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Analyse: Richtungsstreit wird zur Zerreißprobe für die CDU | BR24

© dpa/pa/Emmanuele Contini

Annegret Kramp-Karrenbauer

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    Analyse: Richtungsstreit wird zur Zerreißprobe für die CDU

    Kurz nach der Rückzugsankündigung von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer hat ein Richtungsstreit in der CDU begonnen - dieser könnte zur Zerreißprobe für die Partei werden. Eine Analyse.

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    So mancher in der CDU mag sich in der jetzigen Lage wünschen, es gebe eine Art eingebauten "Routenplaner", der die Partei automatisch in die richtige Richtung lenkt. Doch welchen Kurs genau die Christdemokraten nehmen wollen, das dürften sie nun in den kommenden Tagen und Wochen in heftigen Debatten ausfechten. "Wir spüren derzeit starke Fliehkräfte in unserer Gesellschaft und in der Volkspartei CDU", gibt die Noch-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer offen zu.

    Bruchlinien nach der Wahl in Thüringen

    Andere reden eher von Bruchlinien, die das Politbeben von Thüringen innerhalb der CDU aufgerissen habe. Da gibt es jene, die eine Gefahr eher links wittern bis hin zu denen, die sich gar eine Zusammenarbeit mit der AfD auf lokaler Ebene vorstellen können. Und es gibt Politiker, die eine brüchiger werdende Brandmauer zur AfD gerne wieder festigen wollen.

    "Die CDU muss klare Linien nach links und rechts ziehen. Und alle diese Gruppen, die da solche Spielchen machen wie die Werteunion, gehören nicht in die CDU." Elmar Brok, CDU-Vorstandsmitglied

    Werteunion preist Merz an

    Die Werteunion ist offiziell gar keine Parteigliederung, übt aber als Zusammenschluss wirtschaftsliberaler und wertkonservativer Unionsmitglieder durchaus Einfluss aus. Der Kurs von Kanzlerin Angela Merkel ist dieser Gruppe eindeutig zu mittig.

    "Für uns als Werteunion ist es sehr wichtig, dass die Partei jetzt möglichst bald einen starken Kandidaten findet. Herr Merz bringt mit seiner Kompetenz und seiner Person sehr gute Voraussetzungen mit, um die Partei wieder zu stärken." Alexander Mitsch, Vorsitzender der Werteunion

    Es dauert selten lange, bis der Werteunion-Vorsitzende Alexander Mitsch auf Friedrich Merz zu sprechen kommt und ihn als Kanzlerkandidaten anpreist - womit wir bei der Personalfrage wären, die ja letztlich auch wieder eine Richtungsfrage ist. Merz stünde für einen Ruck nach rechts - auch wenn unklar ist wie weit.

    Laschet für klare Abgrenzung zur AfD

    NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ist hingegen für eine Fortsetzung des liberalen Merkel-Kurses und für klare An- beziehungsweise Absagen in Richtung AfD.

    "Keine Kooperation, keine Duldung, keine Koalition, keine Gespräche. Das ist eine Partei, die außerhalb des großen Verfassungsbogens der Bundesrepublik Deutschland steht. Wir werden sie bekämpfen." NRW-Ministerpräsident Armin Laschet

    Doch kann Laschet an die AfD verlorene Wähler wieder zurückholen? Und genießt Friedrich Merz, der zuletzt eher durch Kommentare von der Seitenlinie auffiel, genug Rückhalt in seiner Partei? Hätte Gesundheitsminister Jens Spahn eine Chance? Läuft sich heimlich doch CSU-Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aus Bayern warm? Die Union wird die Richtungs- und Personalfragen nun klären müssen, was schmerzhaft werden kann, weil dieser Selbstfindungsprozess öffentlich stattfinden wird. Während andere einfach dabei zusehen können: "Wir stehen der Zusammenarbeit natürlich offen gegenüber. Das muss aber die CDU intern klären", so Tino Chrupalla, Co-Vorsitzender der AfD.

    Zeit zum Regieren?

    Und was den CDU-Koalitionspartner SPD angeht, so mag der zwar insgeheim froh sein, dass vom eigenen Selbstfindungsprozess mal ein wenig abgelenkt wird, doch auch die Sozialdemokraten dürften die Gefahr sehen, dass eine zu sehr mit sich selbst beschäftigte Koalition kaum mehr zum Regieren kommt.