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Anhörung zum Sturm auf US-Kapitol: Gegenseitige Beschuldigungen | BR24

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Bildrechte: Reuters

Sturm auf US-Kapitol: Behörden beschuldigen sich gegenseitig

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    Anhörung zum Sturm auf US-Kapitol: Gegenseitige Beschuldigungen

    Die Anhörung im US-Senat zum Sturm auf das Kapitol hat eines bereits deutlich gemacht: Bei der Kommunikation von Polizei und Geheimdiensten gab es gravierende Mängel. Die Behörden suchen nun beim jeweils anderen die Schuld.

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    Von
    • Torsten Teichmann

    Die US-Geheimdienste hätten die Gefahr einheimischer Extremisten unterschätzt, sagt der frühere Chef der Polizei im US-Kapitol, Steven Sund. "Ich denke, es geht um die gesamte Gemeinde der Geheimdienste und deren Blick auf einheimische Extremisten und deren Auswirkungen. Für mich ist das ein Geheimdienstproblem, mit Folgen für die Ereignisse am 6. Januar."

    Sund hatte Dienst, als bewaffnete Mitglieder von Milizen, Anhänger des abgewählten Präsidenten Donald Trump und Mitläufer das Kapitol Anfang Januar stürmten.

    "Ich habe Aufständische beobachtet, die Polizisten schlugen mit Fäusten, Rohren, Stöcken, Baseballschlägern, Absperrgittern und Fahnenstangen. Diese Kriminellen waren vorbereitet auf einen Krieg."

    Stundenlange Schlacht ums Kapitol

    Sund war nach dem Überfall aufs Kapitol unter Druck geraten. Er musste zurücktreten. Im Senatsausschuss soll er helfen, aufzuklären. Die Senatoren wollen wissen, ob die Strafvollzugsbehörden auch Verantwortung am gewaltsamen Chaos jenes Tages tragen.

    Keine Polizeipräsenz, und sei sie noch so groß, habe sich dem Ansturm entgegenstellen können, sagt Wachtmeisterin Carneysha Mendoza.

    "Einige haben gesagt, der Kampf dauerte drei Stunden. Aber meinem Fitness Tracker zufolge waren es 4 Stunden und 9 Minuten. Und viele Beamte waren bereits im Kampf, bevor ich eingriff."

    Aber nach Rückfragen der Senatoren wird klar: es gab Versäumnisse. Am Tag des Überfalls verfügte die Polizei im US-Kapitol zum Beispiel nicht über die aktuellsten Warnungen der Geheimdienste. Ein Verbindungsmann der sogenannten Capitol Police hatte Informationen zu geplanten Angriffen mutmaßlicher Terroristen nicht weitergeben.Wann wurde die Nationalgarde angefordert?Das FBI hinterließ die Warnung zu konkreten Plänen der Extremisten am Vorabend als Email, ohne zum Beispiel anzurufen und explizit auf die Gefahr hinzuweisen, kritisierte der Chef der Städtischen Polizei von Washington, D.C., Robert Contee.

    Die Frage, warum die Nationalgarde nach Ansicht einiger Senatoren erst viel zu spät als Verstärkung eintraf, ließ sich noch nicht klären. Senator Roy Blunt fragt den Sicherheitschef des Repräsentantenhauses, Paul Irvine, wann die Nationalgarde angefordert wurde.

    "Senatoren, in meiner Erinnerung kam keine Bitte um Zustimmung für den Einsatz der Nationalgarde bis kurz nach 14 Uhr."

    Senator Blunt unterbricht und fragt bei Polizeichef Sund im Saal nach: Wann haben sie um Unterstützung der Nationalgarde gebeten?

    Überfall war genau geplant

    13 Uhr 09, sagt Sund. Das wäre eine ganze Stunde früher, als andere ausgesagt hatten. Der Polizeichef und die Sicherheitsbeamten werden sich nicht einig. Sie zeigen alle mit dem Finger aufeinander. In der kommenden Woche sollen Vertreter des Verteidigungsministeriums und des FBI angehört werden, versprach Senatorin Amy Klobuchar.Nur in einem Punkt stimmten schon bei der ersten Anhörung alle überein - und zwar, dass der Überfall von Extremisten genau geplant gewesen sei.

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