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Papst Franziskus und Scheich Ahmed al-Tajjib reichen sich die Hand.
© dpa-Bildfunk / Andrew Medichini
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Papst Franziskus und Scheich Ahmed al-Tajjib reichen sich die Hand.

Die Reise von Papst Franziskus in die Vereinigten Arabischen Emirate kann als historisch angesehen werden: Zum ersten Mal besuchte ein Oberhaupt der katholischen Kirche die Arabische Halbinsel, die als Wiege des Islam gilt. Auch der große katholische Gottesdienst, den Franziskus am Dienstagmorgen in einem Sportstadion zelebrierte, war demnach eine Premiere.

Katholiken aus 100 Nationen feiern mit Papst

Über 100.000 Katholiken feierten die Messe mit dem Papst. Viele davon verfolgten den Gottesdienst über Leinwände außerhalb des Stadions, da im Innern nicht genug Platz war. Rund 80 Prozent der Bevölkerung der Emirate sind Gastarbeiter. Laut Veranstalter waren daher Katholiken aus 100 verschiedenen Nationen anwesend - außerdem 4.000 Muslime.

Franziskus predigte Bescheidenheit in den für Wolkenkratzer, Opulenz und Luxus bekannten Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Katholiken müssten keine großen Bauten schaffen, um ihren Glauben unter Beweis zu stellen, sagte der Papst. Gott bitte die Menschen lediglich darum, jeweils ein Kunstwerk zu schaffen - das eigene Leben.

Papst fährt mit Kleinwagen zum Präsidenten

Mit dieser Bescheidenheit trat das Oberhaupt der Katholischen Kirche auch selbst in dem Wüstenstaat auf: Mit einem schwarzen Kleinwagen fuhr er am Präsidentenpalast in Abu Dhabi vor, wo er von Kronprinz Scheich Mohammed bin Sajed al-Nahjan mit militärischen Ehren empfangen wurde. Soldaten feuerten 21 Salutschüsse ab, Flugzeuge malten mit farbigem Rauch die gelb-weiße Flagge des Vatikans in den Himmel.

Der politische Austausch spielte beim Besuch des Pontifex allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Die Reise war dem interreligiösen Dialog gewidmet. So traf sich Franziskus zu einem privaten Gespräch mit dem "Muslim Council of Elders". Der Ältestenrat mit Sitz in Abu Dhabi wurde 2014 gegründet. Die Vereinigung will nach eigenen Angaben Spaltungen und Fehden innerhalb des Islam überwinden und gegen extremistische Brandstifter eine religiöse Botschaft humaner Werte und der Toleranz verteidigen.

Franziskus: Religiöse Anführer müssen "Leuchttürme des Friedens" sein

Am Montagabend stand die zentrale Rede der Reise an: Auf einer interreligiösen Konferenz sprach Franziskus zu Imamen, Muftis, Ministern, Rabbis, Swamis, Zoroastriern und Sikhs. Als Vertreter der Weltreligionen hätten alle die Pflicht, dem Wort "Krieg" jede Nuance der Zustimmung zu nehmen. Religiöse Anführer müssten "Leuchttürme des Friedens" sein und für die Würde aller Kinder Gottes werben. Wenn die Anhänger unterschiedlicher Religionen nicht gemeinsam für "konkrete Wege des Friedens" eintreten würden, stehe die Zukunft der gesamten Menschheit auf dem Spiel.

Anschließend sagte der Großscheich der ägyptischen Al-Azhar-Universität in Kairo, Scheich Ahmed al-Tajjib, der Islam sei eine Religion des Friedens, die das menschliche Leben wertschätze. Er verurteilte außerdem jegliche Terrorakte. Diese würden von Kriminellen verübt, nicht von wahren Gläubigen an Gott.

Appell für Dialog zwischen Kulturen und Religionen

Am Ende unterzeichneten der Papst und der Großimam eine gemeinsame Erklärung zum Thema "Menschliche Brüderlichkeit". Die fünfseitige Erklärung wirbt für Dialog zwischen Kulturen und Religionen, gegenseitigen Respekt sowie Hilfe für Menschen in Not unabhängig von ihrer Herkunft und Religion. Das Dokument fordert Schutz von Kultusorten wie Kirchen, Tempeln und Moscheen. Es hält fest, dass Gott alle Menschen gleich geschaffen habe.

Franziskus und Al-Tayyeb fordern gleiche Rechte für alle Bürger eines Landes, Religions- sowie Meinungsfreiheit. Besonders erwähnen sie auch den Schutz der Rechte von Kindern und alten Menschen. Zudem müsse auch das Recht von Frauen auf Bildung, Arbeit und Ausübung politischer Ämter anerkannt werden. In ihrer Erklärung verurteilen Papst und Großimam zudem ausdrücklich sexuelle Ausbeutung. Ebenso richten sie sich gegen Individualismus und Materialismus. Sie zeigen sich zudem besorgt über einen Verfall moralischer Werte."Wir verurteilen sämtliche Praktiken, die das Leben bedrohen, wie Genozid, terroristische Akte, Zwangsvertreibung, Organhandel, Abtreibung, Euthanasie und Politik, die all dies unterstützt", so das Dokument.

Meilenstein für christlich-islamische Beziehungen

Die Erklärung ist so brisant - zumindest in dieser Region -, dass ihre Veröffentlichung im Vorfeld nicht angekündigt wurde. Ihre Unterzeichnung sollte keinesfalls durch irgendeine politische Einflussnahme gefährdet werden. Mit dem Dokument haben die katholische Kirche und die höchste Lehrautorität des sunnitischen Islam einen Meilenstein gesetzt, hinter den Christen und Muslime nicht mehr so leicht zurück können.

Eine Zusammenfassung der Reise sendet ARD-alpha am Dienstag, 5.2., um 22:15 Uhr.