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Ansteckungsrisiko am größten bei privaten Treffen drinnen.

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    Ansteckungsgefahr am größten bei privaten Treffen drinnen

    Französische Forscher haben geselliges Zusammensitzen in Innenräumen als ein entscheidendes Corona-Risiko ausgemacht. Ein privates Abendessen mit Gästen, ob daheim oder im Restaurant, erhöht demnach die Gefahr mehr als eine Zugfahrt oder der Einkauf.

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    Von
    • BR24 Redaktion

    Der Aufenthalt in einem Restaurant oder einer Bar erhöht französischen Forschern zufolge das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Auch ein geselliges Beisammensitzen mit Gästen zum Abendessen erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung, teilten die Forscher vom Pasteur-Institut in Paris am Donnerstag mit. Die Studie bestätigt Annahmen, wonach das gemeinsame Essen ein höheres Risiko birgt als etwa die Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln oder das Einkaufen.

    Studie macht private Treffen als Hauptinfektionsquelle aus

    Die Wissenschaftler hatten untersucht, welche Faktoren Infizierte von jenen unterschieden, die sich nicht mit dem Coronavirus angesteckt hatten. Dazu verglichen sie die Aussagen der Probanden in Hinblick auf Berufe, Verkehrsmittel und besuchte Orte. Insgesamt befragten die Forscher rund 3.400 Menschen, die sich mit dem Virus angesteckt hatten, und 1.700 Menschen ohne Corona-Infektion.

    "Wir haben ein erhöhtes Risiko im Zusammenhang mit dem Besuch von Bars und Restaurants erkannt", sagte der Hauptautor Arnaud Fontanet, der als Mitglied des wissenschaftlichen Rates auch die französische Regierung berät. Zudem hätten sich Fitnessstudios als Orte für häufige Ansteckungen herausgestellt.

    "Private Treffen - Familien, Freunde - sind die Hauptquelle für Infektionen", betonte Fontanet. Es mache dabei keinen Unterschied, ob die Menschen in einer öffentlichen Einrichtung, einem Restaurant oder daheim zusammenkommen.

    Übertragung durch Aerosole in Innenräumen

    Gesundheitsbehörden auf der ganzen Welt raten von Treffen in überfüllten Innenräumen ab. Zahlreiche Regierungen verhängten Maßnahmen wie die Schließung von Restaurants, Bars und Fitnessstudios. Wissenschaftler sind sich zunehmend einig, dass das neuartige Virus über feine Partikelwolken, sogenannte Aerosole, verbreitet wird - und dies vor allem in schlecht gelüfteten Räumen.

    Tragen einer Maske begrenzt die Ausbreitung der Aerosole

    Eine Studie der Deutschen Bahn und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen hat nun gezeigt, dass sich die Ausbreitung der Aerosole während einer Zugfahrt durch das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung wirksam begrenzen lässt. Bei den Untersuchungen wurde unter anderem die Atmung eines Fahrgastes mit und ohne Maske simuliert. Die Verbreitung von Tröpfchen und Aerosolen wurde mit Hilfe von künstlichem Speichel und Spurengas nachgestellt. Für eine virologische Bewertung möglicher Infektionsrisiken seien aber noch weitere wissenschaftliche Forschungsarbeiten notwendig, teilte das DLR Göttingen mit.

    Britische Forscher sehen Schulschließungen als effektivste Maßnahme

    Auch die Briten haben noch einmal zur Ansteckungsgefahr und den Pandemie-Maßnahmen geforscht. Aus einer Studie der Oxford-Universität zu verschiedenen staatlichen Eingriffen in das öffentliche Leben in 41 Ländern geht hervor, dass die Schließung aller Geschäfte außer den lebensnotwendigen nur einen mäßigen Effekt hatte, die Vorschrift, zu Hause zu bleiben, sogar nur einen geringen zusätzlichen Effekt. Ein Versammlungsverbot für mehr als zehn Personen und die Schließung von Schulen und Hochschulen von Januar bis Mai waren dieser Studie zufolge wohl die effektivsten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

    Die Wissenschaftler verwendeten zum einen die Fallzahlen und die Anzahl der an Covid-19 Verstorbenen, die das Coronavirus Resource Center der Johns Hopkins University in Baltimore täglich zusammenträgt. Diese Zahlen setzten sie über ein Computermodell in Beziehung zu einzelnen Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Krankheit, wie sie in 34 europäischen und sieben nicht-europäischen Ländern ergriffen worden sind. Die Effektivität maßen die Forscher über die Verringerung der Reproduktionszahl R, die ohne staatliche Eingriffe bei 3,3 lag.

    Unterschiedliche Ergebnisse gerade bei Schulschließungen

    Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité nennt bei Twitter eine wichtige Erkenntnis aus der Studie: "Starker Effekt von Schulschließungen". Er verweist aber zugleich darauf, dass andere Studien keine Effekte von Schulschließungen finden.

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