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Anlaufpunkt Athen: Flüchtlinge auf dem Viktoriaplatz | BR24

© picture alliance / AP Photo

Flüchtlinge am Viktoriaplatz in Athen.

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    Anlaufpunkt Athen: Flüchtlinge auf dem Viktoriaplatz

    Anlaufstelle, Infobörse, Tauschzentrale und Spielplatz für Flüchtlingskinder - all das ist der Athener Viktoriaplatz. Seit dem Sommer 2015 ist der Platz die bekannteste Anlaufstelle in Athen. Die meisten wollen von hier aus weiter nach Deutschland.

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    Der Viktoriaplatz liegt zentral, keine drei Kilometer Luftlinie von der Akropolis entfernt. In seiner Mitte Rasenbeete, und um die Rasenbeete dicht belaubte Maulbeerbäume, die Schatten spenden. Gesäumt wird der Platz von eleganten Wohnhäusern.

    Bis in die 70er Jahre war dies das Schwabing von Athen: Hier wohnten Intellektuelle, und das Viertel war die Adresse für Kunst und Theater. Doch dann kam die Luftverschmutzung. Wer es sich leisten konnte, zog in die Vororte. Die Wohnungen blieben leer, die Gegend verfiel. Übrig blieben sozial Schwache, Migranten und Flüchtlinge.

    Zentraler Anlaufpunkt für Flüchtlinge

    Karim lebt gut 50 Kilometer entfernt von hier, in einem Flüchtlingscamp im Norden von Athen. Aber jeden Tag fährt er mit dem Vorortzug ins Zentrum, zum Viktoriaplatz.

    "Ich gehe hierher, um Leute zu treffen und mit den Kindern Fußball zu spielen. Manche Flüchtlinge sind gerade erst von den Inseln gekommen. Sie kennen sich nicht aus in Athen und brauchen Informationen. Weil ich die Vorschriften für Flüchtlinge in Griechenland kenne, kann ich ihnen helfen." Karim

    Karim stammt aus Afghanistan. Er ist über die türkische Landesgrenze nach Griechenland gekommen. Im Lager dort hat er erstmals vom Viktoriaplatz gehört. "Alle haben mir geraten: wenn du nach Athen kommst, geh zum Viktoriaplatz, da wirst du viele Flüchtlinge treffen. Aber als ich ankam, war es schlimm. Ein älterer Mann wollte mich missbrauchen und hat abfällige Bemerkungen gemacht, ein Grieche. Ich habe ihn gefragt, warum tust du das? Du könntest mein Vater sein. In dieser Nacht hatte ich große Angst.

    Selbst in der Mittagshitze gesteckt voll

    Selbst in der Mittagshitze ist der Platz gesteckt voll. Auf den Bänken und den schmiedeeisernen Gittern rund um die Beete sitzen die Menschen dicht gedrängt. Karim ist noch keine fünf Minuten hier, da trifft er schon Bekannte aus dem Camp.

    "Wir kommen ein- oder zweimal die Woche her, meist gegen Mittag. Denn im Camp haben wir nichts zu tun. Hier können wir spazieren gehen, manchmal kaufen wir auch Lebensmittel ein, und am Abend fahren wir zurück." Flüchtling aus Afghanistan

    Griechenland für viele nur Zwischenstation

    Die gesamte Infrastruktur rund um den Platz ist auf die Flüchtlinge ausgelegt. Die Läden bieten Sim-Karten, Mobiltelefone, billige Kleidung und Koffer an. Denn für viele ist Griechenland nur eine Zwischenstation - und der Viktoriaplatz das Sprungbrett in eine Zukunft im Herzen Europas. Ganz gleich, wen man hier fragt, alle möchten weg, am liebsten weiter nach Deutschland.

    Im Flüchtlingslager lebt Karim unregistriert in einem Campingzelt. Er sucht Arbeit, aber dafür braucht er eine Steuernummer. Deshalb ist er gerade auf der Steuerbehörde. Sie ist fußläufig vom Viktoria-Platz aus zu erreichen.

    "Ich komme jetzt schon seit neun Monaten hierher und bitte um diese Steuernummer. Man sagt mir jedes Mal, dass ich eine Adresse vorweisen muss. Aber ich habe doch keine. Jetzt hat mir zum Glück ein Freund seine Adresse gegeben. Damit werde ich es nun wieder versuchen." Karim

    "Immer wieder Hoffnung auf den nächsten Tag"

    Am Abend zieht Karim unverrichteter Dinge wieder ab. Er spielt noch etwas Fußball mit den Kindern, dann setzt er sich in einen Hauseingang und zieht sein Smartphone heraus. Er hat hier ein WLAN-Netz geknackt, so kann er kostenlos surfen. Er liest Nachrichten und informiert sich über die Situation im restlichen Europa.

    Vor ein paar Monaten wäre er fast eingeknickt, erzählt er. Der Winter im kalten Zelt, das Leben ohne Geld, irgendwann war es so weit: Er beschloss, einen Antrag auf Rückführung zu stellen. Obwohl er Asyl hat.

    "Ich wollte zurück nach Afghanistan, denn ich hatte nur Schwierigkeiten. Es ist nicht leicht, ohne Freunde und Familie zu leben. Aber mein Vater hat zu mir gesagt: Du weißt, Karim, dass Du hier ein Problem hast. Ich kann Dich nicht beschützen. Und unsere Regierung auch nicht. Also habe ich meinen Plan aufgegeben und mir gesagt: ich muss das beste aus meiner Situation machen. Und immer hoffen, dass morgen ein besserer Tag sein wird als heute." Karim

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