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Arbeit in Fleischindustrie: Gewerkschaft beklagt Tricksereien | BR24

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Die Arbeit in der Fleischindustrie gilt als körperlich und psychisch besonders belastend. Die Bedingungen werden nun massiv kritisiert.

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Arbeit in Fleischindustrie: Gewerkschaft beklagt Tricksereien

Die Arbeitsbedingungen in Schlachtbetrieben stehen in der Kritik. Bisher lag der Fokus auf den engen Wohnverhältnissen der Arbeiter. Nun kommen weitere Probleme zu Tage. Die Gewerkschaft NGG beklagt unter anderem Tricksereien und Abhängigkeiten.

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Der Streit um die Arbeitsbedingungen in Schlacht-Fabriken ist voll entbrannt. Problematisch ist vor allem, dass ein Großteil der Arbeiter als Werkvertragsbeschäftigte bei Subunternehmen, und nicht direkt bei den Betrieben angestellt ist.

Tricksereien bei Lohnauszahlung

Laut Gewerkschaft NGG stellen die Werkvertragsbeschäftigten mancherorts bis zu 80 Prozent der Belegschaft. Die meisten von ihnen kommen aus Osteuropa, und seien für zwei Jahre in Deutschland. Nach einer kurzen Einweisung werden sie hauptsächlich beim Schlachten und Zerlegen der Tiere eingesetzt. Diese Arbeit gilt als körperlich und psychisch besonders belastend.

Formal sind die Arbeiter den Subunternehmen unterstellt, und nicht den Fleischkonzernen selbst. Das strukturelle Problem ist laut NGG, dass bei den Subunternehmen nicht immer alles "sauber" zugeht: So soll es immer wieder vorkommen, dass Überstunden nicht bezahlt werden, weil sie nicht korrekt erfasst werden. Dazu gebe es aktuell Klagen in Ober- und Niederbayern, sagt Mustafa Öz von der Gewerkschaft NGG. Er fordert eine digitale Zeiterfassung, aber viele Betriebe würden sich dagegen sträuben.

Arbeitern fehlt rechtliche Handhabe

Ein weiteres Beispiel für die unfaire Behandlung: Will ein Arbeiter vorzeitig aus seinem Vertrag aussteigen, komme es immer wieder vor, dass ihm hohe "Schulungsgebühren" von seinem Lohn abgezogen werden. Dies sei in den Arbeitsverträgen zwischen den Werkvertragsbeschäftigten und Subunternehmen zwar oft so geregelt, aber immer wieder werde beispielsweise das Einweisen am Fließband als "Schulung" verstanden.

Das Fatale sei laut NGG, dass sich die Männer rechtlich nicht zu wehren wissen. Oftmals sprechen sie kaum Deutsch und haben wenig Kontakt zur hiesigen Gesellschaft außerhalb ihres Betriebs. Damit seien sie den Subunternehmen faktisch ausgeliefert.

Zuständigkeiten sind für Arbeiter kaum durchschaubar

Dass es zwischen Subunternehmen und Arbeitern immer wieder zu Konflikten kommt, scheint auch den großen Fleischkonzernen bekannt zu sein. Im Fall von Wiesenhof, zu dem der Betrieb "Donautal" in Bogen gehört, betont das Unternehmen beispielsweise, dass es den Subunternehmern die Barauszahlung des Lohns untersagt habe. Die Auszahlungsbescheide der Werkvertragsfirmen lasse man im "halbjährigen Turnus durch eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft" kontrollieren.

Heil fordert Verbot von Werkverträgen in Schlachthöfen

In Bogen sind mehr als 500 Mitarbeiter über Subunternehmen bei "Donautal" beschäftigt. Ob es hier derzeit konkrete Probleme auch bei den Löhnen gebe, lasse sich schwer sagen, räumt Öz ein. Die Sprachbarriere verhindere immer wieder, mit den Arbeitern in vertraulichen Kontakt zu treten.

Allerdings hat es die vermeintlich banale Forderung der Gewerkschaft, dass Arbeitsstunden nicht mehr handschriftlich notiert werden, jetzt bis in die Beschlussvorlage des Bundesarbeitsministers geschafft. Der fordert eine digitale Zeiterfassung für die Schichtarbeiter. Und: ein weitgehendes Verbot von Werkverträgen in Schlachthöfen.

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