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Der Impfstoff von Astrazeneca ist in Bayern seit Mittwoch für alle Altersgruppen ab 18 Jahren freigegeben. Freie Impfstoff-Kontingente wurden aber nicht gleichmäßig im Freistaat verteilt.

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FAQ: Was man zu Astrazeneca-Impfungen bei Hausärzten wissen muss

Um keinen Corona-Impfstoff gibt es solche Verwirrung wie um das Vakzin Vaxzevria von Astrazeneca. Empfehlungen wurden geändert, in Bayern die Priorisierung aufgehoben. Was gilt derzeit, wie erhält man eine Impfung? Sieben Fragen und Antworten.

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Von
  • Daniel Knopp
  • BR24 Redaktion

Meldungen über das seltene Auftreten von Sinusthrombosen nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin haben Vorbehalte gegen den Impfstoff erzeugt. Die EU verzichtete zuletzt auf die vertraglich vereinbarte Möglichkeit, 100 Millionen zusätzliche Dosen Vaxzevria, so der inzwischen geänderte Name des Astrazeneaca-Vakzins, zu bestellen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hielt aber an ihrer positiven Bewertung des Impfstoffs fest und Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek hat erklärt, dass der Impfstoff von Hausärzten jedem Impfwilligen verabreicht werden kann.

Ist eine Impfung mit Vaxzevria also eine gute Idee, für wen ist sie möglich, welche Risiken bestehen und was geschieht, wenn es zu Problemen kommt? Hier sieben Antworten auf sieben Fragen.

Für wen wird der Astrazeneca-Impfstoff Vaxzevria empfohlen?

In Deutschland soll der Astrazeneca-Impfstoff Vaxzevria wegen seltener Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) seit Ende März in der Regel nur bei Menschen ab 60 Jahren zum Einsatz kommen, so die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Vaxzevria kann laut Stiko aber auch unter 60-Jährigen "nach ärztlicher Aufklärung" gespritzt werden. Zuvor lautete der entsprechende Passus in der Stiko-Empfehlung "nach ärztlichem Ermessen".

Was gilt in Bayern?

Mit der Aufhebung der Priorisierung von Astrazeneca in bayerischen Arztpraxen will Bayern laut Gesundheitsministerium sicherstellen, "dass die Arztpraxen ab sofort die Möglichkeit haben, den Impfstoff flexibel und schnell zu verimpfen". Der Impfstoff müsse jetzt sofort eingesetzt werden, um damit schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Viele Menschen hätten ein großes Interesse an einer Impfung mit Astrazeneca, hätten ein Impfangebot jedoch auf Grund der bestehenden Impfreihenfolge nicht wahrnehmen können, so das Bayerische Gesundheitsministerium auf BR-Anfrage.

Laut Gesundheitsministerium ist der Einsatz von Vaxzevria bei unter 60-Jährigen "nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz durch den Patienten möglich". In den Arztpraxen seien diese Voraussetzungen besonders gut umsetzbar, so die Einschätzung des Ministeriums. Auch deswegen hat Bayern die Priorisierung bei Astrazeneca in Arztpraxen aufgehoben.

Wer haftet bei einem Impfschaden?

Generell haftet in Deutschland bei einem gravierenden Impfschaden nach einer empfohlenen Impfung das Bundesland. Darüber hinaus könnten natürlich auch Ärzte oder Fachpersonal im Gesundheitswesen haften, wenn bei der Impfung ein Fehler gemacht werde, so der Münchner Medizinrechtler Alexander Ehlers.

Da die Stiko Astrazeneca unter 60-Jährigen nicht empfiehlt, könne der Staat bei einem Impfschaden von unter 60-Jährigen aktuell auch nicht in die Haftung genommen werden, so die Einschätzung des promovierten Juristen und Mediziners Alexander Ehlers. Eventuell könne der Arzt aber in Haftung genommen werden, wenn dieser seiner Aufklärungspflicht nicht nachgekommen sei. Wenn der Arzt jedoch aufgeklärt habe, werde der Patient das Risiko wohl selbst zu tragen haben, so Ehlers.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Bis zum 15. April sind dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) 59 Fälle von Sinus- und Hirnvenenthrombosen nach Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff gemeldet worden, darunter 45 Frauen und 14 Männer. Die Beschwerden traten ausschließlich nach der ersten Impfung auf. Bei 57 der 59 Fälle wurden die Thrombosen innerhalb von 29 Tagen nach der Impfung symptomatisch. Bei zwei Fällen, in beiden waren Frauen betroffen, konnte zum Zeitpunkt des Auftretens keine Angaben gemacht werden.

Wie hoch ist das Risiko?

Bis Mitte April wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) mehr als 4,2 Millionen Erstdosen und über 4.100 Zweitdosen des Impfstoffs verabreicht. Von den 45 betroffenen Frauen im Alter zwischen 20 und 72 Jahren waren fünf älter als 60 Jahre, sechs sind verstorben. Von den 14 betroffenen Männern waren zwei zwischen 60 und 70 Jahre alt, alle übrigen ebenfalls jünger als 60. Auch von den Männern sind sechs Betroffene gestorben.

Wie kann ich mich für eine Impfung anmelden?

Die Ärzteschaft informiert aktiv ihre Patienten über das Impfangebot mit Astrazeneca. Dies sei jedoch davon abhängig, wie viele Impfdosen Astrazeneca vom Bund an die Arztpraxen geliefert werden, so das Bayerische Gesundheitsministerium.

Muss ich in Bayern einen Wohnsitz haben?

Nein. Alle Menschen über 18 Jahre, die in Deutschland krankenversichert sind oder in Deutschland ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben, sind zur Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff Vaxzevria in einer bayerischen Arztpraxis berechtigt.

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