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AOK-Krankenhaus-Report 2021: "Geht trotz Corona zur Vorsorge!" | BR24

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Patienten mit Herzinfarkt brauchen schnelle Hilfe.

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    AOK-Krankenhaus-Report 2021: "Geht trotz Corona zur Vorsorge!"

    Der AOK-Krankenhaus-Report 2021 zeigt: Trotz Corona-Pandemie sollten alle Bürger Vorsorgeuntersuchungen gegen Krebs wahrnehmen und sich bei Symptomen von Herzinfarkt oder Schlaganfall schnell behandeln lassen. Momentan tun das zu wenige Betroffene.

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    Von
    • Moritz Pompl

    Wie jedes Jahr hat Deutschlands größte Krankenkasse, die AOK, in Berlin ihren aktuellen Krankenhaus-Report vorgestellt. Der Bericht liefert nicht nur Daten zur Versorgung von Corona-Patienten, sondern auch zu allen anderen Erkrankungen, die in Deutschlands Krankenhäusern im letzten Jahr behandelt worden sind – oder auch nicht behandelt worden sind.

    Die Zahlen der AOK für 2020 zeigen, dass deutlich weniger Patienten mit Herzinfarkt und Schlaganfall in Deutschlands Krankenhäusern behandelt wurden als im Jahr davor. Das Minus für Herzinfarkte lag bei 16 Prozent für die erste Welle, und für Schlaganfälle bei 13 Prozent. Zu Beginn der zweiten Welle (der untersuchte Zeitraum reicht bis Ende November) waren es wieder etwas mehr Patienten, aber immer noch viel weniger als im Vergleichsjahr 2019.

    Aus Angst vor Corona gehen Patienten nicht zur Vorsorge

    Doch das heißt nicht, dass die Erkrankungen seltener aufgetreten sind. Denn gleichzeitig haben laut AOK manche Ärzte darauf hingewiesen, dass Herzinfarkt-Patienten häufig verspätet in die Klinik gekommen sind und ihr Herz bereits stärker geschädigt war. Und Schlaganfall-Patienten, die in die Krankenhäuser kamen, starben häufiger als im Durchschnitt.

    Die Zahlen legen nahe, dass einige Patienten aus Sorge vor der Pandemie darauf verzichtet haben, sich behandeln zu lassen – und dadurch schwere Folgeschäden erleiden. Der dringende Appell auch jetzt, in der dritten Welle, heißt: Wer Symptome hat, sollte unbedingt schnellstmöglich zum Arzt, Corona hin oder her. Das gilt auch für psychiatrische Erkrankungen, bei denen während der ersten Pandemie-Welle sogar ein Viertel weniger Patienten als sonst in den Kliniken vorstellig geworden sind.

    Starker Rückgang bei Krebs-Vorsorge

    Bedenklich ist außerdem, dass die Vorsorgeuntersuchungen für Brust- und Darmkrebs förmlich eingebrochen sind: um fast die Hälfte beim Mammografie-Screening und um ein Viertel bei Darmspiegelungen, um Darmkrebs frühzeitig zu entdecken. Unklar ist nach den Zahlen der AOK, ob es nur an einem geringeren Angebot lag oder auch daran, dass viele Patienten aus Angst vor Corona nicht zur Vorsorge gekommen sind.

    Letztlich dürfte es eine Mischung aus beidem sein, die problematisch ist: Noch ist unklar, ob dadurch längerfristig mehr Menschen in Deutschland an Krebs erkranken werden, weil er nicht frühzeitig erkannt wurde. Was allerdings dafür spricht, ist der Rückgang bei Brust- und Darmkrebs-Operationen im letzten Jahr. Die AOK-Daten zeigen für Brustkrebs-OPs ein Minus von fünf bis zehn Prozent und bei Darmkrebs sogar von 20 Prozent - ohne dass die Erkrankungen wirklich seltener geworden sein dürften. Der klare Appell der AOK lautet auch hier: Die Vorsorge-Untersuchungen sollten trotz Pandemie unbedingt wahrgenommen werden.

    AOK warnt vor der dritten Corona-Welle

    Die AOK hat sich auch mehr als 50.000 Datensätze von Patienten angeschaut, die zwischen Februar und Ende November 2020 wegen Corona im Krankenhaus behandelt worden sind. Jeder siebte Patient musste beatmet werden, darunter mehr Männer und Patienten mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Adipositas. Insgesamt starben 18 Prozent der im Krankenhaus behandelten Personen an oder mit Covid-19. Unter den Beatmeten war es sogar die Hälfte.

    Im Vergleich von erster zur zweiten Welle (die Daten reichen nur bis Ende November) sind im Schnitt etwas weniger Patienten verstorben. Das liegt laut AOK daran, dass die Behandlungsmöglichkeiten besser geworden sind, und dass Patienten weniger häufig invasiv beatmet wurden, also im künstlichen Koma und mit einem Schlauch in die Luftröhre. Stattdessen bekamen sie häufiger Sauerstoff über eine Maske. Kritisch sieht die AOK angesichts ihrer Zahlen die dritte Welle, bei der vorwiegend auch jüngere Menschen von schweren Verläufen betroffen sind: Schon während der ersten zwei Wellen hat sich gezeigt, dass immerhin ein Viertel aller künstlich beatmeten Patienten jünger als 60 Jahre war. Jetzt könnte dieser Anteil noch größer werden.

    Positives Fazit: Gesundheitssystem gut aufgestellt

    Aus ihren Daten zieht die AOK insgesamt das Fazit, dass das deutsche Gesundheitssystem den Stresstest durch Corona bisher gut bestanden hat. Viele geplante Operationen, etwa Hüftgelenksprothesen bei Arthrose, mussten zwar verschoben werden. Dadurch ist es aber auch möglich geworden, Intensivbetten für Corona-Patienten freizumachen. Und dank der sogenannten Freihaltefinanzierung vom Bund sei die Zahlungsfähigkeit der Kliniken sichergestellt. Viele Patienten mit chronischen Erkrankungen wie einer Herzinsuffizienz oder Chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) sind während der Pandemie nicht stationär in den Krankenhäusern, sondern ambulant versorgt worden.

    Dies solle nach dem Wunsch der AOK auch so bleiben. Außerdem wünscht sich Deutschlands größte Krankenkasse, bei der ein Drittel aller Deutschen versichert sind, dass die Zentralisierung und Spezialisierung von Krankenhäusern weitergeht. Große Häuser hätten einen Großteil der Covid-19-Patienten behandelt und die nötige Routine, etwa beim Beatmen. Gleichzeitig gibt die AOK aber auch zu, dass das den kleineren Kliniken bisher nicht wirklich schlechter gelungen sei. Gerade wenn es um Schließungen weiterer Krankenhäuser im ländlichen Raum geht, dürfte es deshalb kräftigen Gegenwind gegen die Forderung geben, weiter zu zentralisieren.

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