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Anti-Terror-Gipfel zur Sahelzone: Kampf dem Flächenbrand | BR24

© Arne Immanuel Bänsch/dpa

Soldaten der malischen Streitkräfte in einem Ausbildungszentrum. Die Lage in der Sahel-Region hat sich in den vergangenen Monaten zugespitzt.

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    Anti-Terror-Gipfel zur Sahelzone: Kampf dem Flächenbrand

    Frankreichs Präsident Macron trifft sich mit seinen fünf Amtskollegen aus der Sahelzone. Gemeinsam wollen sie über den Anti-Terror-Kampf in der Region beraten. Ein Überblick über den Konfliktherd.

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    Fast keine Woche ohne Anschlag. Das ist die düstere Bilanz aus der sogenannten Sahelzone - der Übergangszone zwischen der Sahara-Wüste im afrikanischen Norden und der Feuchtsavanne im Süden.

    Seit fast sieben Jahren versuchen dort dschihadistische Terrorgruppen die Region zu destabilisieren. Erst in der vergangenen Woche wurden wieder Blauhelmsoldaten in Mali attackiert. Der westafrikanische Staat kommt seit Jahren nicht zur Ruhe, nachdem 2012 islamistische Gruppen versucht haben, im Norden des Landes die Kontrolle zu übernehmen. Seitdem greift die ehemalige Kolonialmacht Frankreich vor Ort militärisch ein - Deutschland ist mittlerweile ebenfalls mit Bundeswehrsoldaten dort.

    Aber nicht nur Mali ist vom Terror erfasst. Schon längst agieren verschiedene terroristische Gruppen im Namen des dschihadistischen Islam auch in den Nachbarstaaten. Wie im Wüstenstaat Niger. "Die Sicherheitslage verschlechtert sich von Tag zu Tag", warnte der nigrische Präsident Mahamadou Issoufou Ende 2019 im französischen Radiosender "RFI". "Die Bedrohung wird immer intensiver und sie breitet sich aus. Die Situation ist besorgniserregend. Nicht nur für den Niger, auch für die anderen Staaten in der Sahelzone und darüber hinaus auch für andere westafrikanische Staaten rund um den Tschadsee, die durch Boko Haram bedroht sind."

    "Eine Aufgabe für alle, die Sicherheit wollen"

    Am vergangenen Donnerstag wurde bei einer Attacke in Grenznähe zwischen Niger und Mali ein Militärstützpunkt angegriffen - fast 90 nigrische Soldaten sollen dabei getötet worden sein. Im Dezember wurden bei einem Anschlag 71 Soldaten getötet. Diese Attacken sind in der jüngeren Vergangenheit fast blutiger Alltag geworden, die Totenzahlen pro Anschlag steigen.

    Vor allem in Burkina Faso spitzt sich die Lage zu. Laut den Vereinten Nationen wurden in den letzten vier Jahren über 700 Menschen getötet, rund eine halbe Million befindet sich innerhalb des Landes auf der Flucht vor den Terrorattacken - teilweise sogar die Soldaten, die die Bevölkerung eigentlich schützen sollen.

    Die Lage besorgt mittlerweile auch schon andere westafrikanische Staaten - vor allem an den Küsten. Auf einer afrikanischen Sicherheitskonferenz im vergangenen Jahr in Dakar warnte der senegalesische Präsident Macky Sall, wie wichtig der Frieden für die Region sei.

    "Frieden, Sicherheit und Stabilität in der Sahelzone sind integraler Bestandteil von Frieden, Sicherheit und Stabilität auf der ganzen Welt", so Sall. "In der Sahelzone gegen den Terrorismus zu kämpfen, ist deshalb eine Aufgabe für alle; für alle, die Sicherheit wollen."

    Berlin antwortet nicht

    Die westafrikanischen Küstenstaaten sind zu Recht alarmiert, sagt Konfliktforscher Sambe Bakary vom afrikanischen Zentrum für Friedensforschung. "Burkina Faso ist nicht das Hauptziel. Wenn sich die Sicherheitslage im Land weiter in diesem Tempo verschlechtert, wird sich der Dschihadismus auf die Küstenstaaten ausbreiten und das wäre eine schlechte Entwicklung für die Stabilität des Kontinents."

    Viele der westafrikanischen Staaten fordern stärkere internationale Hilfe - doch trotz Zusagen komme diese nur schleppend an, so die Kritik. Das spiele den Terroristen in die Hände. Dabei sind schon tausende Soldaten in der Region gegen Terror aktiv.

    Die Franzosen sind u.a. mit ihrer mehr als 4000 Soldaten starken Anti-Terror-Einheit Barkhane in der Region aktiv. Frankreich will, dass Deutschland sich militärisch stärker engagiert. Berlin antwortet nicht.

    Der Terror breitet sich aus

    Die Bundeswehr ist bislang an der rund 12.000 Mann starken UN-Stabilisierungsmission Minusma mit über 1000 Soldaten beteiligt. Sie liefern Informationen und Aufklärung. Außerdem bilden sie im Rahmen einer europäischen Trainingsmission malische Truppen aus. Die Minusma gilt bis heute als die gefährlichste Blauhelm-Mission weltweit.

    Zudem kämpfen in den fünf Sahel-Ländern Tschad, Niger, Mali, Mauretanien und Burkina Faso bereits mehr als 5000 einheimische Soldaten für mehr Sicherheit. Trotzdem: der Terror breitet sich weiter aus.

    Und die Anti-Terror-Einheiten stehen auch bei der einheimischen Bevölkerung in der Kritik. Zum Einen wird ihnen vorgeworfen, die Bevölkerung nicht schützen zu können. Zum Anderen herrscht wenig Vertrauen in die Truppen. Internationale Hilfsorganisationen wie "Aktion gegen Hunger" oder "Oxfam" klagen über unzureichende humanitäre Hilfe für die Region.

    Verschlechterte Sicherheitslage

    Die Verschärfung der Sicherheitslage habe dazu beigetragen, dass sich die Zahl der Menschen im zentralen Sahel, die unter Nahrungsmittel- und Ernährungsunsicherheit leiden, im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht hat. In Mali allein hätten 2019 Militäroperationen dazu geführt, dass 80.000 Menschen fliehen mussten.

    Konfliktforscher Bakary Sambe vom afrikanischen Zentrum für Friedensforschung hält es ebenfalls für falsch, sich nur auf eine militärische Lösung zu konzentrieren. "In der Menschheitsgeschichte hat eine Kalaschnikow noch nie eine Ideologie getötet", sagt er. "Die Ideologie des Terrorismus muss bekämpft werden mit Bildung, sozialen Reformen und Antworten für die Jugend, die sich verzweifelt in Booten Richtung Europa aufmacht. Wir dürfen uns nicht auf das Militär verlassen. Meiner Meinung nach hat das den Terrorismus noch nie aufgehalten. Die Amerikaner sind seit 15 Jahren in Afghanistan und die Taliban sind immer noch da."

    Ähnliches beobachtet Backary Sambe in Mali. Trotz verstärkter Militärpräsenz in den vergangenen Jahren hat sich die Sicherheitslage bis heute verschlechtert.

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