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Auch nach Corona: Christliche Eltern wünschen sich Homeschooling | BR24

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In der Corona-Krise müssen Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten. Für viele ist das eine nur schwer zu bewältigende Aufgabe. Doch einige christliche Eltern fordern nun: Auch nach Corona soll das sogenannte Homeschooling möglich bleiben.

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Auch nach Corona: Christliche Eltern wünschen sich Homeschooling

In der Corona-Krise müssen Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten. Für viele ist das eine nur schwer zu bewältigende Aufgabe. Doch einige christliche Eltern fordern nun: Auch nach Corona soll das sogenannte Homeschooling möglich bleiben.

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Überall taucht es momentan in Bezug auf die Corona-Krise auf: das Wort "Homeschooling". Tatsächlich müssen sich Eltern zu Hause gerade einiges einfallen lassen und bisweilen auch mal den Schulstoff erklären. Eigentlich aber meint "Homeschooling" das Prinzip, ein Kind dauerhaft zu Hause zu unterrichten – also eine Aussetzung der Schulpflicht. Manche Eltern und Verbände finden: Es könnte doch auch in Zukunft etwas flexibler gehalten werden mit der Schulpflicht.

"Homeschooling" schon vor Corona kontrovers diskutiert

Nicht erst seit den Einschränkungen durch Corona wird das "Homeschooling" kontrovers diskutiert. Während Gegner des Hausunterrichts auf Länder wie die USA zeigen und vor einer Indoktrination durch radikale Eltern warnen, verweisen die Befürworter auf Nachbarländer wie Österreich: Dort herrscht anstelle der Schulpflicht eine sogenannte "Unterrichtspflicht", die den Eltern die Möglichkeit gibt, den Nachwuchs in den eigenen vier Wänden zu unterrichten.

Das fordert nun auch der Verband "Katholische Elternschaft Deutschlands". Dessen bayerischer Geschäftsführer Bernhard Huber sagt zwar, dass er es sich nicht zutrauen würde, seine Kinder zu Hause zu unterrichten und dass es angenehm sei, auf bestehende Strukturen zurückgreifen zu können. Aber es gehe ums Prinzip.

"Es müsste als Möglichkeit bestehen. Es ist einfach nicht in Ordnung, wenn Eltern, die ihr Erziehungsrecht wahrnehmen wollen, am Ende sehen: Sie müssen Strafe zahlen, vielleicht sogar ins Gefängnis." Bernhard Huber, Katholische Elternschaft Deutschlands

Kind nicht in Schule: Eltern droht Bußgeld

In der Tat drohen in Bayern Eltern, die ihr schulpflichtiges Kind nicht zur Schule anmelden oder die nicht dafür sorgen, dass es regelmäßig am Unterricht teilnimmt, empfindliche Geldbußen. Dabei ist laut dem Diplomtheologen der Unterricht zu Hause nur eine höhere Form von individueller Förderung.

Schließlich gebe es Kinder, so Huber, die absolut nicht gerne in die Schule gingen: "Eltern müssen aber dann gegen ihr Gefühl und ihr Gewissen angehen und Zwang anwenden, dass das Kind in die Schule geht. Das wird verlangt. Und da frage ich mich: Welches Ergebnis kommt dabei raus?"

Katholische Jugendverbände sehen Unterricht zuhause skeptisch

Das Thema polarisiert: Die katholischen Jugendverbände "Gemeinschaft Christlichen Lebens" (GCL) und "Katholische Studierende Jugend" (KSJ) sehen solche Vorschläge skeptisch. Die Landesleiterin der Verbände, Eva Schubert, sieht die Aufgabe beim Staat an der richtigen Stelle, denn so könnten auch Kinder aus schwächeren Familien aufgefangen werden und sich weiterentwickeln. Auch der Austausch mit anderen sei wichtig:

"Schule ist ja viel mehr als nur ein Ort, an dem Wissen vermittelt wird. Schule ist eine Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. In der treffen sie auf andere Kinder und Jugendliche, auf Gleichaltrige, mit denen sie sich auseinandersetzen können und sich in einer Gesellschaft auch zurechtfinden." Eva Schubert

Kultusministerium: Schulpflicht in Bayern hat Verfassungsrang

Auf Anfrage stellt das Bayerische Kultusministerium in einer schriftlichen Stellungnahme klar: Die Schulpflicht hat in Bayern Verfassungsrang und ist ein hohes Gut. Sie diene zur Einübung und Durchsetzung von Demokratie, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit. Weiter heißt es: "Unabhängig davon besteht selbstverständlich die Möglichkeit, ergänzend hierzu einen selbstorganisierten Unterricht zu Hause durchzuführen. Dieser kann aber nur neben dem Bildungsangebot der Schule und unter Beachtung der Schulpflicht erteilt werden und sollte sich am schulischen Unterricht orientieren."

Ausnahmen von der Schulpflicht gebe es nur für Schüler, deren Eltern im Ausland arbeiten oder die wegen Behinderung oder Krankheit nicht transportfähig sind.

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