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Aufarbeitung im Schneckentempo: die Kirche und der Missbrauch | BR24

© dpa-Bildfunk / Friso Gentsch

Demonstranten bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.

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Aufarbeitung im Schneckentempo: die Kirche und der Missbrauch

Kirche auf der Anklagebank: Das gilt spätestens seit der Missbrauchsstudie im Jahr 2018 auch für Deutschland. Wer sich bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals schnelle Ergebnisse erwartet, wird enttäuscht. Ein Kommentar von Tilmann Kleinjung:

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Wie sehr der Missbrauchsskandal eine Kirche erschüttern kann, lässt sich in Australien erleben. Seit Jahren beschäftigt sich die australische Kirche nur noch mit diesem Thema. Dass Kirche für Menschen und für eine Gesellschaft ein Segen sein kann, gerät darüber völlig ins Hintertreffen. Kirche ist gleich Missbrauch. In Australien haben der Staat und die Justiz übernommen, wozu die Bischöfe nicht in der Lage waren: Aufklärung und Aufarbeitung.

Das gab es noch nie: ein Kardinal hinter Gittern

Der höchste Repräsentant der katholischen Kirche Australiens Kardinal George Pell wurde des Missbrauchs für schuldig befunden und zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. Das gab es noch nie: ein Kardinal hinter Gittern.

Die Kirche auf der Anklagebank. Das gilt ja spätestens seit der Missbrauchsstudie der Bischofskonferenz im vergangenen Jahr auch für Deutschland. Doch wer sich bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche schnelle Ergebnisse erwartet, wird enttäuscht. Wie schon bei der Anti- Missbrauchskonferenz des Papstes in Rom geht es auch bei der Tagung der deutschen Bischöfe in Lingen nur in kleinen, ganz kleinen Schritten voran.

Schon die Klärung kleiner Fragen fällt den Bischöfen schwer

Für Außenstehende ist der Fortschritt kaum wahrnehmbar: ein Leitfaden für die unabhängige Aufarbeitung der katholischen Missbrauchsgeschichte in den einzelnen Bistümern wird erarbeitet. Das Modell, wie Betroffene Entschädigung erhalten, wird überprüft. Ob und wie Opfer ihre Fälle an eine unabhängige Stelle melden können, auch das wird noch recherchiert. Schon die Klärung konkreter Detailfragen fällt den deutschen Bischöfen offensichtlich nicht leicht.

Wie schwer und langwierig wird dann erst das Bohren der dicken Bretter sein: der Zölibat für Priester, das Machtgefälle in der Kirche, die fehlende Kontrolle der Bischöfe - all das sind ja Punkte, die als Risikofaktoren für den Missbrauch von Minderjährigen und dessen Vertuschung identifiziert wurden. Die Bischöfe nehmen sich die Zeit für eine gründliche Analyse, um dann eine tragfähige Lösung finden. Natürlich. Doch die katholische Kirche wird seit rund 20 Jahren mal mehr mal weniger intensiv mit dem Skandal des Missbrauchs in den eigenen Reihen konfrontiert.

Die Geduld vieler Katholiken ist erschöpft

Die Zeit war da. Die Geduld der Opfer ist erschöpft, und auch die Mitglieder haben immer weniger Verständnis für dieses Schneckentempo bei der Aufklärung und Aufarbeitung der Missbrauchskrise. Dass im Jahr 2018 noch einmal deutlich mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten sind, ist ein klares Zeichen.

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Deutsche Bischöfe beraten über Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal