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Analyse: Söders Nein zur Kanzlerkandidatur klingt jetzt anders | BR24

© picture alliance/Peter Kneffel/dpa

Ist sein Platz noch in Bayern? Die Spekulationen über eine Kanzlerkandidatur von CSU-Chef Söder nehmen zu

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    Analyse: Söders Nein zur Kanzlerkandidatur klingt jetzt anders

    Über Monate beteuerte CSU-Chef Söder in der Debatte über die K-Frage, sein Platz sei in Bayern. Jetzt führt er vermehrt andere Argumente an. Da zudem seine Umfragewerte weiter glänzend sind, bekommen Spekulationen über Söders Kandidatur neue Nahrung.

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    Dass ein Bayer nicht Bundeskanzler werden kann - mit diesem Irrglauben räumt CSU-Chef Markus Söder auf. Einer habe es bisher geschafft, "nämlich Ludwig Erhard, ein Franke, ein Fürther", sagt der Franke Söder in der ersten Folge des Podcasts des Journalisten Ulrich Wickert. Er schränkt aber ein: "Der galt dann nicht so als Bayer, er war ja bei der CDU." Sich selbst bringt der bayerische Ministerpräsident weiterhin nicht als Kanzlerkandidaten ins Spiel - doch die Art seines Neins hat sich merklich verändert.

    Söder schlägt andere Töne an

    Über Monate hinweg gab es von Söder auf die Frage nach einer möglichen Kanzlerkandidatur immer die gleiche Antwort: "Mein Platz ist in Bayern." Seit einem Monat aber sind von ihm auch andere Sätze zu hören, die mehr Raum geben, um zwischen den Zeilen zu lesen. Der neue CDU-Chef werde erst im Dezember gewählt, "wer weiß, was bis dahin noch alles passiert", betonte Söder Ende Mai in der "Welt am Sonntag". Und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte er vieldeutig: "Mancher ist in den vergangenen Monaten sehr positiv aufgefallen. Da sind die Würfel noch nicht gefallen." In Krisen zeigten sich das Format und die Stärken von Politikern am besten.

    In der Wahrnehmung vieler Bundesbürger zeigte in der Corona-Krise vor allem Söder Stärke: Nicht nur in der bayerischen Bevölkerung genießt er Dank seines Krisenmanagements einen riesigen Rückhalt, auch bundesweit ist er zu einem der beliebtesten Politiker aufgestiegen. In Kombination mit diesen Umfragewerten geben Söders Interviewaussagen den Spekulationen, dass er es sich doch noch einmal anders überlegen könnte, neue Nahrung.

    CSU muss zustimmen

    Im Gespräch mit Wickert ist von Söder noch einmal eine andere Antwort zu hören. Zwar versichert er, dass er in Bayern etwas bewirken wolle, betont aber auch sein Verantwortungsbewusstsein für die gesamte Bundesrepublik. "Deutschland ist ein großartiges Land", sagt Söder. Er wolle einen "konstruktiven Beitrag für unser Land" bringen - "egal wo". Ansonsten verweist er lediglich darauf, dass viele "sagen, der Kanzler muss unbedingt bei der CDU sein". Damit sei ja "an sich auch alles schon geklärt."

    Ist es natürlich nicht - denn es war schließlich Söder selbst, der zu Jahresbeginn unermüdlich klarstellte: Ohne die Zustimmung der CSU könne kein Kanzlerkandidat der Union gekürt werden. Er selbst als CSU-Chef werde den Prozess mitgestalten.

    Laschet und Merz: Söder kein Konkurrent

    Zuletzt hatten mit dem nordrhein-westfälische Ministerpräsidenten Armin Laschet und Ex-Unions-Fraktionschef Friedrich Merz gleich zwei Kandidaten für den CDU-Vorsitz lautstark verkündet, dass Söder für sie nicht zum Bewerberkreis für die Kanzlerkandidatur der Union gehöre. "Ich sehe Markus Söder nicht als einen Konkurrenten um die Kanzlerkandidatur. Ich nehme seine Äußerung ernst, dass er in Bayern bleiben will", sagte Merz. Und Laschet plädierte in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" eindringlich für "die Verbindung von Kanzlerschaft und Parteivorsitz". Über eine mögliche Kandidatur Söders sagte er: "Dazu hat er sich ja schon selbst klar geäußert. Das nehme ich ernst."

    Söder war in der Corona-Krise und der Debatte über Lockerungen in der Öffentlichkeit als Gegenspieler Laschets wahrgenommen worden. Nicht nur bei den Beliebtheitswerten, sondern auch bei der Frage nach dem besten Kanzlerkandidaten sahen mehrere Umfragen den CSU-Mann aus Bayern vor den drei Bewerbern um den CDU-Vorsitz, zu denen neben Laschet und Merz auch noch Norbert Röttgen gehört. Vor diesem Hintergrund sprach die "Zeit" kürzlich von einem "Söder-Problem der CDU" und verwies zudem darauf, dass Söders Dementis, er wolle auf keinen Fall nach Berlin, "seit Wochen weicher werden".

    Aiwanger: Söder ist "politisch ausgebufft"

    Auch Söders Koalitionspartner in München, Hubert Aiwanger von den Freien Wählern, sieht den CSU-Chef im Moment bei der K-Frage klar vorn. "Es läuft aktuell auf Söder hinaus", sagte Aiwanger in dieser Woche der Münchner "Abendzeitung". "Ich glaube aber fast, er weiß selbst nicht, ob er es machen soll oder nicht."

    Aiwanger, der sich zuletzt öffentlich über den Umgang der CSU mit den Freien Wählern in der Koalition beschwert hatte, kennt Söders Gespür für Stimmungen und seinen politischen Machtinstinkt nur zu gut. Er selbst, sagte der Freie-Wähler-Chef, hätte an Söders Stelle ein Interesse für die Kanzlerkandidatur schon durchblicken lassen. "Aber Söder weiß, dass er dann mehr im Feuer steht und genauestens analysiert wird. So hat er noch ein halbes Jahr mehr Ruhe. Da ist er politisch ausgebufft genug."

    Das Klischee der Hofbräuhaus-Regierung

    Ungeachtet des Umfragehochs sind Söder mögliche Vorbehalte gegen seine Kandidatur natürlich bewusst. "Es gibt schon den einen oder anderen, der sagt: 'Mensch, muss jetzt Deutschland vom Hofbräuhaus aus regiert werden'", sagt der CSU-Vorsitzende im Podcast "Wickert trifft". "Es gibt ja immer so die Klischees, die dahinter stehen."

    Er weiß aber auch: Ein Bundeskanzler Söder würde in die Geschichtsbücher eingehen. Der erste Franke im Kanzleramt wäre er zwar nicht. Aber der erste CSU-Politiker.

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