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Die AfD hat den Klimaschutz entdeckt - als Thema, dem sich die Partei aus ihrer Sicht als einzige entgegenstellt. Damit hofft sie, neue Wähler zu gewinnen. Besonders Landwirte und Dieselfahrer stehen im Fokus. Eine Analyse.

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Analyse: AfD umwirbt Bauern und Dieselfans

Die AfD hat den Klimaschutz entdeckt - als Thema, dem sich die Partei aus ihrer Sicht als einzige entgegenstellt. Damit hofft sie, neue Wähler zu gewinnen. Besonders Landwirte und Dieselfahrer stehen im Fokus. Eine Analyse.

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Vögel und Fledermäuse vor Windrädern beschützen und den traditionellen Bauernstand vor den umweltpolitischen Zumutungen von EU und Bundesregierung. Natur und deutsche Heimat: eine Symbiose. So die Argumentationskette der AfD. Daraus baut sie ein neues Alleinstellungsmerkmal für sich aus. Bereits bei den drei Landtagswahlen im Herbst in Ostdeutschland war die Beschwörung der Angst vor Flüchtlingen und vermeintlicher Überfremdung in den Hintergrund gerückt.

Neues Alleinstellungsmerkmal wird ausgebaut

"Obwohl wir keine Lehrer haben, baut man die Gemeinschaftskunde aus, um die Klimareligion zu predigen. Und wenn Sie sich die Wirtschaftsreligion der CDU angucken, bis 2050 wollen wir neutral sein von CO2, also alles aufgeben, was mit fossilen Energien zu tun hat. Das ist Planwirtschaft vom Feinsten, da wären die Kommunisten neidisch gewesen. Die Automobilindustrie wird kaputt gemacht. Der gute deutsche Diesel wird abgeschafft." So schimpfte Jörg Urban, der sächsische AfD-Chef, bei einer Veranstaltung in Halsbrücke. Wie er schossen sich die meisten rechtspopulistischen Wahlkämpfer voll gegen den Klimaschutz ein.

AfD stilisiert sich als Kämpfer gegen "Diktatur"

In rechten Blogs oder Zeitungen wie zum Beispiel der Jungen Freiheit oder Compact häufen sich inzwischen Artikel mit Titeln wie "CO2 ist ein Segen für die Menschheit", "Mythos Klimawandel" oder "Angriff der Endzeit-Sekten". Die Alternativen werben damit, dass allein sie eine "Klimadiktatur" verhindern wollen.

Eine durchaus geschickte Taktik, bei der Union, SPD, Grüne, Linke und letztlich auch die FDP als Einheitsfront denunziert werden. Und für viele, vor allem ältere Männer ein Argument, ins AfD-Lager zu wechseln, was Wahlanalysen bestätigen. Wie dieser Rentner aus dem Erzgebirge, der anonym bleiben wollte: "Das sind ja die einzigen, gerade jetzt in dieser Klimaphase, die sagen: es ist nicht menschengemacht. Deutschland alleine rettet nicht das Klima in der Welt. Auf der einen Seite kriege ich meine Rente, ich habe sie mir ja in 45 Jahren verdient, auf der anderen Seite nehmen sie uns jeden Tag irgendwas anderes weg. CO2-Steuer, ich weiß nicht, was sie sonst noch vorhaben. Es weiß ja keiner."

Neues Leitbild der AfD sieht Jagd auf Wölfe vor

Die Erderwärmung als globales Phänomen, das dem Verhalten deutscher Konsumenten große Veränderungen abverlangt: Das jagt vielen Angst ein. Auch Landwirte stehen wegen überschrittener Grundwasserwerte durch zu viel Gülle enorm unter Druck. Sie sind wütend, dass sie am Pranger stehen, während der Wolf, der auf ihren Weiden Schafe reißt, streng geschützt ist. Die AfD nutzt diese Stimmung, um in großem Stil auf die Pirsch zu gehen: nach neuen Wählern auch im Westen, die bislang zuverlässige CSU- oder CDU-Stimmenbeschaffer waren. Mit ihrem gestern in Berlin vorgestellten Leitbild "Forst-Kultur-Heimat", das den Wolf im Bundesjagdgesetz und in den Jagdgesetzen der Länder vorsieht. Und mit deutlich weniger harten Umweltauflagen für Bauern.

Wenn Klimaschutz Thema Nr.1 bei Bundestagswahl wird

Die Kommunalwahlen in Bayern stehen bevor. Im nächsten Frühjahr die Landtagswahlen im Autobauer- und Agrar-Land Baden-Württemberg, wo die CDU von der AfD als Handlanger der Grünen verunglimpft wird. In Stuttgart gilt seit dem 1. Januar 2020 auf verschiedenen Strecken ein Fahrverbot auch für Euro-5/V-Diesel-Pkw. Dagegen protestiert die AfD heftig. Denn die Klimaschädlichkeit von Diesel- und überhaupt Verbrennungsmotoren ziehen die Alternativen in Zweifel.

Die AfD-Bundestagsfraktion hat Ende vergangenen Jahres zum Thema "Diesel und Ökowahn" eine "Dokumentation" auf ihrem YouTube Kanal veröffentlicht. Auch so versuchen die Populisten frustrierte Pendler zu gewinnen, die preiswerten Diesel schätzen, beziehungsweise Bürger, die sich sorgen, dass der Autoindustrie Arbeitsplätze verloren gehen. Und dann sind auch schon Bundestagswahlen. Die AfD hofft darauf, dass Klimaschutz eines der ganz großen, vielleicht sogar das entscheidende Thema sein wird. Und sie als einzige Partei dagegen.

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