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Amthor warnt vor Judenhass unter Zuwanderern - und erntet Kritik | BR24

© pa/dpa/Kay Nietfeld

Philipp Amthor (CDU).

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    Amthor warnt vor Judenhass unter Zuwanderern - und erntet Kritik

    Zum Holocaust-Gedenktag warnen Politiker und Vertreter des Judentums vor wachsendem Antisemitismus. Für ihn macht CDU-Politiker Philipp Amthor auch muslimische Einwanderer verantwortlich und wird deshalb von mehreren Seiten scharf kritisiert.

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    Den internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar nahmen Politiker und Vertreter des Judentums zum Anlass, um vor Antisemitismus in Deutschland zu warnen - so auch der CDU-Politiker Philipp Amthor. Mit einer Äußerung zu Judenfeindlichkeit unter muslimischen Einwanderern sorgte er allerdings für Empörung.

    Amthor: "Antisemitismus vor allem in muslimisch geprägten Kulturkreisen"

    "Antisemitismus, das darf man nicht vergessen, ist vor allem in muslimisch geprägten Kulturkreisen besonders stark vertreten", sagte Amthor anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Vernichtsungslagers Auschwitz in einem Interview mit dem Nachrichtensender "ntv".

    Laut Amthor dürfe nicht vernachlässigt werden, "dass natürlich auch vor dem Hintergrund der Migration der letzten Jahre an dieser Stelle viele Sorgen für die jüdische Bevölkerung da sind." Das könne er verstehen.

    Von den Migranten müsse man zu recht erwarten, dass sie sich an die hiesigen Werte halten. Dazu gehöre auch, dass Antisemitismus in Deutschland keinen Platz habe.

    Kritik an Amthors Äußerung zu Judenfeindlichkeit unter Einwanderern

    Amthors Äußerungen stießen in mehreren Parteien auf Widerspruch und wurden scharf kritisiert. Dietmar Bartsch, Chef der Linksfraktion, wies den jungen Politiker in die Schranken: "Gerade am 27. Januar auch für ihre Generation, Philipp Amthor, mehr Demut und Verantwortung." Jan Korte, parlamentarischer Geschäftsführer der Linksfraktion, ergänzte, ausgerechnet am Gedenktag auf so eine Idee zu kommen, zeige das ganze Ausmaß des Problems in Deutschland.

    Gerade die CDU, "die seit Jahren politisch die Verantwortung im Land trägt", müsse eben auch Verantwortung zeigen und ihre Politik ändern, "statt sie auf andere abzuwälzen".

    Der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz erklärte: "Klar, man muss sich genau ansehen, was Amthor gesagt hat. Aber, als deutscher Abgeordneter am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz bei allem rechtsextremistischen Antisemitismus heute - inklusive dem Anschlag von Halle - Antisemitismus vor allem als "muslimisch" zu verorten, irritiert massiv."

    Als "geschmacklos und perfide" bezeichnet der Grünen-Abgeordnete Sven Kindler Amthors Aussagen. "Auschwitz wurde nicht von Muslimen, sondern von deutschen Nazis organisiert."

    Sawsan Chebli, SPD-Politikerin und Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, warf Amthor vor, er übernehme "AfD-Sprech". "Ich versuche, junge Muslime für den Kampf gegen Antisemitismus zu gewinnen, dann kommt Amthor, macht sie zu den Tätern", schreibt Chebli bei Twitter.

    Amthor erklärt umstrittene Aussage

    Amthor sagte der Deutschen Presse-Agentur, er fühle sich missverstanden. In der umstrittenen Äußerung aus dem Interview habe er "auf die Frage geantwortet, was sich in den letzten Jahren verändert hat".

    Für ihn sei aber dennoch "völlig klar, dass die größte Gefahr im Bereich des Antisemitismus natürlich von Rechtsextremisten ausgeht". Das belegten auch die polizeiliche Statistik "und der notwendige Schwerpunkt unseres politischen Handelns".

    Söder wirft AfD vor, Antisemitismus zu befördern

    Für das Erstarken des Antisemitismus in Deutschland wird von mehreren Politikern auch die AfD verantwortlich gemacht. Die Partei spiele beim Anwachsen der Judenfeindlichkeit eine "ganz zentrale Rolle", sagte etwa CSU-Chef Markus Söder.

    Er beschuldigte insbesondere den rechten "Flügel" in der AfD, den Antisemitismus wieder "hoffähig" machen zu wollen. Der Kurs des "Flügels" sei "eindeutig eine "Vorstufe des Antisemitismus", sagte er am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Söder plädierte zugleich für eine härtere Bestrafung von Straftaten mit antisemitischem Hintergrund.

    Knobloch fordert "Aufschrei" der Gesellschaft

    Auch die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, bezeichnete die AfD als "eine Ursache des neuen Judenhasses, zusammen mit Linksextremisten und Islamisten". Knobloch forderte einen "Aufschrei" der Gesellschaft. Es dürfe nicht länger geschwiegen werden, "wenn Judenhass alltäglich wird".

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