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Das Logo mit dem Schriftzug des Pharmaunternehmens Astrazeneca ist an der Deutschlandzentrale des britisch-schwedischen Unternehmens zu sehen.

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    Astrazeneca: Der Weg des Pharma-Riesen

    Impfstoffe waren eigentlich nie das, womit sich der britisch-schwedische Pharmariese Astrazeneca beschäftigt hatte. Doch in der Corona-Pandemie hat sich das geändert. Und das Unternehmen wurde schlagartig international bekannt.

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    Von
    • Imke Köhler

    In der Corona-Pandemie hat Astrazeneca angefangen, eine zentrale Rolle für die Impfstoffproduktion zu spielen, dabei war das Unternehmen in der Vergangenheit nie ein großer Impfstoffhersteller.

    Der britisch-schwedische Konzern existiert seit 1999. Damals fusionierten das 1913 in Schweden gegründete Unternehmen Astra und das britische Unternehmen Zeneca. Astrazeneca hat sich auf Medikamente gegen Krebs-, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen spezialisiert. Aber dann kam das Jahr 2020, ein Corona-Virus, das die Welt erschüttern sollte, und vieles wurde anders.

    Zusammenarbeit mit anderen Branchen

    CEO Pascal Soriot betont die internationale Zusammenarbeit, die das Unternehmen groß gemacht habe. Man arbeite auch mit anderen Branchen-Unternehmen zusammen, mit Regierungen und Organisationen rund um die Welt. Daraus entstünden Allianzen, die normalerweise undenkbar wären, so Soriot.

    So baute Astrazeneca in Zusammenarbeit mit dem britischen Pharma-Konkurrenten GlaxoSmithKline und der Cambridge University ein Labor für Covid-19-Tests auf. Unter der Führung von Soriot hat Astrazeneca seinen Hauptsitz aus der Provinz nach Cambridge verlegt, um näher an der Spitzenforschung zu sein. Eine Kooperation für die Impfstoffentwicklung und -produktion ist AstraZeneca im April letzten Jahres dann aber mit der anderen Spitzenuni, der Oxford University, eingegangen.

    "Als die Pandemie begann, wurde sehr schnell klar, dass die pharmazeutische Industrie alles aufbieten müsste, um Behandlungsmethoden und Impfstoffe zu finden. Wir haben sofort angefangen zu arbeiten, und wir sind an Oxford University herangetreten und haben ihre weltweit führende Forschung mit unserer Fähigkeit kombiniert, Impfstoffe im globalen Maßstab zu entwickeln und zu produzieren“, sagt der Astrazeneca-CEO.

    Expansion erforderlich

    Allerdings hat Astrazeneca selbst auch nur begrenzte Kapazitäten. Einen Großteil der Impfstoffproduktion hat es deshalb ausgelagert, unter anderem zu einem der weltweit größten Hersteller von Impfstoffen, dem Serum Institute in Indien. Ein beträchtlicher Teil der Impfdosen soll ohnehin für Entwicklungs- und Schwellenländer zur Verfügung stehen. Der Oxford University und AstraZeneca war diese ethische Komponente eigenen Angaben zufolge sehr wichtig.

    Soriot sagt, Covid-19 sei eine weltweite Bedrohung, und man werde sie nur schlagen, wenn man den größtmöglichen Zugang zu potenziellen Impfstoffen biete. Deshalb habe man von Anfang an die Entscheidung getroffen, mit anderen zusammenzuarbeiten, um allen weltweit diesen fairen Zugang zu verschaffen. Und, so ergänzt Soriot, man habe entschieden, es während der Pandemie ohne Profit zu tun.

    Impfstoff zum Selbstkostenpreis

    Was immer noch die Möglichkeit eröffnet, nach der akuten Krise mit dem Impfstoff Geld zu verdienen, wobei ärmere Länder den Impfstoff gegen Covid-19 offenbar dauerhaft zum Selbstkostenpreis bekommen sollen.

    An der Börse sorgt die Abgabe zum Selbstkostenpreis nicht für Höhenflüge, aber Analysten glauben trotzdem, dass Astrazeneca einen unternehmerischen Gewinn erzielen kann: in Form von Expertise und der Erprobung eines neuen Geschäftsfelds.

    Eigentlich müsste der Konzern auch mit einem Imagegewinn und politischem Wohlwollen rechnen können, aber inwiefern er darauf nach dem Streit mit der EU-Kommission um Vertragsklauseln und Lieferausfälle noch hoffen kann, ist fraglich.

    Auf dem Weg nach oben

    Klar sind dagegen die Ambitionen von CEO Soriot für das Unternehmen. Als der Franzose 2012 Vorstandschef wurde, stand Astrazeneca nicht gut da. Wichtige Patente liefen aus, und gewinnversprechende Neuentwicklungen gab es kaum.

    2014 musste das Pharmaunternehmen eine feindliche Übernahme durch den US-Konzern Pfizer abwehren. Soriot brachte Astrazeneca dann aber wieder auf die Erfolgsspur. 2019 setze das Unternehmen mit weltweit rund 70.000 Mitarbeitern gut 24 Milliarden Dollar um, der Konzernerlös erhöhte sich um 10 Prozent, bereinigt um Währungsveränderungen sogar um 13 Prozent und im Ranking der weltweit größten Pharmakonzerne verpasste Astrazeneca nur knapp die Top Ten.

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