Montabaur war vom 7. bis 13. März mit Freunden in Ischgl Skifahren.

    "Gefahr war nicht bewusst"

    Görg ist davon überzeugt, sich dort mit dem Coronavirus angesteckt zu haben. Der Gefahr sei er sich nicht bewusst gewesen. "Ganz im Gegenteil, wir haben uns vorher erkundigt, dass in ganz Österreich bis dato erst zwei Fälle bekannt waren, und wir sagten – na gut, dann sind wir da auf jeden Fall auf der sicheren Seite."

    Pistengaudi, Après-Ski - Ludger Görg verbringt einen sorglosen Urlaub in Ischgl. Informationen über die mögliche Ansteckungsgefahr hätten er und seine Freunde nicht bekommen. Nicht von den Behörden, nicht über die Medien und auch nicht im Hotel. "Jeden Morgen gibt es da diesen Wisch zum Frühstückstisch, wie wird das Wetter, der Witz des Tages, der Spruch des Tages – aber in keiner Weise auch nur ansatzweise etwas über Corona."

    Verbraucherschutz prüft Schadensersatzansprüche

    Ludger Görg ist einer von mehr als 4.500 Tirol-Urlaubern aus 40 Ländern, die einem Aufruf des österreichischen Verbraucherschutzvereins gefolgt sind. Sie hätten möglicherweise Schadensersatzansprüche und könnten sich einem möglichen Strafverfahren als Privatkläger anschließen, sagt Peter Kolba, Verbraucheranwalt aus Wien und Vorsitzender des Verbraucherschutzvereins. Bereits am 24. März hat er bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck eine entsprechende Anzeige eingebracht.

    Kolbas Verdacht: Die Tiroler Behörden und Seilbahngesellschaften hätten aus kommerziellen Erwägungen zu spät vor dem Ansteckungsrisiko gewarnt und auch zu spät mit Quarantänemaßnahmen reagiert. Bereits am 25. Februar wurde die Mitarbeiterin eines Hotels in Innsbruck positiv auf das Coronavirus getestet. Damals reagierten die Behörden umgehend und riegelten das Hotel ab.

    "Und genau das haben sie in den Tourismusgebieten nicht getan. Dort hat es Tage gedauert, bis entsprechende Maßnahmen gesetzt wurden, bis etwa eine Après-Ski-Bar, wo der Barkeeper positiv getestet wurde, geschlossen wurde." Peter Kolba, Österreichischer Verbraucherschutzverein

    Gemeinde Ischgl betont Kenntnisstand wie die Gäste

    Die Rede ist von der Bar "Kitzloch" in Ischgl, die mittlerweile europaweit einen zweifelhaften Ruhm erlangt hat. Werner Kurz ist Bürgermeister der Gemeinde Ischgl. Den Betroffenen richtet er sein Mitgefühl und sein Bedauern aus. Er möchte aber auch klarstellen:

    "Wir hatten nicht mehr Informationen, als unsere Gäste selbst. Da kann ich ein schuldhaftes Verhalten der Gemeinde Ischgl ausschließen. Ich darf Ihnen aber jedoch versichern, dass wir alle hier im Dorf in Ischgl betroffen sind, dass sich Gäste und Mitarbeiter mit diesem Virus infiziert haben. Uns ist es immer primär um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Gäste, der Mitarbeiter und der einheimischen Familien gegangen. Das hatte höchste Priorität. Wir waren immer bemüht, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun. Natürlich nach den Vorgaben der Gesundheitsbehörde.“ Werner Kurz, Bürgermeister der Gemeinde Ischgl

    Die Tiroler Gesundheitsbehörden haben in den vergangenen Wochen jedoch immer wieder beteuert, alles richtig gemacht und nach vorliegendem Kenntnisstand rechtzeitig gehandelt zu haben – auch in Absprache mit der Regierung in Wien. Ludger Görg aus Montabauer gibt sich damit nicht zufrieden. Corona hat er inzwischen überstanden, aber während seiner Krankheit auch 10.000 Euro Verlust mit seinem Imbiss gemacht, sagt er. Sollte er Schadensersatz einklagen können, fände er das gut. Doch etwas anderes ist ihm wichtiger:

    "Der Hauptgrund für mich ist, dass diese Leute mal einen vor den Koffer bekommen müssen, dass sie mal mit beiden Beinen auf den Boden kommen. Und dass Menschenleben mehr wert sind wie jeder beschissene Euro." Ludger Görg, Imbissbetreiber aus Montabaur

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!