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Attacke vor Synagoge in Hamburg: Tatverdächtiger in Psychiatrie | BR24

© dpa-Bildfunk/Jonas Walzberg

Nach dem wohl antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten vor der Synagoge in Hamburg gehen die Ermittlungen weiter

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    Attacke vor Synagoge in Hamburg: Tatverdächtiger in Psychiatrie

    Nach dem antisemitischen Angriff vor der Hamburger Synagoge ist der Tatverdächtige jetzt in einer psychiatrischen Klinik. Die Ermittler vermuten, dass er nicht voll schuldfähig war. Der Mann soll einen Bezug zur Bundeswehr gehabt haben.

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    • BR24 Redaktion

    Nach der Attacke auf einen jüdischen Studenten in Hamburg gehen die Untersuchungen zu Motiv und psychischer Gesundheit des mutmaßlichen Täters weiter. Es sei davon auszugehen, dass der Angriff des 29-Jährigen auf den Studenten vor der Synagoge antisemitisch motiviert war, teilten Polizei und Generalstaatsanwaltschaft mit. Dem Tatverdächtigen wird versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

    Da der Mann aber offenkundig psychisch krank ist, ordnete eine Untersuchungsrichterin an, ihn in einer psychiatrischen Einrichtung unterzubringen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass er die Tat aufgrund einer psychischen Erkrankung im Zustand erheblicher Einschränkung oder ganz ohne Schuldfähigkeit begangen habe, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

    Keine Gegenwehr bei der Festnahme

    Der Tatverdächtige hatte am Sonntag in Bundeswehruniform vor der Synagoge gewartet, in der sich die Gemeinde zur Feier des Laubhüttenfestes versammeln wollte. Bei dem Angriff mit einem Klappspaten verletzte er den 26-jährigen jüdischen Studenten schwer, aber nach Angaben der Polizei nicht lebensgefährlich. Nach seiner Festnahme fanden Ermittler bei ihm einen Zettel mit einem handschriftlich aufgemalten Hakenkreuz und ein Taschenmesser.

    Laut Polizei war der Angreifer bereits vorher in psychiatrischer Behandlung. Er soll sich nach dem Angriff auf den Studenten merkwürdig verhalten und stocksteif dagestanden haben, bis Polizisten ihn überwältigten.

    Tatverdächtiger soll bei Bundeswehr gewesen sein

    Ob die Bundeswehruniform, die der 29-Jährige bei der Tat trug, tatsächlich echt war, wird derzeit noch geprüft. Laut einem Bericht des "Spiegel" war der Mann aber zeitweise bei der Bundeswehr: Er habe 2016 freiwillig Wehrdienst geleistet, eine dreimonatige Grundausbildung an der Waffe absolviert und später als Sanitäter gearbeitet.

    Die Hamburger Staatsanwaltschaft wollte den Bericht weder bestätigen, noch dementieren. Es laufe dazu derzeit noch eine Anfrage bei der Bundeswehr.

    Zeichen der Solidarität mit Juden in Deutschland

    Am Montagabend versammelten sich rund 200 Menschen vor der Syngagoge in Hamburg zu einer Mahnwache. Aufgerufen dazu hatte das "Bündnis gegen rechts".

    "Diese Attacke zeigt, wie brisant die Lage im Moment ist. Ich würde mir wünschen, dass wir in der Zukunft in ganz Deutschland oder weltweit eine Situation haben, wo wir solche Mahnwachen nicht mehr organisieren müssen." Andreas Brämer, Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg

    Bundesweit hatte der Angriff Entsetzen hervorgerufen: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sprach von einer "widerlichen Attacke"; Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) von einem "feigen und abscheulichen Anschlag, der auch mich bestürzt".

    Antisemitismusbeauftragter forderte mehr Schutz

    Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, fordert die Länder angesichts der Angriffe von Hamburg und vor gut einem Jahr auch Halle dazu auf, konkrete Sicherheitskonzepte zum Schutz jüdischer Einrichtungen auszuarbeiten. Die jüdische Gemeinschaft müsse insgesamt besser geschützt werden - auch im Alltagsleben, sagte er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Das gehe nur, wenn man jüdisches Leben aktiv fördere. Klein: "Das ist genauso wichtig wie der Kampf gegen den Hass."

    Erst vor zwei Wochen habe die Bundesregierung 22 Millionen Euro zusätzlich für bauliche Schutzmaßnahmen bereitgestellt im Rahmen einer Vereinbarung zwischen dem Bundesinnenministerium und dem Zentralrat der Juden. "Die Länder sind nun aufgefordert, eigene Mittel bereit zu stellen und konkrete Sicherheitskonzepte auszuarbeiten", so Klein.

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