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And the winner is: Nutri-Score | BR24

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Jahrelang wurde um die Nährwertkennzeichnung gestritten, jetzt ist klar: Deutschland soll die aus Frankreich übernehmen. Dickmacher könnten schnell entlarvt werden. Aber nur wenn die Industrie mitmachen möchte.

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And the winner is: Nutri-Score

Jahrelang wurde um die Nährwertkennzeichnung gestritten, jetzt ist klar: Deutschland soll die aus Frankreich übernehmen. Dickmacher könnten schnell entlarvt werden. Aber nur wenn die Industrie mitmachen möchte.

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Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat den Nutri-Score auf ein großes Schild drucken lassen: A bis E, Farbverlauf von grün bis rot. Grün heißt: sollte Teil der täglichen Ernährung sein, rot sollte nur in Maßen verzehrt werden, was zwischendrin liegt, muss jeder selbst einschätzen. Das Schild hält Klöckner in die Kameras.

Der Nutri-Score-Vorschlag habe die meisten der 1.600 Befragten überzeugt, weil er das verständlichste der vier Modelle sei, die zur Wahl standen. Überraschend ist das nicht. Für den Score hatten Verbraucherschützer und Gesundheitsorganisationen schon lange geworben. Klöckner sagt: Jetzt habe man es wissenschaftlich fundiert, schwarz auf weiß.

Nutri-Score ein Baustein

Der Nutri-Score allein werde nicht das Problem Übergewicht lösen, sagt Klöckner. "Aber er kann helfen, die gesunde Wahl zur einfachen Wahl zu machen." Bis Ende Oktober will Klöckner die nötige Verordnung fertig haben, dann dem Kabinett und schließlich dem Bundesrat vorlegen. Wenn alles klappt, könnten ab 2020 Produkte mit dem Score in den Regalen stehen, hofft Klöckner.

Freiwillige Kennzeichnung: Jeder darf – keiner muss

Die Sache hat allerdings einen Haken: Die Lebensmittelhersteller, die sich lange gegen diese Art der Kennzeichnung gewehrt hatten, müssen den Nutri-Score also auch in Zukunft nicht auf ihre Verpackungen drucken. Das liege am Europarecht, sagt Klöckner. Weil es keine einheitliche Regelung gebe, gebe es auch keine verpflichtende. Trotzdem sieht sie die deutsche Wirtschaft in der Pflicht, die Kennzeichnung anzunehmen. Wie viele Chips-Hersteller einen roten Score auf ihr Produkt drucken werden, da will Klöckner lieber keine Prognose wagen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (Vzbv) sieht im Bekenntnis zum Nutri-Score zwar eine gute Nachricht für Verbraucher, fordert aber von der Landwirtschaftsministerin, sich jetzt auf europäischer Ebene dafür stark zu machen, dass der Nutri-Score so schnell wie möglich verpflichtend eingeführt wird. Vzbv-Vorstand Müller sagte: "Ziel muss es sein, ein Wirrwarr verschiedener Kennzeichnungssysteme in der EU zu verhindern."

Die bayerische Ernährungsministerin Michaela Kaniber (CSU) lobt den Nutri-Score: Vor allem bei Fertiggerichten sei die Kennzeichnung wichtig, weil dort zahlreiche Lebensmittelkomponenten enthalten seien. Das mache es den Verbrauchern schwer. Kaniber forderte von den Lebensmittelherstellern, künftig den Nutri-Score auch zu verwenden. "Damit die Verbraucher eine echte Chance haben, aus dem riesigen Lebensmittelangebot zur gesünderen Alternative greifen zu können", sagte Kaniber.

Nähwertkennzeichnung: umstritten seit 2002

Klöckner erinnert sich, dass sie schon 2002, gerade im Bundestag über die Nährwertkennzeichnung diskutiert habe. Emotional aufgeladen sei das Thema. Vor allem die Lebensmittelindustrie tat sich schwer damit. Dass es jetzt, fast 18 Jahre später, doch eine Kennzeichnung gibt, mag auch an alarmierenden Zahlen liegen: 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig. Fast ein Fünftel der Erwachsenen ist sogar adipös, das heißt krankhaft übergewichtig.

Bisherige Kennzeichnung reicht nicht

Zu wenig Wissen übers Essen spielt dabei jedenfalls eine Rolle, da sind sich Wissenschaftler einig. Bei Schokolade weiß jeder: Besteht aus viel Fett und Zucker. Der Zuckergehalt mancher Fertignudelsoße ist dagegen eher unbekannt. Lebensmittelhersteller haben es dazu den Verbrauchern oft leicht gemacht, zu verdrängen, was da so in ihren Produkten drinsteckt.

Auf verpackten Lebensmitteln ist seit 2016 eine Nährwerttabelle vorgeschrieben. Die ist allerdings etwas für Liebhaber der Lebensmittelforschung mit guten Augen. Sehr detailliert, teils ist sie winzig und hinter Plastikfalzen versteckt. Deshalb die Forderung einer Vielzahl von Verbraucher- und Gesundheitsorganisationen, dass auch in Deutschland gut sichtbar auf der Vorderseite erkennbar sein muss: Sollte ich das essen oder eher nicht.

Obwohl es länger gedauert hat: Mit dem Umfrageergebnis unter 1.600 Verbrauchern hat Ernährungsministerin Klöckner jetzt ein wissenschaftlich fundiertes Argument in der Hand, das bei der Industrie meistgehasste Nährwertkennzeichen Nutri-Score doch noch einzuführen.

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Jahrelang wurde um die Nährwertkennzeichnung gestritten, jetzt ist klar: Deutschland soll die Kennzeichnung Nutri-Score aus Frankreich übernehmen. Das teilte Bundesernährnungsministerin Julia Klöckner mit.