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Armee im Sudan zwingt Präsident zum Rücktritt | BR24

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Im Sudan deutet sich ein Machtwechsel an. Das Militär hat für heute eine wichtige Mitteilung angekündigt. Zahlreiche Beobachter rechnen damit, dass es dem Präsidenten Al-Baschir die Untersützung entzieht.

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Armee im Sudan zwingt Präsident zum Rücktritt

Im Sudan hat die Armee den langjährigen Präsidenten Omar Al-Baschir offenbar zum Rücktritt gezwungen. Die genauen Umstände des Staatsstreichs sind noch unklar.

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Der langjährige Präsident des Sudan, Omar Al-Baschir, ist entmachtet worden. Wie ranghohe Funktionäre von Regierung und Militär erklärten, wurde der Politiker von der Armee zum Rücktritt gezwungen. Das Militär berate nun über die Bildung einer Übergangsregierung. Wo Al-Baschir sich derzeit aufhält, ist unbekannt.

Politische Gefangene sollen freikommen

Der gefürchtete Geheimdienst NISS hat inzwischen die Freilassung aller politischen Gefangenen im Land angekündigt. Das berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Suna. Unklar ist aber noch, wie viele Häftlinge davon betroffen sein werden und wie schnell sie freigelassen werden sollen. Erst am Wochenende waren während der Proteste gegen die Regierung rund 2500 Menschen festgenommen worden.

Brücken über Nil gesperrt

Die Armee hatte am frühen Morgen nach wochenlangen Protesten eine "wichtige Erklärung" angekündigt. Allein dies hatte bei Demonstranten Erwartungen geweckt, dass Baschir abgelöst werden würde. Soldaten und Angehörige der Sicherheitskräfte waren an wichtigen Straßen und Nilbrücken in Stellung gegangen. Augenzeugen bestätigten, dass einige Brücken in Richtung Innenstadt von Khartum abgeriegelt wurden.

Ende einer blutigen Herrschaft

Al-Baschir hatte sich vor rund 30 Jahren an die Macht geputscht. Er wird für den gewaltsamen Tod von Millionen Menschen in Darfur, den Nuba-Bergen und anderen Konfliktregionen im Sudan sowie im Südsudan verantwortlich gemacht. Vom Internationalen Strafgerichtshof wird er wegen Völkermords mit Haftbefehl gesucht. Viele Staaten haben den Sudan unter seiner Herrschaft geächtet

Lange Proteste in Khartum

Zehntausende Menschen hatten seit Monaten gegen den autoritären Staatschef protestiert. Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch Preiserhöhungen für Nahrungsmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs, die wiederum mit der schweren Wirtschaftskrise zusammenhängen. Im Laufe der Zeit richteten sie sich zunehmend gegen den Präsidenten selbst.

Im Februar verhängte Al-Baschir einen Ausnahmezustand, löste seine Regierung und die der Bundesstaaten auf und erklärte, er würde als Chef der Regierungspartei zurücktreten. Dies entschärfte die Lage aber nicht.