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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Dan Himbrechts

Nach Biontech/Pfizer und Moderna kommt nun auch vom britischen Pharmakonzern AstraZeneca deutlich weniger Impfstoff als zugesagt. Die EU-Kommission reagiert massiv verärgert.

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Auch Astrazeneca liefert weniger Corona-Impfstoff

Nach Biontech/Pfizer und Moderna kommt nun auch vom britisch-schwedischen Pharmakonzern Astrazeneca deutlich weniger Impfstoff als zugesagt. Die EU-Kommission reagiert massiv verärgert.

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Von
  • Gabriel Wirth

Die Verärgerung in der EU-Kommission ist groß: Nun hat mit Astrazeneca das mittlerweile dritte Pharmaunternehmen Verzögerungen bei der Lieferung von Corona-Impfstoffen angekündigt.

Astrazeneca mit Produktionsproblemen

Noch fehlt die EU-Zulassung für den Impfstoff von Astrazeneca. Aber schon ist klar, wenn die Zulassung voraussichtlich in ein paar Tagen kommt, dann wird der Konzern im ersten Quartal voraussichtlich 60 Prozent weniger liefern als zunächst zugesagt.

Unbestätigten Berichten nach muss der Impfstoff nach den Mutationen in einigen Ländern angepasst werden. Bereits auf Halde produzierte Impfstoffmengen könnten deshalb womöglich nicht ausgeliefert werden. Zudem seien die Auswirkungen auf die Produktion nach einem Brand in einem Werk in Indien noch nicht klar. Eine Firmensprecherin sprach lediglich von Produktionsschwierigkeiten an einem ungenannten Standort in der europäischen Lieferkette. Astrazeneca werde im Februar und im März während des Produktionshochlaufs zig Millionen Dosen an die EU liefern.

Empörung in der EU-Kommission

Die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides reagierte enttäuscht auf die Ankündigung des Konzerns. Die EU-Kommission und Mitgliedstaaten hätten tiefe Unzufriedenheit darüber geäußert, dass im ersten Quartal weniger Impfstoff geliefert werden solle als geplant, erklärte sie am Freitagabend. Man habe darauf bestanden, dass es einen genauen Lieferplan gibt, auf dessen Grundlage die Mitgliedstaaten ihre Impfprogramme planen können. Die EU-Kommission werde weiter auf mehr Zuverlässigkeit bei den Lieferungen dringen und auf eine beschleunigte Verteilung der Dosen.

Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte sich die EU mit Astrazeneca einen Rahmenvertrag geschlossen und sich auf die Lieferung von zunächst 300 Millionen Impfdosen verständigt. Laut EU-Kommission enthält der Vertrag zudem eine Option auf 100 Millionen weitere Impfungen. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach damals vom "ersten Grundpfeiler" einer europäischen Impfstoffstrategie.

Spahn bleibt zuversichtlich

Trotz der Lieferprobleme versicherte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass im nächsten Monat viele Menschen mit dem Vakzin des Impfstoffherstellers geimpft werden könnten. In den ARD-"Tagesthemen" erklärte der CDU-Politiker, dass er in einer Woche die Zulassung dieses Impfstoffs erwarte. Es werde dann auch im Februar Lieferungen geben und zwar in einer Größenordnung, die schon im Februar einen Unterschied machen würden im Vergleich dazu, wenn man Astrazeneca nicht hätte. Da sei er zuversichtlich.

Doch auch bei anderen Impfstofflieferanten kommt es zu Verzögerungen. In manchen EU-Ländern wächst der Unmut vor allem über Pfizer. Italien drohte dem Konzern sogar schon mit juristischen Schritten. Man werde das Unternehmen um eine Klärung bitten, meinte ein Sprecher der EU-Kommission.

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