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Attentäter von Halle gesteht Tat und rechtsextremistisches Motiv | BR24

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Stephan B.

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Attentäter von Halle gesteht Tat und rechtsextremistisches Motiv

Der Todesschütze von Halle hat die Tat gestanden und auch ein rechtsextremistisches, antisemitisches Motiv bestätigt. Stephan B. habe beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs am Donnerstagabend ausgesagt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur.

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B. befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft. Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof erließ am Donnerstagabend Haftbefehl gegen den 27-jährigen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm zweifachen Mord und versuchten Mord in mehreren Fällen vor. Nach Einschätzung der Ermittler wollte der mutmaßliche Attentäter ein Massaker anrichten und Nachahmer zu ähnlichen rechtsextremistischen und antisemitischen Taten anstiften.

Attacke an Jom Kippur

Stephan B. war am Mittwoch festgenommen worden, nachdem vor einer Synagoge in Halle eine 40 Jahre alte Frau und in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss ein 20-jähriger Mann erschossen worden waren. Zuvor hatte der Täter vergeblich versucht, die Synagoge mit Waffengewalt zu stürmen. Zu dem Zeitpunkt hielten sich 51 Menschen in dem Gotteshaus auf und feierten das wichtigste jüdische Fest, Jom Kippur. Auf der Flucht verletzte der Täter zudem eine 40 Jahre alte Frau und deren 41 Jahre alten Mann mit Schüssen. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte B. vier Schusswaffen und mehrere Sprengsätze bei sich.

Bekennervideo und "Manifest" gefunden

Ein Bekennervideo in sozialen Netzwerken zeigt den Ablauf der Tat aus der Perspektive des Attentäters - von der vergeblichen Erstürmung der Synagoge über die tödlichen Schüsse bis zur Flucht. Zudem legte der Täter in einem elf Seiten langen "Manifest" seine Gedanken dar.

Frage nach Mittätern ist offen

Es bleiben für die Behörden jedoch noch viele Fragen offen. Im Fokus steht dabei, "ob Personen in die Vorbereitung oder Durchführung des Anschlags eingebunden waren oder im Vorfeld Kenntnis hiervon hatten", wie die Bundesanwaltschaft am erklärte. Bisher fehlten "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte" dafür, dass der Beschuldigte an eine rechtsterroristische Vereinigung angebunden gewesen sei oder ein sonstiger Zusammenhang mit einer solchen Vereinigung bestehe. Die Ermittlungsbehörden sprechen bislang von einem Einzeltäter.

Justizministerin räumt Versäumnisse ein

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) räumte Versäumnisse der Sicherheitsbehörden im Kampf gegen Rechtsextremismus ein. "Ich bin der Meinung, dass wir vieles in diesem Land nicht in dieser Dramatik, in dieser Bedeutung wahrgenommen haben und dass es umso wichtiger ist, jetzt tatkräftig, entschlossen und konsequent als Rechtsstaat zu handeln", erklärte sie in den ARD-"Tagesthemen" Lambrecht forderte zudem einen besseren Schutz der jüdischen Gemeinden. Politik, Justiz und Sicherheitsbehörden müssten sich jetzt dazu verpflichten, "dass wir jüdische Bürgerinnen und Bürger in diesem Land besser schützen".

Ruf nach Strafverschärfung

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, forderte in diesem Zusammenhang eine Verschärfung des Strafrechts. Paragraf 46 des Strafgesetzbuches, wonach "rassistische, fremdenfeindliche oder sonstige menschenverachtende" Beweggründe bei der Bemessung des Strafmaßes besonders berücksichtigt werden, müsse um das Wort "antisemitisch" erweitert werden, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Bund und Länder müssten jetzt zudem "noch einmal grundsätzlich über die Sicherheit jüdischer Einrichtungen" beraten.

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Der Todesschütze von Halle hat die Tat gestanden. Er bestätigte auch ein rechtsextremistisches und antisemitisches Motiv. Unterdessen werden Rufe nach politischen und juristischen Konsequenzen immer lauter.