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Aufregung über Seehofers Äußerung zur Gamerszene | BR24

© BR/Sabine Henkel

Innenminister Seehofer will die Gamerszene stärker beobachten, weil der Täter von Halle seine Tat im Internet wie ein Videospiel inszeniert hat. Im Netz erntet Seehofer dafür Entrüstung - auch von Rezo. Er stelle die Gamerszene unter Generalverdacht.

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Aufregung über Seehofers Äußerung zur Gamerszene

Innenminister Seehofer will die Gamerszene stärker beobachten, weil der Täter von Halle seine Tat im Internet wie ein Videospiel inszeniert hat. Im Netz erntet Seehofer dafür Entrüstung - auch von Rezo.

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Bundesinnenminister Horst Seehofer fordert in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin", dass die Ermittler und Behörden in Sachen Rechtsextremismus mehr auf die Spieler von Videospielen, also auf die Gamerszene richten. Viele der Täter oder potenziellen Täter kämen aus der Gamerszene und manche nähmen sich die Simulationen geradezu zum Vorbild.

Häme aus dem Netz - auch von Rezo

Auf Twitter gibt es seit der Veröffentlichung des Interview-Ausschnitts jede Menge Häme. Seehofer stelle die Gamer-Szene einerseits unter Generalverdacht und greife damit andererseits viel zu kurz - so der Tenor.

Eine Userin schreibt ironisch, der Innenminister solle doch dann gleich auch die Kuchenbackszene beobachten, deren Videos enthielten sicher viele Bombenbauanleitungen. Ein anderer schreibt, es käme ja auch "niemand auf die Idee, einem Modelleisenbahner zu unterstellen, er würde mit seinem Hobby für ein Attentat auf Bahnhöfe und Bahngleise üben".

Der vor der Europawahl bekannt gewordene Youtuber Rezo urteilt hart, Seehofers Aussage sei ein Zeichen von Inkompetenz.

Lenkt Seehofer lenkt von eigentlichen Problemen ab?

Auch zahlreiche Politiker wie der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, FDP-Fraktionschef im Bundestag Christian Lindner oder Renate Künast (Grüne) meldeten sich zu Wort. Sie sind sich mit vielen User einig, dass der Bundesinnenminister mit seiner Aussage zu kurz greife und von den eigentlichen Problemen des Rechtsextremismus ablenke.

Der Buchautor Mario Sixtus ("Warum an die Zukunft denken?") meint, man müsse natürlich über die Gamer reden, unterstellt Seehofer jedoch, er täte das, "um die Rechtsextremen auf der Straße und in den Salons weiterhin genauso totschweigen zu können wie bisher".

Online-Kommunikations-Plattformen mehr beobachten

Tatsächlich sehen Experten, dass Extremisten jeglicher Couleur auch Gaming-Plattformen im Internet nutzen, um sich auszutauschen - unterhalb des Radars der Behörden. Die Beobachtung müsse jedoch viel tiefer gehen als nur bis zur Gamer-Szene, meint der FDP-Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle. Digitaler Rechtsextremismus sei ganz allgemein ein sehr großes Problem.

Seehofer: "Wir prüfen alle Facetten"

Horst Seehofer selbst reagiert auf die Debatte im Netz, dass die Behörden in alle Richtungen ermitteln müssten - egal ob analog oder digital. Er wolle Rechtsextremisten "überall dort bekämpfen, wo sie aktiv sind" - also auch in Gaming-Plattformen.

Rückendeckung bekommt Seehofer vom Präsidenten des Thüringer Verfassungsschutzes, Stephan Kramer. Dem "Tagesspiegel" sagte Kramer, "Shooter-Spiele" spielten eine wichtige Rolle für Rechtsextremisten in der Szene.

"Hier entsteht für den entsprechenden Personenkreis, durch die Mischung von Hass, Gewalt, Maskulinität und Sexualität, ein Treibhaus zur Befriedigung und weiterer Radikalisierung." Stephan Kramer, Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes