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Merkel und Spahn

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    Astrazeneca: Spahn ruft über 60-Jährige zur Impfung auf

    Bundesgesundheitsminister Spahn wertet die Entscheidung zu Astrazeneca als Rückschlag für die Impfkampagne. Zugleich appelliert er an die über 60-Jährigen, ein Impfangebot mit Astrazeneca anzunehmen. Der Impfstoff sei gerade bei Älteren sehr wirksam.

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    Von
    • Petr Jerabek

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Beschluss von Bund und Ländern verteidigt, dass der Corona-Impfstoff von Astrazeneca nur noch für Menschen ab 60 Jahren eingesetzt werden soll. Die Erkenntnisse von Fachleuten über mögliche Nebenwirkungen könnten nicht ignoriert werden, sagte sie in Berlin nach einer Videoschalte mit den Ministerpräsidenten der Länder. Wichtig sei Transparenz. Das Thema Impfung beruhe auf dem Grundsatz des Vertrauens, betonte Merkel. "Vertrauen entsteht aus dem Wissen, dass jedem Verdacht, jedem Einzelfall nachgegangen wird. Dafür stehen Bund und Länder ein."

    Mit ihrer Entscheidung folgten Bund und Länder am Dienstagabend einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Hintergrund sind Fälle von Hirnvenen-Thrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung, besonders bei jüngeren Frauen.

    Spahn-Appell an über 60-Jährige

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach zwar von einem Rückschlag für die Impfkampagne in Deutschland. Zugleich bedeute die Entscheidung aber, dass die über 60-Jährigen jetzt schneller geimpft werden könnten. Es sei vereinbart worden, dass die Länder jetzt schon mit mit Astrazeneca auch die 60- bis 69-Jährigen "in ihre Impfkampagne mit einbeziehen können".

    Die Älteren in dieser wachsenden dritten Welle zu schützen, sei wichtig. "Insofern kann ich alle über 60-Jährigen tatsächlich ausdrücklich nur bitten, dieses Impfangebot auch wahrzunehmen", betonte der Minister. "Und tatsächlich auch die über 60-Jährigen, die Vorbild sein können in dieser Impfkampagne, auch als solche sich möglichst frühzeitig impfen zu lassen." Der Impfstoff sei sehr wirksam, gerade auch bei den Älteren. Jüngere können nach Angaben Spahns "selbst mit dem Arzt in einer Entscheidung für sich abwägen", ob sie sich mit Astrazeneca impfen lassen wollen oder nicht".

    Entscheidung Zweitimpfung steht noch aus

    Bisher haben in Deutschland laut Spahn, 2,2 Millionen Menschen unter 60 eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten. Diese fragten sich nun natürlich, was das für ihre Zweitimpfung bedeute. "Wir haben Anfang Februar mit der Astrazeneca-Impfung in Deutschland begonnen. Das empfohlene Intervall, die Zeitspanne zwischen Erst- und Zweitimpfung, sind neun bis zwölf Wochen." Somit bestehe die Wirksamkeit der Erstimpfung bis mindestens Anfang Mai fort.

    Der Minister kündigte an, es werde nun sehr zügig mit den Experten erörtert, "wie eine mögliche Zweitimpfung auch mit einem anderen Impfstoff, in welchem Impfschema dann sichergestellt werden kann". Ganz wichtig sei aber die Botschaft: Jede und jeder werde ein Impfangebot bekommen, das zur vollen Schutzwirkung führen könne. Unabhängig davon könne jeder der unter 60-Jährigen "unter Abwägung aller Informationen" für sich entscheiden, die Zweitimpfung mit Astrazeneca anzunehmen.

    Spahn: "Impfen fast immer die bessere Entscheidung"

    Insgesamt geht es laut Spahn um das Abwägen zwischen den Risiken einer Nebenwirkung, "die statistisch gering, aber ernst zu nehmen ist", und dem Risiko, an Corona zu erkranken und einen schweren Verlauf oder Langzeitfolgen zu erleiden. Und in dieser Abwägung gelte nach Einschätzung der Experten sehr klar: "Impfen ist fast immer die bessere Entscheidung."

    Einstimmiger Beschluss der Gesundheitsminister

    Vor der Schaltkonferenz Merkels mit den Ministerpräsidenten hatten sich bereits die Gesundheitsminister der Länder einstimmig dafür ausgesprochen, der Stiko-Empfehlung zu folgen und die Corona-Impfungen mit Astrazeneca vorerst für Menschen unter 60 Jahren aussetzen. Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), betonte aber ebenfalls, dass das Astrazeneca-Produkt Studien zufolge ein hochwirksamer Impfstoff sei, der gegen schwere Krankheitsverläufe wirke. "Wir brauchen ihn, um angesichts der dritten Welle und gefährlicher Virusmutationen die Impfungen schnell voranzutreiben."

    Holetschek: "Wer Astrazeneca haben will, sollte es auch bekommen"

    Gemäß der Stiko-Empfehlung dürfen sich laut Holetschek auch Menschen unter 60 Jahren weiterhin impfen lassen, "wenn dies nach ärztlichem Ermessen und individueller Einschätzung entschieden wird". Diese Impfungen sollten in den Arztpraxen vorgenommen werden. "Wer Astrazeneca haben will, sollte es auch bekommen", sagte der bayeriche Gesundheitsminister.

    Der Beschluss der Gesundheitsminister sieht vor, dass die Länder selbst entscheiden sollen, die Impf-Priorisierung bei Astrazeneca für die Menschen über 60 Jahren aufzuheben. "So können wir der Altersgruppe Ü60 schneller ein Impfangebot machen, was dringend notwendig ist", sagte Holetschek dazu.

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