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Attentäter von Halle: Kontakt in die rechtsradikale Online-Szene | BR24

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Stephan B., der Attentäter von Halle, hatte Kontakt in die rechtsradikale Online-Szene.

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    Attentäter von Halle: Kontakt in die rechtsradikale Online-Szene

    Der Attentäter von Halle hat Kontakte in die rechtsradikale Online-Szene. Dort hat er Unterstützer. Vor Gericht steht er jetzt zwar allein, doch Experten bezweifeln, dass die Verurteilung Einzelner im Kampf gegen Rechtsextremismus ausreicht.

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    Stephan B. ist alleine im Auto, als er sein Anschlagsziel, die Synagoge in Halle, vergangenes Jahr an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, ansteuert. Im Livestream, den er für rechtsradikale Gesinnungsgenossen online stellt, ist zu hören, wie er sich aufputscht. Als ob er ein Kommando gäbe, ertönt seine Stimme: "Musik – Komm - Lautsprecher." Dann ist das antisemitische und volksverhetzende Lied "Powerlevel" des rechtsradikalen Rappers mit dem Pseudonym Mr. Bond zu hören.

    Strafrechtlich gesehen ist Stephan B. ein Einzeltäter. Der Extremismus-Experte und Antisemitismusbeauftragte in Berlin, Samuel Salzborn, hält den Begriff des Einzeltäters, die sogenannte "Lone Wolf Theory", aber für überholt: "Ich glaube, der Begriff des Einzeltäters ist extrem verwirrend."

    Der Begriff "Einzeltäter" ist politisch verwirrend

    Strafrechtlich möge es bisweilen so sein, dass jemand alleine handle, eine konkrete Straftat ausübe, sagt Salzborn. Aber der Begriff des Einzeltäters sei politisch verwirrend, denn: "Niemand agiert allein, alle rechtsextremen oder auch antisemitischen Akteure sind eingebunden in Netzwerke. Das lenkt davon ab, dass es eine große Integration in der Szene und in das Milieu gibt."

    In einem rechtsradikalen Imageboard vernetzt sich Stephan B. mit Gleichgesinnten - auch der rechtsradikale Rapper Mr. Bond ist aktiv in dem Forum. Dies zeigen Recherchen des ARD Politmagazins "report München" und der österreichischen Tageszeitung "Der Standard". Phantasien vom "Reich" und Glorifizierung von Hitler dominieren den Austausch im Chat, der der Redaktion vorliegt.

    Rechtsradikaler Rapper und antisemitische Datenbank

    Neben Mr. Bond auch dabei: K.M., die Abkürzung für Kikel Might. Er ist der Hintermann der mittlerweile indizierten rechtsradikalen Webseite "Judas Watch", einer Datenbank mit Listen sogenannter "Feinde der weißen Rasse". Juden sind mit einem Davidstern markiert. Im rechtsradikalen Podcast mit dem Namen "im Ofen" wird Kikel Might international gefeiert: "Tonight I am joined by Kikel Might of Judas Watch, welcome to the show Kikel", sagt der Moderator des extremistischen Podcasts. Kikel Might bedankt sich mit "Hello and thanks for having me on", um seine Ideen von der Endlösung und seiner Feindes-Datenbank zu propagieren.

    Kikel Might und Mr. Bond haben sogar direkt miteinander Kontakt. Im Chat propagiert Kikel Might 2017 ein persönliches Treffen mit Mr. Bond. Der sagt: "based". Das bedeutet so viel wie: "Geht klar." Der Attentäter von Halle, Stephan. B., ist online in ihrem Dunstkreis. Das Lied von Mr. Bond habe ihm als Kommentar zur Tat gedient, sagt er dem Gericht.

    Schauspieler und Schriftsteller Christian Berkel schockiert

    Der Schauspieler und Schriftsteller Christian Berkel, der ebenfalls auf JudasWatch gelistet war, kann angesichts der Attentate in Halle, Christchurch und dem Mord an Walter Lübcke, nicht verstehen, dass rechtsradikale Online-Verstrickungen nicht besser analysiert werden.

    "Man kann sich da relativ leicht zurückziehen und sagen: Ja, da ist jemand verrückt, der ist nicht zurechnungsfähig, ist ein Einzeltäter. Und dadurch geschieht halt so etwas. Und dann sind alle beruhigt. Wenn der gefasst wird, dann ist die Gefahr ja gebannt. Dass diese Leute zwar eventuell einzeln oder allein agieren, aber ein Backup haben, auf eine Gruppe zurückgreifen können, sich gestützt fühlen durch Leute im Internet, das ist eine neue Realität." Christian Berkel, Schauspieler und Schriftsteller

    Berkel: "Zuständige Ministerien auf dem rechten Auge blind"

    Dass JudasWatch trotz Strafanzeigen jahrelang online blieb, empört Berkel. "Es schockiert mich zutiefst, zu merken, dass wir in einem Land leben, nicht nur, in dem so etwas möglich ist, in dem Leute so denken und dass dieses Gedankengut immer breiter Zustimmung findet, sondern es schockiert mich, dass die Organe, die dafür zuständig sind, uns davor zu schützen, ein Justizministerium, ein Innenministerium, auf diesem rechten Auge offenbar blind sind. Und das ist nicht nachvollziehbar."

    Dass zwei Menschen, die keine Juden waren, erschossen wurden und der Anschlag auf die Synagoge in Halle im vergangenen Jahr misslingt, kommentiert der rechtsradikale Rapper im Chat so: "What a massive fuck-up."

    Rechtsextremes Lied könnte Nachweis für Tatmotivation sein

    Die Bundesanwaltschaft teilt zu der Musik im Livestream von Stephan B. mit: "Es wurden Ermittlungen zu der von dem Angeklagten verwendeten Hintergrundmusik durchgeführt." Diese könne – neben anderen Beweisanzeichen - für den Nachweis der Tatmotivation von Bedeutung sein.

    Doch das volksverhetzende Video, mit dem sich der Attentäter aufputscht, bleibt online. Erst nachdem report München und Der Standard es vergangene Woche den Behörden melden, wird es gesperrt. Nicht aber all die anderen Musikvideos von Mr. Bond, mit ihrer krassen, volksverhetzenden Nazi-Propaganda. Sie sind nach wie vor in Deutschland für jedermann erreichbar. Das gehöre nicht zum gesetzlichen Auftrag, teilt die Bundesanwaltschaft mit. Offenbar zeigt sich bisher auch keine andere Behörde in Deutschland dafür zuständig.

    Sendehinweis: Mehr zu diesem Thema heute Abend ab 21.45 Uhr in der ARD bei report München.

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