BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

"Ami go home"? - Deutschland und die US-Truppen | BR24

© dpa

Wegweiser zum Truppenübungsplatz der US-Army in Grafenwöhr

3
Per Mail sharen

    "Ami go home"? - Deutschland und die US-Truppen

    Deutschland ohne die "Amis" - für viele undenkbar. Doch Präsident Trump will gut 12.000 US-Soldaten abziehen. Es geht um Zehntausende Arbeitsplätze, um Milliarden Dollar Wirtschaftskraft – und um gelebte deutsch-amerikanische Freundschaft.

    3
    Per Mail sharen

    Grafenwöhr, Vilseck, Ansbach – in Bayern gehören die US-Truppen zum Alltag. Vor 70 Jahren kamen die Amerikaner als Besatzer. Und sie blieben. Längst sind sie zu Beschützern und Freunden geworden - und Teil der Gesellschaft. Mehr als das: Sie wurden für viele in der Region das Tor zur Welt, es entstanden Tausende Lieben, Ehen und Familien. Hier findet man Kneipen und Restaurants im amerikanischen Stil, es gibt US-Autohäuser, US-Schulen, US-Musikvereine.

    Zahl der Soldaten längst verringert

    Doch auch, wenn zum Beispiel um das fränkische Ansbach herum immer noch sieben US-Militäranlagen verstreut sind, darunter das größte Truppenübungsgelände Europas, hat sich die Zahl der US-Soldaten längst verringert. Zu Zeiten des Kalten Krieges waren in Deutschland 250.000 US-Soldaten stationiert, zur Jahrtausendwende nur noch rund ein Viertel davon - bis heute noch einmal halbiert auf 35.000.

    Außerdem bleiben die Amerikaner mittlerweile deutlich kürzer an ihren deutschen Standorten. Und die Familien? Sind oft gar nicht mehr mit dabei, sondern bleiben in den USA. Die soziale Nähe zur deutschen Gesellschaft wird also geringer – obwohl die meisten US-Soldaten ihren Aufenthalt hier genießen und viele bleiben wollen.

    Großer wirtschaftlicher Faktor

    Es geht aber bei der Diskussion um den Truppenabzug für die betroffenen Regionen noch um mehr: um Investitionen und Arbeitsplätze. Beispiel Grafenwöhr in der Oberpfalz: Momentan sind auf dem Truppenübungsplatz rund 11.000 US-Soldaten stationiert. Hinzu kommen rund 3.000 deutsche Zivilangestellte.

    Nimmt man alles zusammen, bringt das der Region gut 660 Millionen Euro Wirtschaftskraft im Jahr. Insgesamt rund sieben Milliarden Euro gibt die US-Regierung pro Jahr für ihre Soldaten in Deutschland aus. Dagegen stehen 132 Millionen Euro Steuergelder, die Deutschland dazuschießt.

    © picture alliance/ZUMA Press

    US-Truppenübung bei Grafenwöhr

    Lärm weg, Stadtentwicklung möglich

    Aber nicht alle finden die Trumpschen Abzugspläne beängstigend. Es gibt durchaus auch Kritiker der US-Armee-Stationierung. So wie die Bürgerinitiative "Etz langt's" in Ansbach. Sie bemängelt vor allem den Lärm, der Tag und Nacht von der amerikanischen Kampfhubschrauber-Staffel ausgeht, auch Umweltprobleme sind Thema. Als anti-amerikanisch will man nicht wahrgenommen werden, trotz klarer Aussagen.

    "Nicht Ami go home, sondern Army, ausschließlich die Armee. Der Amerikaner als Tourist - als was auch immer - ist jederzeit herzlich willkommen. Aber diese lärmintensiven Teile samt ihren Atomwaffen in Büchl und weiß der Geier wo - lieber vorgestern als morgen. Ich würde sogar meinen Jahresurlaub opfern, um packen zu helfen." Tanja Schwarz, Bürgerinitiative "Etz langt's"

    Außerdem sieht die Bürgerinitiative im Abzug der US-Armee noch eine weitere Chance – und zwar für die Entwicklung der Region: Die Kasernengebiete würden frei, es könnten bezahlbarer Wohnraum und Infrastruktur entstehen. Die Hochschule in Ansbach hätte Raum, sich zu vergrößern, ein Digital-Campus könnte auf dem US-Militärgelände errichtet werden.

    "Die Politik und die Bevölkerung, die wartet ja nur darauf, dass diese Kaserne freigegeben wird. Versprochen wurde uns 2021 die Rückgabe. Das steht jetzt in den Sternen, das hängt auch vielleicht von der US-Wahl ab. Aber wir stehen bereit, die Pläne liegen in der Schublade. Und Ansbach ist bereit, die Barton-Kaserne zivil umzunutzen." Boris-André Meyer, Bürgerinitiative "Etz langt's"

    Das Klima hat sich verschlechtert

    Ganz abgesehen von diesen Argumenten, sprechen immer mehr Deutsche schlecht über die USA. Die amerikanische Präsidentschaftswahl - sie ist ein Hauptthema geworden, wobei die Kritik an der sich ändernden US-Weltpolitik dabei nur eine Facette ist. Wie erleben das die amerikanischen Gäste?

    "Amerikaner kann man leicht kritisieren - wir sind laut und wollen immer die Besten sein. Klar, da kommen wir auch mal an einen Tiefpunkt. In der Politik, bei Menschen- und Bürgerrechten, was immer. Aber jedes Land hat mal solche Phasen. Wir werden das überstehen, so wie die Welt durch die Pandemie kommen muss." Daniel Taylor, Youtuber

    Hängt alles an Trump?

    Es hängt zweifellos viel an der Präsidentschaftswahl am 3. November 2020. Aber auch der Abzug der US-Truppen? Der amtierende US-Präsident Donald Trump sieht seine Soldaten in Deutschland in erster Linie als Kostenfaktor, obwohl manche Militärs auch widersprechen. Entschieden wird in Washington letztlich nach amerikanischen Interessen. Und nein – es hängt nicht alles an Trump. Das lässt der Staatssekretär aus dem Verteidigungsministerium durchblicken.

    "Die Amerikaner wollen diese Rolle als Weltpolizist bei allen globalen Konflikten schlicht nicht mehr wahrnehmen. Wir sollten uns auch nicht täuschen. Es gibt ganz unabhängig von der parteipolitischen Ausrichtung in den USA sowohl bei den Republikanern als auch den Demokraten die gemeinsame Überzeugung, dass die Europäer mehr für ihre eigene Sicherheit tun müssen und dass wir Deutsche als das wirtschaftlich stärkste und größte Land in Europa da vorangehen müssen." Thomas Silberhorn, Staatssekretär Bundesverteidigungsministerium

    Die Frage ist also nicht, ob die US-Truppen abziehen, sondern wann und in welchem Umfang.

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!