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App statt Schweinchen: Sparen im bargeldlosen Schweden | BR24

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Statt Sparschwein: "Gimi", so heißt die neue App, die schwedischen Kindern beim Sparen hilft.

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App statt Schweinchen: Sparen im bargeldlosen Schweden

Ob Kaffee oder Kirchenspende: Die Schweden bezahlen fast alles elektronisch. Das ist modern, aber schwierig für ganz junge Sparer. Denn das Sparschwein ist so gut wie ausgestorben. Ersetzt wurde es durch "Gimi", eine App für junge Smartphonebesitzer.

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Schweden sind besondere Menschen: Auf der einen Seite gehören schwedische Privathaushalte zu den am höchsten verschuldeten in der EU, auf der anderen Seite sparen die Leute hier fast doppelt so viel wie Durchschnittseuropäer: Die Sparquote lang im vergangenen Jahr bei 18 Prozent, nur die Luxemburger legen noch mehr Geld auf die hohe Kante.

Schweden sparen per Smartphone

Aber niemand macht das alles - Schulden und Sparen - so elektronisch wie die Schweden. Es gibt zwar noch Bargeld, doch vier von fünf Bezahlvorgängen laufen online oder über Karten, Tendenz steigend. Der Kaffee an der Ecke, die Spende für die Kirche oder die Nutzung einer öffentlichen Toilette, alles wird mit Plastik bezahlt, viele Geschäfte nehmen gar kein Bargeld mehr an. Das ist modern, macht aber vor allem für die Kleinen klassisches Sparen so gut wie unmöglich, Münzen im Sparschweinchen? Vergangenheit!

Die Gegenwart heißt zum Beispiel "Gimi" und ist eine App für junge Smartphonebesitzer. Sie ist seit ein paar Jahren auf dem Markt, inzwischen fast eine Million Mal herunter geladen worden und voll im Trend, sagt Maria Fäldt von der Sparbanken:

"Unsere jungen Kunden fangen schon sehr früh an, mit Karte zu bezahlen, und das vor allem aus Sicherheitsgründen. Viele Eltern machen sich weniger Sorgen, wenn ihre Kinder mit Plastik statt mit Bargeld unterwegs sind." Maria Fäldt, Sparbanken Schweden

Die App verwaltet Taschengeld und Zuverdienste

Eine der "Gimi"-Nutzerinnen ist Melissa, elf Jahre alt: "Ich habe ein Konto auf meinem Handy und Mama ein Konto auf ihrem. So kann sie mir Taschengeld buchen und entscheiden, ob ich es jede Woche oder einmal im Monat bekomme und wie viel. Ich kann von meinem Konto auch Arbeiten anbieten, die ich für Mama erledigen kann, um damit Extra-Geld zu verdienen."

Rasenmähen, Abwaschen, Staubsaugen, das wird über "Gimi" verhandelt und bezahlt, allerdings immer noch per Hand erledigt! Am Ende hat Melissa dann ihre "Kronen" auf dem Account, auch als elektronisch gemanagtes Sparguthaben mit individuell festsetzbaren Sparzielen. Ihre Mama ist begeistert: "Melissa verwaltet mit "Gimi" ihr Taschengeld und verdient sich etwas dazu, indem sie zuhause Pflichten übernimmt. Ich finde die App für Kinder und Eltern unglaublich gut, um nicht den Überblick zu verlieren."

Kinder sollten Geld auch anfassen können

Es gibt aber auch andere Stimmen. Vor allem, seit die App den Kindern auch ihre erste Karte anbietet, damit sie das Geld auch ausgeben können. Bar geht das ja kaum noch - und das kritisiert die Familienökonomin Sharon Lavie:

"Eltern sollten ab und zu Bargeld abheben und damit bezahlen, damit Kindern lernen, was Geld ist und welchen Wert es hat. Was kostet Milch oder ein Eis zum Beispiel? Wenn Kinder nie Geld anfassen, wird es sonst sehr abstrakt für sie." Sharon Lavie, Familienökonomin

Das Problem dabei: Während Melissa ohne Probleme einen neuen Kopfhörer fürs Handy überall mit ihrer "Gimi"-Karte zahlen kann, muss sie schon nach einer altmodischen Eisdiele suchen, die überhaupt noch echte Kronen, also Scheine oder gar Münzen annimmt ...