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Zu hohe Löhne, zu viel Freizeit: Arbeitgeber drohen IG Metall | BR24

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Die IG Metall setze zu viel für die Beschäftigten durch, sagt Rainer Dulger vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall - das überfordere viele Betriebe. Dulger warnt die Gewerkschaft vor dem Ende des Flächentarifvertrags. Die zeigt sich unbeeindruckt.

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Zu hohe Löhne, zu viel Freizeit: Arbeitgeber drohen IG Metall

Die IG Metall setze zu viel für die Beschäftigten durch, sagt Rainer Dulger vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall - das überfordere viele Betriebe. Dulger warnt die Gewerkschaft vor dem Ende des Flächentarifvertrags. Die zeigt sich unbeeindruckt.

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Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, hat der IG Metall mit einem Ende des Flächentarifvertrags in der Metall- und Elektroindustrie gedroht. "Wenn alle Unternehmen die Tarifbindung verlassen, kann die Gewerkschaft zusehen, wie sie sich im Häuserkampf durchschlägt", sagte Dulger der "Süddeutschen Zeitung" vom Dienstag. Durch den Flächentarifvertrag werden seit Jahrzehnten die Arbeitsbedingungen in der Branche mit ihren derzeit 1,9 Millionen Beschäftigten geregelt.

Immer mehr Betriebe verlassen den Arbeitgeberverband Gesamtmetall

Die Arbeitgeberseite der Metall- und Elektroindustrie führt seit längerem Klage, dass die IG Metall viele Betriebe überfordere: Die Gewerkschaft setze zu hohe Löhne und zu viel Freizeit durch. Dulger sagte der SZ, dies führe zu immer mehr Austritten aus seinem Verband.

Forderung: Tagesstreiks nur noch nach einer Schlichtung

Der Arbeitgebervertreter forderte unter anderem, dass sogenannte "Tagesstreiks" künftig nur noch nach einer gescheiterten Schlichtung erlaubt sein dürfen. Bei der Tarifrunde im vergangenen Jahr hätten diese von der Gewerkschaft erstmals ausgerufenen 24-Stunden-Streiks insgesamt drei Millionen Arbeitsstunden gekostet, "dreimal so viele wie die Jahre davor".

Ob sich die Streikfrequenz in diesem Jahr ähnlich entwickelt, ist noch nicht abzusehen. Allerdings sorgt nicht nur die Insolvenz des TV-Herstellers Loewe für schlechte Stimmung in der Branche. In etlichen Unternehmen werden wie bei Kathrein und Osram Verkaufspläne realisiert oder Konflikte um Standortschließungen und Entlassungen ausgetragen - zuletzt bei Schaeffler, Premium Aerotec, Fujitsu, Atos und Kennametal.

Dulger: Kampfparität ist für ausgewogene Tarifergebnisse notwendig

Dulger beklagte, die Arbeitgeber könnten sich gegen Tagesstreiks bisher "gar nicht" wehren. Der Gesamtmetallpräsident hob zudem hervor, beide Tarifparteien müssten ein Interesse an ausgewogenen Tarifergebnissen haben. "Dafür ist Kampfparität im Arbeitskampf wichtig." Der Gewerkschaft warf er vor, mit ihrer Streiktaktik genau diejenigen Unternehmen zu verprellen, die am System des Flächentarifvertrags festhalten wollten.

IG Metall: Tarifgrundsätze in Frage zu stellen schadet allen

Bei der IG Metall stoßen Dulgers Ausführungen auf Unverständnis. Für Johann Horn, Chef der IG Metall in Bayern, setzt der Präsident von Gesamtmetall vor allem den Betriebsfrieden auf's Spiel. Auch Ingrid Gier, die Bundessprecherin der Gewerkschaft, kritisiert den Arbeitgeberverband. Sie erklärte gegenüber dem BR, Tarifautonomie und Flächentarifverträge seien die Eckpfeiler des seit Jahrzehnten erfolgreichen Wirtschaftsstandorts Deutschland.

"Davon profitieren Unternehmen wie Beschäftigte gleichermaßen. Dies einseitig in Frage zu stellen, schadet allen. Im Übrigen werden Tarifverträge bekanntlich von beiden Verhandlungspartnern unterschrieben." Ingrid Gier, IG Metall