Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Anschlag von Halle: Das ist über den Täter bekannt | BR24

© picture alliance/Marek Majewsky/dpa

Kerzen erinnern am Marktplatz in Halle an der Saale an die Opfer des Angriffs.

31
Per Mail sharen
Teilen

    Anschlag von Halle: Das ist über den Täter bekannt

    Er erschoss zwei Menschen in Halle an der Saale und verletzte zwei weitere. Der Angriff eines bewaffneten Mannes in Sachsen-Anhalt sorgt weltweit für Entsetzen. Das Motiv des mutmaßlichen Täters scheint mittlerweile ziemlich eindeutig.

    31
    Per Mail sharen
    Teilen

    Schon am Abend sprach Bundesinnenminister Horst Seehofer davon, dass es sich wahrscheinlich um einen rechtsextremen und antisemitischen Angriff gehandelt habe.

    Der Täter filmte seinen Angriff per Bodycam, kommentierte seine Tötungen und äußerte sich im Laufe des Videos mehrmals judenfeindlich.

    Anschlagspläne im Internet veröffentlicht

    Mittlerweile sind außerdem Dokumente aufgetaucht, die offenbar vom Schützen stammen und in denen er seine Anschlagspläne darlegt. Das Papier, das der ARD vorliegt, kursiert in rechtsextremen Foren im Netz und wird dem Täter zugerechnet, weil er darin sehr detailliert die Waffen und die Ausrüstung beschreibt, die beim Anschlag verwendet wurden.

    In der Erklärung schreibt der Verfasser unter anderem, er befinde sich im Rassenkrieg und wolle so viele Juden wie möglich töten. Aus den Dokumenten geht auch hervor, dass der jüdische Feiertag Jom Kippur bewusst als Anschlagszeitpunkt ausgewählt wurde - dann seien die meisten auch nicht-religiösen Juden in der Synagoge.

    Holocaustleugner und Verschwörungstheoretiker

    Auch die Möglichkeit, nicht ins Innere des Gotteshauses zu gelangen, hatte der mutmaßliche Täter den Unterlagen zufolge bedacht. Für diesen Fall bestand offenbar der Plan, mit Sprengkörpern Feuer zu legen, damit die Menschen aus der Synagoge kommen müssten.

    In den Dokumenten äußert der Verfasser Verschwörungstheorien. So habe er ursprünglich einen Anschlag auf eine Moschee oder ein linkes Zentrum geplant, sich dann aber für eine Synagoge entschieden, weil Juden die Regierung in Deutschland steuerten und attackiert werden müssten.

    In dem Video zur Tat erklärt der Mann außerdem, den Holocaust habe es nie gegeben. Ähnlich wie etwa der Attentäter von Christchurch verbinden sich in seinem Denken Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und Rassismus. So macht er Juden unter anderem für den Feminismus verantwortlich, der zu weniger Geburten führe. Deshalb gebe es Masseneinwanderung.

    Ein Einzelgänger am Computer

    Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um den 27-jährigen Stephan B. aus Eisleben in Sachsen-Anhalt. Laut Bild-Zeitung lebte er bei seiner Mutter, hatte kaum Freunde und saß oft vor dem Computer. Auch in den Dokumenten zu seinen Angriffsplänen finden sich Hinweise darauf, dass sich der Mann schon länger in Online-Milieus bewegte, in denen reale Anschläge wie bei Computerspielen mit Highscore-Punkten bewertet werden. Der Verfasser setzte sich bestimmte Ziele für den Anschlag, die er erreichen wollte, und gab an, welche Auszeichnungen er sich davon verspreche.

    Polizeilich bisher unbekannt

    Nachbarn beschreiben Stephan B. als zurückgezogenen Menschen. Informationen der Bild-Zeitung zufolge soll er Einzelkind sein und nach dem Abitur zwei Semester Chemie studiert haben, zuletzt arbeitete er demnach als Rundfunktechniker. Den Sicherheitsbehörden war Stephan B. bisher nicht aufgefallen, auch nicht durch rechtsextremes oder radikales Verhalten.