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Analyse: Widerstand machte Marx mürbe | BR24

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Der Erzbischof von Freising und München will nicht wieder Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz werden. der 66jährige Kardinal Reinhard Marx erklärte dazu, es sei gut, wenn die jüngere Generation an die Reihe käme.

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Analyse: Widerstand machte Marx mürbe

Immer wieder gab es Zwist und Widerstand, der auch über den Umweg Rom ausgetragen wurde. Jetzt will Kardinal Marx kein zweites Mal als Vorsitzender der Bischofskonferenz kandidieren. Der Streit unter den Bischöfen könnte ihn mürbe gemacht haben.

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Kardinal Reinhard Marx wollte die katholische Kirche in Deutschland öffnen. Moderat, aber entschlossen. Mehr Ökumene, mehr Verantwortung für Frauen, mehr Transparenz in der kirchlichen Verwaltung und vor allem: eine lückenlose Aufklärung und Dokumentation der Missbrauchsfälle in den deutschen Diözesen. Im sogenannten "Synodalen Weg" sollten all diese Reformprojekte gebündelt werden. Gemeinsam mit Laienvertretern diskutieren hier Bischöfe über neue Wege der katholischen Kirche.

Doch im Hintergrund hat der redegewandte und zupackende Kardinal in den vergangenen Jahren auch viel Widerstand erfahren. Ob das auch ein Grund dafür ist, dass er nun als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz nicht mehr antritt, darüber kann nur spekuliert werden. Er selbst gibt an, er finde sich zu alt für eine zweite Amtszeit. Doch vielleicht ist der 66-Jährige es auch müde zu kämpfen.

Opposition unter bayerischen Bischöfen

Die offene Opposition einiger konservativer Bischöfe begann vor zwei Jahren: Im Februar 2018 hatte die Deutsche Bischofskonferenz mit Zweidrittelmehrheit für eine "Pastorale Handreichung" gestimmt, in der "unter bestimmten Umständen" auch evangelischen Ehepartnern der Zugang zum Abendmahl erlaubt wird – eine ökumenische Streitfrage, die seit Jahrzehnten diskutiert wird.

Ohne den Vorsitzenden der Bischofskonferenz zu informieren, schickten damals sieben Bischöfe einen Brandbrief nach Rom – sie wollten eine Klarstellung vom Vatikan: Dies könne man nicht einfach so im nationalen Alleingang erlauben. Federführend war der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Besonders bitter für Kardinal Marx: Alle damals amtierenden bayerischen Bischöfe gehörten zu den Mitunterzeichnern des Brandbriefs – der Bamberger Erzbischof Schick, die Bischöfe Zdarsa (Augsburg), Hanke (Eichstätt), Oster (Passau) und Voderholzer (Regensburg).

Machte Marx der Widerstand aus den eigenen Reihen mürbe?

Das Muster hat sich im vergangenen Jahr wiederholt: Nicht alle katholischen Bischöfe heißen den Dialogprozess "Synodaler Weg" gut. Sie stoßen sich unter anderem daran, dass Laien und Bischöfe das gleiche Diskussionsrecht haben. Wieder wurde über Bande gespielt: Rom wurde informiert. Daraufhin äußerte sogar Papst Franziskus in einem Brief Zweifel am Vorgehen der deutschen Katholiken. Dann stufte die Bischofskongregation die Satzung des "Synodalen Wegs" als kirchenrechtlich unzulässig ein.

Marx musste jedes Mal in Rom die Wogen glätten und konnte auch "Missverständnisse" ausräumen. Vor zehn Tagen konnte der Dialogprozess in Frankfurt beginnen. Doch die Kritiker unter den Bischöfen bleiben sich treu und haben schon angekündigt, bei etwaigen Beschlüssen, die ihnen gegen den Strich gehen, nicht mitzumachen. Marx hat so viel Widerstand aus den eigenen Reihen mürbe gemacht.

Amtsmüdigkeit durch Streit um Missbrauchsfälle

Ebenso wie der partielle Widerstand gegen die lückenlose Aufklärung und Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in den deutschen Diözesen und den Orden: Vor zwei Wochen konnte sich das Leitungsgremium der Bischofskonferenz, der Ständige Rat, wieder nicht auf ein gemeinsames Vorgehen bei der Entschädigung der Opfer einigen. Auch eine unabhängige Aufklärung der Missbrauchsgeschichte in allen deutschen Diözesen scheint nicht konsensfähig. Das dürfte Marx besonders schmerzen, denn er steht seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle für Transparenz und Aufarbeitung. Auch das Gezerre um Aufklärung und Entschädigung hat den amtierenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz amtsmüde gemacht.

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