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Der jetzt angeklagte Verdächtige wird von Polizisten zu einem Hubschrauber gebracht
© picture alliance/dpa/ Uli Deck
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Der jetzt angeklagte Verdächtige wird von Polizisten zu einem Hubschrauber gebracht

Die Bundesanwaltschaft hat einen in Berlin lebenden Islamisten angeklagt. Er soll gemeinsam mit dem späteren Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri einen schweren Sprengstoffanschlag geplant haben. Der Prozess gegen den aus Dagestan stammenden, russischen Staatsbürger soll am Kammergericht Berlin stattfinden.

Laut Bundesanwaltschaft ging es Magomed-Ali C. darum, "möglichst viele Menschen zu töten oder zumindest zu verletzen". An der Anschlagsplanung sei neben dem Tunesier Amri auch der inzwischen in Frankreich inhaftierte Clément B. beteiligt gewesen sein.

"Erhebliche Mengen" Sprengstoff

Den Männern wird unter anderem vorgeworfen, in einer Berliner Wohnung "erhebliche Mengen" Sprengstoff hergestellt oder aufbewahrt zu haben. Wo das Material jetzt ist, ist aber unklar. Es wurde bis heute nicht gefunden.

Magomed-Ali C. war den Ermittlern zufolge Ende 2011 nach Deutschland gekommen. In Berlin soll er sich anschließend in einem "radikalislamistischen Umfeld" des mittlerweile verbotenen Moscheevereins Fussilet 33 bewegt haben.

Ausreise nach Syrien scheiterte

Schließlich habe er beschlossen, sich der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Syrien anzuschließen. Seine Ausreise scheiterte aber, weil das Berliner Landeskriminalamt auf ihn aufmerksam geworden war.

Laut Bundesanwaltschaft entschloss er sich daraufhin, einen Anschlag in Deutschland zu verüben. Er soll Kontakt mit Clément B. aufgenommen haben, den er in der radikalislamischen Szene in Belgien kennengelernt habe.

Auf der Suche nach Mittätern sollen sie schließlich auch in Kontakt mit Amri gekommen sein, der sich Anfang Oktober 2016 ihrem Anschlagsvorhaben angeschlossen haben soll.

Gefährderansprache schreckte Islamisten auf

Die Ermittler gehen davon aus, dass das Trio durch einen Besuch der Berliner Polizei bei C. im Oktober 2016 aufgeschreckt wurde und sich trennte. Die Beamten hatten geklingelt, um C. zu sagen, dass sie ihn beobachten. Von dem Sprengstoff, der damals möglicherweise in der Wohnung lagerte, haben sie nach bisherigen Erkenntnissen nichts gewusst.

Amri verübte schließlich im Dezember 2016 den Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz mit zwölf Toten. Er handelte laut Bundesanwaltschaft "ohne Kenntnis" der beiden anderen Komplizen.

Clément B. wurde im April 2017 - kurz vor der französischen Präsidentschaftswahl - in Marseille festgenommen. Die Beamten fanden Sprengstoff, Waffen, Munition und eine IS-Flagge bei ihm.