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Anhaltende Trockenheit: Verteilungskampf ums Trinkwasser | BR24

© dpa-Bildfunk

Ausgetrocknetes Feld wird bewässert

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Anhaltende Trockenheit: Verteilungskampf ums Trinkwasser

Wasser kommt aus der Leitung: Das ist noch immer die Haltung, die viele hierzulande haben. Aber so selbstverständlich ist das nicht mehr. Der Kampf ums Wasser beginnt. Und Deutschland ist darauf in keiner Weise vorbereitet.

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Auch in diesem Jahr sind in manchen Regionen Deutschlands Brunnen und Flüsse ausgetrocknet, Behörden drohen Landwirten mit Bußgeldern, wenn sie nicht weniger bewässern. Für die Bauern ist das eine Situation, die sie aus der Vergangenheit nicht kennen.

Wenn das Grundwasser zur Neige geht, vertrocknen die Felder

Michael Hornbostel kämpft mit den Tränen. Immer wieder dreht er das vertrocknete Paar Rüben in seinen Händen. Er steht mitten auf einem welken Feld voller verdorbener Rüben, im Landkreis Peine in Niedersachsen.

„Das ist heftig. Ein Landwirt arbeitet das ganze Jahr darauf hin, seine Ernte einzufahren. Wenn man das sieht - das ist Scheiße.“ Michael Hornbostel, Regenmeister

Seit Jahrzehnten werden die Felder im Landkreis Peine mit Grundwasser beregnet. Hornbostel ist der "Regenmeister" im örtlichen Beregnungsverband - und als solcher für die Bewässerung der Felder zuständig. Doch die Entnahmemenge ist beschränkt, das Wasserkontingent auf 15 Jahre festgelegt.

Für die Rüben reicht's nicht mehr

Weil die vergangenen Jahre besonders trocken waren, hat Hornbostel schon fast das ganze Kontingent verbraucht. Die Bauern müssen jetzt entscheiden, welche Kulturen Wasser bekommen und welche nicht. Für das Rübenfeld hat das Wasser in diesem Jahr nicht gereicht.

Die Bauern fordern mehr Wasser für die Beregnung. Doch der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) stellt im Interview, mit dem ARD Politmagazin Report München klar:

„Ohne Sicherstellung, dass Trinkwasser als höchstes Gut geschützt ist, können wir nicht zulassen, dass weitere Grundwassermengen zum Beispiel für das Thema Beregnung entnommen werden." Olaf Lies

Nahrungsmittel genauso wichtig wie Trinkwasser

Das will Regenmeister Hornbostel so nicht stehen lassen.

„Wir als Landwirte haben auch einen Versorgungsauftrag und Nahrungsmittel sind genauso wichtig wie Trinkwasser.“ Regenmeister Hornbostel

Die Landwirte wollen sich anpassen, aber wie sie auf sandigen Böden bei wenig Niederschlag ohne Bewässerung auskommen sollen, das wissen sie nicht.

Bauer Fuchs vs. Stadt München: Wem gehört das Wasser?

Grüne Wiesen, ganz ohne Bewässerung. Im bayerischen Mangfalltal gibt es mehr als genug Wasser. Aber auch hier gibt es Streit. Denn von hier stammt das Trinkwasser für das 40 Kilometer entfernte München. Und nun soll die Schutzzone für das Wasser erweitert werden. Das würde für die Landwirte dort bedeuten, sie dürften viele Wiesen nicht mehr als Weiden nutzen.

Biobauer Alois Fuchs sieht seinen und mehrere Nachbarhöfe in der Existenz gefährdet.

Die Münchner Stadtwerke betonen: Sie hätten Alois Fuchs eine Ausgleichsfläche für die verlorenen Wiesen angeboten, aber die sei aus seiner Sicht zu weit vom Hof entfernt. Sie berufen sich auf sogenannte Altrechte für die Wassergewinnung, aus dem 19. Jahrhundert. Die will der Biobauer nicht anerkennen. Für ihn geht es am Ende um eine entscheidende Frage: Wem gehört das Wasser?

„Das gehört der Allgemeinheit. Und nicht den Münchnern alleine. Es gehört allen.“ Alois Fuchs, Biobauer

Besseres Wassermanagement

Experte Michael Rinke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung rechnet damit, dass Konflikte ums Trinkwasser künftig zunehmen. Er fordert daher, dass Regionen, in denen es zu trocken ist, aus anderen Gegenden mitversorgt werden.

„Wasserversorgung funktioniert immer noch sehr regional. Ich glaube, wir müssen in Zukunft in der Lage sein, den Ausfall einzelner Systeme dadurch zu überbrücken, dass andere Systeme einspringen.“ Michael Rinke, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Zwei Dürrejahre in Folge bringen die Wasserversorgung in Deutschland mancherorts schon an Ihre Grenzen. Es wird Zeit über ein besseres Wassermanagement nachzudenken.

Mehr zum Thema am Dienstagabend im Magazin report München um 21.45 Uhr im Ersten.

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