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Astrazeneca: Der Engpass für die Impfstrategie | BR24

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Bildrechte: Andrew Matthews/dpa

Nach den angekündigten Lieferverzögerungen gerät der britisch-schwedische Impfstoffhersteller Astrazeneca erneut in die Schlagzeilen. Mehrere Medien berichteten, das Vakzin dieses Herstellers sei bei Senioren weniger wirksam.

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Astrazeneca: Der Engpass für die Impfstrategie

Lieferausfälle beim Astrazeneca-Impfstoff sorgen für Ärger. Auch die deutsche Impfstrategie würde das treffen. Zudem gibt es Spekulationen über die Wirksamkeit des Impfstoffs. Die EU-Arzneimittelagentur hält eine begrenzte Zulassung für möglich.

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Von
  • Vera Weidenbach

Es läuft einfach nicht rund: Eigentlich sollte noch in dieser Woche der Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens Astrazeneca von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zugelassen werden. Entwickelt an der Universität in Oxford, wird er in Großbritannien bereits seit Ende Dezember verwendet. 80 Millionen Dosen allein für das erste Quartal des Jahres hat sich aber auch die EU gesichert. Allerdings hatte das Unternehmen am Freitag Verzögerungen bei den Lieferungen für die EU bekanntgegeben. Nur 31 Millionen Dosen sollen demnach zur Verfügung stehen. Großbritannien soll dagegen alle Lieferungen wie geplant erhalten.

Von der Leyen: EU will Impfstoff-Exporte besser überwachen

Dabei hat die EU bereits im Sommer 336 Millionen Euro in die Entwicklung und Produktion des Astrazeneca-Impfstoffs investiert. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen machte in einer Videoansprache vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos deshalb Druck auf die Unternehmen. Europa habe Milliarden investiert, sagte sie, "und jetzt müssen die Firmen liefern, sie müssen ihren Verpflichtungen nachkommen." Die EU-Kommission plant laut von der Leyen ein "Transparenzregister", in dem die Hersteller künftig alle geplanten Exporte mitteilen müssen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ging im Morgenmagazin von ARD und ZDF noch weiter: Er forderte eine Exportbeschränkung für europäische Impfstoffe. Impfstoffe sollten die EU nur noch mit einer Genehmigung verlassen dürfen.

Grüne: Produktion in der EU ankurbeln

Die europapolitische Sprecherin der Grünen, Franziska Brantner, kritisierte die Pläne. BR24 sagte sie, es bringe nichts, wenn Astrazeneca andere Verträge breche, um die Absprachen mit der EU zu erfüllen. "Das bringt ja nur andere dann in Schwierigkeiten und hilft am Ende niemandem", sagte Brantner. Stattdessen müssten Deutschland und die EU alles dafür tun, die Produktion in Europa anzukurbeln.

Spahn fordert "Europe’s fair share"

Denn auch Deutschland würde es bei der Impfstrategie wohl zurückwerfen, wenn große Mengen des dritten Impfstoffs in großen Mengen ausblieben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuletzt zugesichert, bis zum 21. September solle allen Bürgern ein Impfangebot gemacht werden können. Jens Spahn sagte, er könne verstehen, dass es bei der komplexen Herstellung von Impfstoffen zu Produktionsproblemen kommen könne, aber die müssten dann alle Länder gleichermaßen betreffen. "Hier geht es nicht um Europe First, sondern um Europe’s fair share, also den gerechten Anteil", sagte Spahn. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte in der ARD, auch ohne den Astrazeneca Impfstoff sei das Ziel der Bundesregierung, bis zum Sommer ein Impfangebot für alle machen zu können, unrealistisch gewesen.

Was ist mit der Wirksamkeit bei Senioren?

Das "Handelsblatt" und die "Bild"-Zeitung berichten, der Impfstoff von Astrazeneca biete Senioren nur einen niedrigen Schutz. Lediglich von acht Prozent Wirksamkeit bei Menschen über 65 Jahre ginge die Bundesregierung aus, heißt es in den Zeitungen unter Berufung auf Koalitionskreise. Woher diese Zahlen stammen, ist bisher allerdings unklar. Das Gesundheitsministerium wies die Aussagen zurück. Es scheine, dass in den Berichten Zahlen verwechselt wurden. So seien acht Prozent der Probanden in einer Wirksamkeitsstudie zwischen 56 und 69 Jahren gewesen. Daraus lasse sich aber nicht eine Wirksamkeit von nur acht Prozent bei Älteren ableiten.

Astrazeneca hat die Berichte als "komplett falsch" zurückgewiesen. Auch ein Staatssekretär der britischen Regierung widersprach: Analysen der britische Arzneimittelbehröden hätten die hohe Wirksamkeit bewiesen, sowohl bei unter 65-Jährigen als auch bei Älteren.

Er werde sich nicht an Spekulationen beteiligen, sagte Jens Spahn. Die EMA werte die Daten zur Zeit aus und werde voraussichtlich am Freitag das Ergebnis vorlegen.

EU-Arzneimittelagentur schließt Zulassung nur für bestimmte Altersgruppe nicht aus

Die EU-Arzneimittelagentur EMA schließt - wie sie am Dienstag Nachmittag bekannt wurde - unterdessen nicht aus, dass der Corona-Impfstoff von Astrazeneca in Europa nur für eine bestimmte Altersgruppe zugelassen wird. "Ich werde der Entscheidung nicht vorgreifen", sagte EMA-Chefin Emer Cooke am Dienstag in einer Anhörung im Europaparlament. Eine begrenzte Zulassung sei aber grundsätzlich möglich. Dies werde genau geprüft.

Cooke bestätigte, dass für den Astrazeneca-Impfstoff nur wenige Testdaten für ältere Menschen vorlägen. Die EMA prüfe nun im Zulassungsverfahren alle vorhandenen Daten darauf, was diese für die getesteten Bevölkerungsgruppen aussagten und was sich daraus belastbar für andere Gruppen schließen lasse. Die Behörde erhalte für das laufende Zulassungsverfahren immer noch neue Daten vom Hersteller. Diese trügen dazu bei, die Leistung des Impfstoffs besser einzuschätzen, sagte Cooke.

Zumindest losgehen könnte es wohl schon bald mit den ersten Lieferungen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters, hat Astrazeneca der EU zugesagt, bereits eine Woche früher als geplant, am 7. Februar, mit der Auslieferung zu beginnen.

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