| BR24

 
 

Bild

Eine Boeing 737 Max
© picture alliance / AP Images
© picture alliance / AP Images

Eine Boeing 737 Max

Wie viel Verantwortung übernimmt die US-Flugaufsicht FAA für die Krise bei Boeing? Bei der Anhörung vor dem Kongress verteidigte der amtierende Chef der Behörde, Daniel Elwell, das bestehende Verfahren für die Zulassung von Flugzeugen. Dazu gehört, dass Mitarbeiter eines Unternehmens wie Boeing viele Checks selbst durchführen.

"Ich denken, wenn wir strikte Kontrollen haben und uns schützen vor Interessenskonflikten, was der Fall ist, dann haben wir ein gutes System. Aber es kann immer verbessert werden und darum geht es." Der amtierende Chef der US-Flugaufsichtsbehörde FAA, Daniel Elwell

Ausgerechnet bei den Kontrollen könnte es Probleme gegeben haben. Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, dass leitende Beamte der FAA bei der Boeing 737 Max ein neues System zur Flugsteuerung, genannt M-CAS nicht selbst überprüft haben. Sie hätten die Prüfung auch nicht überwacht. Elwell zeigt sich überrascht.

"Wir nehmen all die Artikel und Vorwürfe ernst. Aber in dem Bericht stand nichts, was mir bewusst wäre." Daniel Elwell

Entscheidende Probleme bei der Flugsteuerung

Die Zeitung berichtete, Boeing habe das MCAS System nicht als sicherheitsrelevant eingestuft. Der FAA-Chef räumte ein, dass die Probleme mit der Flugsteuerung entscheidend für die Sicherheit der Boeing 737 sind.

Einige Abgeordnete erklärten, dass US-Piloten leicht mit der Situation im Cockpit hätten umgehen können. Andere kritisierten dagegen, dass Hersteller Boeing das System zur Unterstützung der Flugsteuerung im Handbuch der 737 Max nicht erwähnt hatte.

Große Verunsicherung

Ein Mitschnitt aus dem November 2018 stützt den Verdacht. Der Fernsehsender CBS hat Aufnahmen veröffentlicht, in denen sich Boeings Vize-Chef Sinnet verteidigt.

Boeing habe die Crews nicht mit unnötigen Informationen überfordern wollen. Doch so kommt der Flugzeughersteller kaum aus den Schlagzeilen. Die Verunsicherung ist groß seit dem Absturz von zwei Flugzeugen vom Typ 737 Max innerhalb weniger Monate. 346 Menschen kamen ums Leben. Flugzeuge dieser Baureihe bleiben seit dem zweiten Absturz am Boden.

Aktionäre laufen Sturm

Bei der Boeing-Hauptversammlung vor wenigen Wochen griffen plötzlich private Anleger zum Mikrofon. Kleinaktionäre wie Hellen Robbins.

"Ich habe Sorge, dass bei den Kontrollen zu viel im Fluss ist, dass es keine klare Trennung zwischen der Aufsicht der FAA gibt und Boeings eigenen Tests. Daraus entsteht ein Konflikt." Hellen Robbins

Der Chef der US-Flugaufsicht, Elwell, erklärte im Kongress, es gebe noch keinen Termin für eine Neuzulassung des Flugzeugs. Elwell fürchtet, die Kritik an seiner Behörde könnte negative Folgen haben.

Anhörung nur ein erster Schritt

Die Folgen bekommt auch Boeing zu spüren: Der Chef von Ethopian Airlines, Gebremariam, erklärte im Fernsehsender NBC, seine Airline werde als eine der letzten den Betrieb mit der 737 Max wieder aufnehmen. Eine Maschine von Ethopian war im März verunglückt.

"Ich bin noch nicht sicher, ob diese Maschine wieder für uns fliegt. Vielleicht. Wenn wir überzeugt sind und Piloten sowie Passagiere überzeugen können."

Davon scheinen alle noch weit entfernt. Auch für den US-Kongress war die Anhörung des Chefs der FAA nur der Beginn der Untersuchung.