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Amazonassynode: Viri probati, Indigene und Umweltsünden | BR24

© picture alliance / abaca

Eröffnung der Amazonas-Synode in Rom

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    Amazonassynode: Viri probati, Indigene und Umweltsünden

    Seit Sonntag tagen Bischöfe und Experten bei der Amazonassynode in Rom. Es geht unter anderem um die Weihe von verheirateten Männern, sogenannte Viri probati. Manche fürchten das Ende des Zölibats. In der Frauenfrage gibt es wenig Bewegung.

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    Sprechen sich die Bischöfe auf der Amazonassynode tatsächlich für die Priesterweihe von verheirateten Männern aus, für sogenannte Viri probati? Die Zeichen verdichten sich, dass das tatsächlich der Fall sein könnte. So würden nach den Worten des emeritierten Bischofs von Xingu in Brasilien, des Österreichers Erwin Kräutler, mehr als zwei Drittel der Synodenteilnehmer diesen Schritt befürworten - als Mittel gegen den eklatanten Priestermangel im Amazonasgebiet. Der Pflichtzölibat, also die Verpflichtung zur Ehelosigkeit sei für indigene Männer ohnehin keine Option, so Kräutler: "Für die Indios ist es kulturell bedingt nicht sehr einfach. Für die Völker, die ich kenne, ist es praktisch ein Ding der Unmöglichkeit."

    Das Problem Priestermangel

    In viele Gemeinden komme ein Priester nur einmal im Jahr zum Gottesdienst, ein unhaltbarer Zustand, klagt Kräutler. Auch viele europäische und nordamerikanische Diözesen beklagen einen Priestermangel. Manche Synodale sehen in dem Modell der Viri probati einen Weg, der über den Amazonas hinaus der Kirche mehr Priester bescheren könnte.

    Pater Michael Heinz, der Leiter von Adveniat, dem deutschen bischöflichen Hilfswerks für Lateinamerika, nimmt an der Synode teil und bestätigt, dass die Bischöfe mit dem Papst offen über die Vor- und Nachteile dieser Option diskutieren, er spricht sich dafür aus: In Deutschland kämen 1.800 Katholiken auf einen Priester. In Lateinamerika seien es 7.000, im Amazonas 13.000. "Das heißt wir klagen in Deutschland noch auf hohem Niveau und wir spüren, dass sich da in den kommenden Jahren noch was ändern wird. Und da öffnet uns wahrscheinlich auch die Amazonassynode nochmal Türen, um zu überlegen, dass solche Modelle dann evtl dann auch für andere Kontinente oder Ortskirchen interessant sein können und man was vom Amazonas lernen kann."

    Müller gegen Viri probati

    Der Zölibat soll nicht abgeschafft werden, betonen viele Teilnehmer immer wieder. Genau das aber fürchten konservative Vertreter auf der Synode. Einer, der nicht an der Synode teilnimmt, aber offen gegen die Einführung der Viri probati ist, ist der deutsche Kurienkardinal Gerhard-Ludwig Müller. Seiner Meinung nach kommen solche Vorstellungen von deutschen Kirchenvertretern und sollten nun über die Amazonassynode eingeführt werden. "Das sieht eher aus wie eine amazonische Verpackung europäischer Desiderate. Der Zölibat als normale Lebensform des Priester in der lateinischen Kirche soll und kann auch nicht infrage gestellt werden."

    Müller spricht von Ökoreligion

    Für Müller steht schon vor Ende der Synode fest, dass Andersdenkende zum Bischofstreffen erst gar nicht eingeladen wurden. Und auch an den Vorschlägen zum Thema Ökologie lässt der 71-jährige ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, der von Papst Franziskus in den Ruhestand geschickt wurde, kein gutes Haar: "Das können wir so nicht akzeptieren, dass die Natur divinisiert wird, vergötzt wird, auch so in Verbindung mit der gerade jetzt neu entstandenen Ökoreligion. Die Ökologie ist nicht Theologie."

    Amazonas-Bischöfe beklagen Raubbau an der Schöpfung

    Ganz anders sieht es die Mehrheit der Amazonas-Bischöfe: In zahlreichen Wortbeiträgen klagen sie über Raubbau an der Schöpfung. Abholzung, Viehwirtschaft und der Abbau von Metallen zerstören zusehends die Lunge der Welt, Indigene werden aus ihren Lebensräumen vertrieben. Solche Sünden sollten stärker geächtet werden, fordern viele Bischöfe. Um die indigenen Bewohner noch besser zu erreichen, soll ein eigener Ritus für sie entstehen.

    Wenig Bewegung bei der Frauenfrage

    Wenig Bewegung gibt es bisher bei der Frage, ob künftig auch Frauen zu Priesterinnen oder Diakoninnen geweiht werden können. Zu viele Reformen auf einmal wären kontraproduktiv, sagen manche Bischöfe hinter vorgehaltener Hand. Birgit Weiler von den Missionsärztlichen Schwestern lebt und arbeitet in Peru. Bei der Synode nimmt die promovierte Theologin als Expertin ohne Stimmrecht teil. Die Frauen übernähmen vielerorts ohnehin schon Leitungs- und seelsorgerliche Aufgaben, wieso also keine Weihe, fragt sich Weiler:

    "Ich würde mir wünschen, auch als Theologin, als Frau, in Gemeinschaft mit anderen Frauen, dass diese Tür nicht geschlossen bleibt. Also ich glaube wir brauchen weiteren Dialog. Als Theologin haben wir Frauen Argumente, die auch gut durchdacht sind und die sich auch gründen in der Tradition der Kirche und die uns zu einem anderen Schluss kommen lassen." Birgit Weiler, missionsärztliche Schwester in Peru

    Abstimmung Ende Oktober

    Die Synode hat eine rein beratende Funktion. Über das Abschlussdokument stimmen die Teilnehmer Ende Oktober ab. Dann liegt es an Papst Franziskus, über die neuen Wege der Kirche zu entscheiden.