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Cannabis-Pflanze
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Cannabis-Pflanze

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) will im zweiten Quartal 2019 Zuschläge für den erstmaligen Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland erteilen. 79 Unternehmen haben sich beworben.

Die erste Ernte werde im vierten Quartal 2020 erwartet. In Deutschland gibt es medizinisches Cannabis seit 2017 auf Rezept. Bislang wird der hiesige Bedarf ausschließlich über Importe gedeckt. Medizinisches Cannabis wird weltweit in immer mehr Ländern erlaubt. Kanada hatte im Oktober als weltweit zweiter Staat nach Uruguay den Cannabis-Konsum vollständig legalisiert.

Jährlich 2.600 Kilo Medizin-Cannabis erlaubt

Die Ausschreibung des BfArM umfasst 10.400 Kilogramm Cannabis, verteilt über vier Jahre. Insgesamt sollen 13 Lose mit einer Jahresmenge von je 200 Kilogramm vergeben werden, um auch eine Beteiligung von kleineren Unternehmen zu ermöglichen. Ein Bieter kann maximal für fünf Lose einen Zuschlag erhalten. Mit einer Zuschlagserteilung rechnet das BfArM nicht vor April, da noch ein Verfahren vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf anhängig ist.

Ein Bieter hatte einen Nachprüfungsantrag für das Verfahren gestellt. Dieser wurde zwar von der Vergabekammer des Bundes zurückgewiesen, der Bieter legte dagegen aber Revision ein. Für den 10. April wurde das Verfahren beim OLG terminiert.

Cannabis-Import auch künftig möglich

Eine erste Ausschreibung für den Anbau für medizinisches Cannabis in Deutschland hatte das BfArM im vergangenen Jahr wegen einer Änderung des Vergabeverfahrens aufgeben müssen. Auch wurde die Gesamtmenge des ausgeschriebenen Medizin-Hanfs mit Blick auf steigende Patientenzahlen auf 10.400 von ursprünglich 6.600 Kilo erhöht. Der Import soll auch künftig möglich sein, Medizin-Hanf wird derzeit nur aus Kanada und den Niederlanden nach Deutschland eingeführt.

Cannabis kann Schmerzen bei schweren Krankheiten mildern

Hatten einst nur rund 1.000 Kranke eine Ausnahmegenehmigung, können Ärzte heute Cannabis bei Vorliegen einer genauen Begründung frei verschreiben. Ärzte und Apotheker berichten von einer stark steigenden Nachfrage, genaue Daten gibt es nicht. Die Wirkstoffe von Cannabis können Schmerzen bei Krebserkrankungen, Übelkeit nach Chemotherapien oder Spastiken bei Multipler Sklerose lindern. Teils ist die medizinische Wirksamkeit aber umstritten.