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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Julian Stratenschulte

10 Jahre Fukushima: Die Katastrophe im Rückblick

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Atomausstieg: Wind, Wasser und Sonne auf dem Vormarsch

Die Atomkatastrophe von Fukushima hatte auch für Deutschland weitreichende Folgen. Wenige Tage danach verkündet Bundeskanzlerin Merkel den Ausstieg aus der Atomenergie. Wie unabhängig wir heute schon vom Atomstrom sind, klärt das B5 Thema des Tages.

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Von
  • Dominik Einzel
  • Dirk Vilsmeier

Zum Zeitpunkt der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 hatten wir in Deutschland noch 17 Atomkraftwerke, die für rund 20 Prozent der Stromerzeugung standen. Davon wurden damals ziemlich zügig acht Kraftwerksblöcke abgeschaltet. Mittlerweile sind es nur noch sechs Atomkraftwerke, die vergangenes Jahr für rund zehn Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms standen. Zwei davon stehen in Bayern: Gundremmingen Block C soll Ende dieses Jahres vom Netz gehen und Isar II Ende 2022. Bis dahin ist dann auch die Stilllegung aller restlichen Anlagen geplant. Zwei davon laufen noch in Niedersachsen, eines in Schleswig-Holstein und eines in Baden-Württemberg.

Auch ohne Atom nicht zu wenig Strom

Vergangenes Jahr hat Deutschland den Gegenwert der Jahresstromproduktion von zwei Atomkraftwerken exportiert. Das entspricht 20 Terawattstunden. Rein rechnerisch könnte man sofort zwei Atomkraftwerke abschalten, weil die nur für den Export liefen. In Bedrängnis, zu wenig Strom zu haben, kämen wir dadurch nicht. Darüber hinaus haben wir z.B. noch Gaskraftwerke in Deutschland, die aus Effizienzgründen still stehen. Zwei dieser Kraftwerke sind im oberbayerischen Irsching und haben zusammen die Leistung eines Atomkraftwerks.

Ausbau erneuerbarer Energien weit fortgeschritten

Der Ausbau erneuerbaren Energien ist so weit fortgeschritten, dass zum Jahreswechsel die erste Runde des Kohleausstiegs vollzogen und Steinkohlekraftwerke stillgelegt werden konnten. Die produzierten so viel Strom wie drei Atomkraftwerke. Noch sind Braun- und Steinkohlekraftwerke im Energiemix aber noch für ein knappes Drittel der Stromerzeugung in Deutschland zuständig. Um die also komplett zu ersetzen müssen die erneuerbaren Energien noch deutlich mehr Strom liefern. Allerdings: Vergangenes Jahr lieferten die zum ersten Mal mehr als die Hälfte des in Deutschland erzeugten Stroms. Schluss mit Kohlestrom soll spätestens 2038 sein.

Deutsche Atomkraftwerke vom Netz, Atomstrom importiert?

Ob wir in Zukunft dann trotzdem wieder Atomstrom aus dem Ausland importieren müssen hängt nicht unbedingt von unseren Kraftwerkskapazitäten ab. Sondern davon, wann die großen Stromtrassen von Nord nach Süd fertig werden. Die sollen den Windstrom von der Küste in die Verbrauchszentren im Süden bringen und werden bis Ende kommenden Jahres auf gar keinen Fall zur Verfügung stehen. Zum Ausgleich sollen aber Gaskraftwerke gebaut werden um in Süddeutschland aushelfen zu können, wenn es mal mit dem Strom eng werden sollte.

Stromproduktion: Jeder für sich oder alle zusammen

Entscheidender ist die Frage nach der Strom Autarkie: Vielleicht ist es gar nicht mehr so wichtig, dass ein Land für sich selbst genügend Strom produziert. Möglicherweise macht es mehr Sinn in europäischen oder noch größeren Dimensionen denken. Was bringt die Möglichkeit, sich selbst mit Strom versorgen zu können, wenn Windenergie von der Nordsee, Wasserkraft aus Norwegen oder Solarenergie aus Südspanien am Ende günstiger und umweltschonender sind.

"Es wäre wichtig, über einen grenzüberschreitenden Stromaustausch nachzudenken. So könnte Stromknappheit in einer Region durch einen Stromüberschuss in anderen recht gut ausgeglichen werden." BR Energieexperte Dirk Vilsmeier

Aber natürlich lässt sich dabei nicht verhindern, dass man bei Importieren dann doch mal Atom- oder Kohlestrom dabei hat.

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Wie kann der Atomausstieg in Deutschland vollendet werden? Dazu legte Bundesumweltministerin Schulze am Jahrestag der Fukushima-Katastrope einen Plan vor. Wer heute noch auf Atomkraft setze, tappe in eine Kostenfalle, so Schulze.

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