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Amazonas Synode - mehr als nur verheiratete Priester | BR24

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Die katholische Kirche betritt Neuland: Zum ersten Mal soll es verheirateten Diakonen erlaubt werden, sich zum Priester weihen zu lassen. Dafür haben sich die Teilnehmer der Amazonas-Synode im Vatikan ausgesprochen.

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Amazonas Synode - mehr als nur verheiratete Priester

Es ist Amazonas Synode und alle sprechen über verheiratete Priester. Dabei stellt sich die katholische Kirche mit der Synode auch ganz klar hinter die indigenen Bevölkerung des Amazonas.

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Amazonien scheint ganz weit weg zu sein von der europäischen Lebens- und Kirchenwirklichkeit. Mit dem Vorschlag, künftig auch verheiratete Männer zu Priestern zu weihen, hat die Amazonas Synode Strahlkraft weit über die Region hinaus bekommen. Da konnte der Papst die Journalisten noch so sehr bitten, sich in der Berichterstattung nicht "auf bestimmte disziplinarische Fragen zu versteifen" – die Überschrift über der dreiwöchigen Kirchenversammlung lautete dann doch: Priesterweihe für Verheiratete. Und Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz muss klarstellen: Das ist nicht das Ende des Zölibats.

"Es geht darum auch den Priestern in ihrer Ehelosigkeit zu helfen, das werden wir beim synodalen Weg auch diskutieren. Aber auch zu sagen: Gibt es auch die Möglichkeit in bestimmten Situationen, Ausnahmefällen, dass Verheiratete zugelassen werden, wenn Leib und Seele das erfordern. " Kardinal Reinhard Marx

Im riesigen Amazonasgebiet kommen auf einen Geistlichen 6.700 Gläubige. In Europa hat ein katholischer Pfarrer deutlich kleinere Gemeinden zu betreuen. Und dennoch sehen viele in der Amazonassynode den Anfang vom Ende des Pflichtzölibats weltweit.

Frauen leisten oft den Hauptteil der Arbeit

Vorbildfunktion hat Amazonien auch, was die Rolle der Frau in der Kirche betrifft. Viele Gemeinden werden von Frauen geleitet. Diese Rolle soll von der Kirche nun offiziell anerkannt werden, sagt die Theologin Schwester Birgit Weiler von der peruanischen Bischofskonferenz. Ihrer Ansicht nach leisteten Frauen oft den Hauptanteil der Arbeit, aber an den entscheidenden Stellen säßen Männer und oft auch Priester, die dann die Entscheidung träfen und die Frauen nicht miteinbezögen. Sie findet: "Das System krankt. So kann es nicht weitergehen."

Papst wirbt für kulturelle Vielfalt in der katholischen Kirche

Wer hat Angst vor den Indigenen? In der katholischen Kirche offenbar so mancher. Holzstatuen, die für Indigene die Mutter Erde symbolisieren, wurden aus einer Kirche in Rom gestohlen und im Tiber versenkt. In der Kirche am Vatikan feierten indigene Synodenteilnehmer ihre Gottesdienste, die nicht in allen Punkten der klassischen römischen Sonntagsmesse entsprechen. Noch während der Synode bat Papst Franziskus für den Diebstahl der Statuen um Verzeihung und zum Abschluss warb er für eine kulturelle Vielfalt in der katholischen Kirche und einen eigenen Amazonas-Ritus.

"Im Schlussdokument werden 23 Kirchen mit einem eigenen Ritus erwähnt, fast alle haben ganz klein angefangen und haben heute eine teilweise erhebliche Eigenständigkeit als Kirchen eigenen Rechts. Haben wir keine Angst vor Organisationen, die ein eigenes Erbe verwalten. Unsere Mutter Kirche wacht darüber, dass wir uns nicht spalten. Keine Angst!" Papst Franziskus

Die katholische Kirche stellt sich mit dieser Synode ganz auf die Seite der indigenen Bevölkerung Amazoniens und bietet sich als Verbündete an im Kampf gegen die Abholzung des Regenwaldes, die Verschmutzung des Amazonas und die Vertreibung der Einwohner. Der brasilianische Theologe Paulo Süß sagt: "Gerade unter der Regierung von Jair Bolsonaro ist diese Unterstützung nötiger denn je." Denn obwohl die Bevölkerung nur aus zehn Prozent Indigenen bestehe, sei deren Leben eine Perspektive der Zukunft, die noch nicht zerstört oder verfremdet sei von "unserer Entwicklungseuphorie".

Kirche will sich zum Anwalt von Indigenen machen

Doch wer sich für seinen Lebensraum und seine Kultur einsetzt, muss im Amazonasgebiet um sein Leben fürchten. Die Kirche will sich zum Anwalt dieser Menschen machen. Um indigene Kultur und indigenes Leben zu verteidigen, wolle sie ein sozio-ökologisches Observatorium einrichten, sagt Michael Heinz vom deutschen Lateinamerikahilfswerk Adveniat: "Also eine Stelle, wo die Verletzungen sofort angezeigt werden, um sofort zu reagieren. Da ist noch etwas Arbeit notwendig, wie das am Besten und am Schnellsten geht. Da muss und wird die Kirche mehr tun."

Amazonas Synode fordert eine globale Bekehrung

Und so bekommt diese Amazonas-Synode noch eine andere, weltweite Perspektive, indem das Schlussdokument – gut katholisch – eine globale Bekehrung fordert. Weniger Konsum, vor allem von Fleisch, ein schlichterer Lebensstil, die Abkehr von fossilen Energieträgern. Das sind die sehr konkreten und unbequemen Forderungen dieser Synode.