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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Michael Kappeler

Der Kandidat um dem CDU-Vorsitz Armin Laschet hat in seiner Bewerbungsrede vor allem seine Fähigkeit hervorgehoben, zu moderieren, alle Strömungen der Partei zu integrieren. Die CDU brauche einen Mannschaftskapitän.

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Armin Laschet wird neuer CDU-Vorsitzender - ein Portrait

Er galt lange als "ewiger Zweiter" – doch heute hat Armin Laschet dieses Image endgültig abgeschüttelt: Die Delegierten wählten ihn auf dem Parteitag zum neuen Vorsitzenden der CDU. Ein Portrait.

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Von
  • Lisa Weiß

Armin Laschet ist der neue Parteichef der CDU. Am Vormittag wurde er von den Delegierten gewählt. Mit 521 Stimmen konnte er sich in der Online-Stichwahl gegen Friedrich Merz durchsetzen, der 466 Stimmen erhielt. Im ersten Wahlgang war der dritte Mitbewerber, Norbert Röttgen, ausgeschieden. Gegen einen seiner beiden Kontrahenten für den CDU-Vorsitz war er schon einmal angetreten: Norbert Röttgen. Damals, 2010, ging es um den Parteivorsitz in Nordrhein-Westfalen. Röttgen, zu dieser Zeit Bundesumweltminister, setzte sich am Ende durch und wurde NRW-Parteichef. Für Laschet blieb nur ein Stellvertreterposten - und das Image des "ewigen Zweiten".

Der "ewige Zweite" setzt sich durch

Doch auch jemand, der als "ewiger Zweiter" gehandelt wird, kann ganz nach oben kommen, wie sich nun gezeigt hat. Zwei Jahre dauerte es, bis er nach einem Debakel bei der Landtagswahl Röttgen als NRW-Parteivorsitzenden ablöste. Wenig später übernahm er auch den Fraktionsvorsitz im Landtag, wurde also Oppositionsführer.

Unregelmäßigkeiten bei seiner Lehrtätigkeit an einer Hochschule in Aachen hielten ihn ebenso wenig auf, wie Ungereimtheiten bei seiner Steuererklärung: Er schaffte es, sich bei der Landtagswahl 2017 überraschend gegen die amtierende Ministerpräsidentin Hannelore Kraft von der SPD durchzusetzen. Seither führt Laschet eine schwarz-gelbe Koalition.

Wofür steht Armin Laschet?

Laschet stammt aus einem katholisch geprägten Elternhaus in Aachen, der Vater war erst Bergmann, später Lehrer. Über die kirchliche Jugendarbeit kam Laschet noch als Schüler zur CDU. Er studierte Jura in München und Bonn - und wurde Journalist, arbeitete zum Beispiel für Radio Charivari und für den Bayerischen Rundfunk, bevor er 1991 Chefredakteur der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen wurde.

Der gläubige Katholik war als Bundestagsabgeordneter in den 90ern Teil der "Jungen Wilden" – einer Gruppe von Unions-Parlamentariern, die sich mit Grünen-Abgeordneten trafen und ein liberales Staatsbürgerschaftsrecht forderten.

Schwarz-grüne Koalition könnte mit Laschet möglich sein

Integrationspolitik wurde der Schwerpunkt von Laschet, der nach einem Abstecher ins Europäische Parlament zum Minister in NRW ernannt wurde. Sein Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration war damals einzigartig in Deutschland. Laschet vertrat schon Mitte der 2000er Jahre die These, dass Deutschland ein Zuwanderungsland sei – von seinen konservativen Kollegen wurde er dafür heftig kritisiert.

Angela Merkels Flüchtlingspolitik hat Laschet später immer unterstützt. Er hat, gerade als die AfD stärker wurde, wieder und wieder vor einem Rechtsruck der Union gewarnt. Laschet steht für christliche Werte, dass er als Parteivorsitzender Merkels Kurs der Mitte weiterverfolgen könnte, gilt als sicher. Eine Koalition mit den Grünen könnte mit ihm auch im Bund möglich sein.

Laschet und Spahn: ein konservativ-liberales Team

Schon als Kanzlerin Angela Merkel 2018 ihren Rücktritt als CDU-Vorsitzende ankündigte, wurde Laschet als ihr Nachfolger gehandelt. Er trat aber nicht an, am Ende setzte sich Merkels Favoritin, Annegret Kramp-Karrenbauer durch. Als auch sie gut ein Jahr später aufgab, warf Armin Laschet seinen Hut in den Ring.

Im Gegensatz zu seinen beiden Konkurrenten trat er im Team an – zusammen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der Laschets Kandidatur unterstützte. Spahn zählt zum konservativen Flügel der CDU, Laschet zum liberalen; das Team hofft also auf Stimmen aus allen Teilen der CDU.

Krisenmanager Laschet

Wegen der Corona-Krise wurde die Wahl zum Parteivorsitz mehrmals verschoben. Während Gesundheitsminister Spahn durch die Krise an Popularität zugelegt hat, konnte Laschet nicht wirklich punkten: Er versuchte einen eher lockeren Kurs im Umgang mit Corona.

Einige eher unglücklich wirkende Talkshow-Auftritte und vor allem die vielen Corona-Infektionen im nordrhein-westfälischen Tönnies-Werk ließen seine Umfragewerte zwischendurch stark einbrechen.

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