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Claudia Roth, Vizepräsidentin des Bundestages, und Tawakkol Karman, jemenitische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin auf der SIKO
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Johannes Reichart
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Claudia Roth, Vizepräsidentin des Bundestages, und Tawakkol Karman, jemenitische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin auf der SIKO

Samstag um 8 Uhr in der Münchner Residenz - beim sogenannten "Women’s Breakfast" kommen internationale Entscheidungsträgerinnen am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz zusammen, es geht um die Stellung der Frau in der Sicherheitspolitik. Mit dabei: Ivanka Trump, die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und die bayerische Digitalministerin Judith Gerlach. Auf den Fluren der Sicherheitskonferenz hingegen dominiert weiter das Bild von männlichen Krawattenträgern. Das müsse sich ändern, findet Anja Opitz von der Politischen Akademie Tutzing, die auch beim Frühstück dabei ist:

"Die große Weltpolitik, Sicherheitspolitik ist immer noch eine Männerdomäne." Anja Opitz, Akademie für Politische Bildung Tutzing

Sicherheitspolitik ist nach wie vor Männersache, bestätigt auch Ottilia Maunganidze. Die Südafrikanerin arbeitet als Head of Special Projects beim afrikanischen Institute for Security Studies in Pretoria:

"Treffen wie die Münchner Sicherheitskonferenz sind immer noch von Männern dominiert. Hier beim Frühstück können wir Themen besprechen, die dann hoffentlich auch auf die Hauptpodien im Bayerischen Hof gelangen, wo die Männer sitzen." Ottilia Maunganidze, Head of Special Projects beim afrikanischen Institute for Security Studies in Pretoria

"Unglaublich viele alte Männer hier"

Doch die Hoffnung wird diesmal nicht erfüllt, auch dieses Jahr geben Männer den Ton an: US-Vize Pence, der Chinese Yang, der Iraner Sharif. Traurig sei das, sagt die Vizepräsidentin des Bundestags Claudia Roth.

"Es sind unglaublich viele alte Männer hier. Ich mache mir wirklich Sorgen, diese Konferenz zeigt, dass es in eine falsche Richtung geht." Claudia Roth (Grüne), Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags

Von der Leyen droht mit Ohrenarzt

Die Grünenpolitikerin findet, es ist Zeit für eine feministische Sicherheits- und Außenpolitik. Neben Roth sind zwei weitere Frauen die großen Ausnahmen in der Verteidigungs- und Außenpolitik: Bundeskanzlerin Merkel und Ursula von der Leyen werden immer wieder als "Role Models" genannt, die es bis ganz nach oben geschafft haben. Wie ist der Verteidigungsministerin das gelungen?

"Ich bin mit fünf Brüdern aufgewachsen. Ich bin als junge Frau häufig von Männern angebrüllt worden, ich kenne das. Wenn man sagt, ich schicke Ihnen die Rechnung meines Ohrenarztes, dann ist sofort die Dominanzgebärde gebrochen." Ursula von der Leyen (CDU), Bundesverteidigungsministerin

Das Militär sei allein geschichtlich bedingt eine Männerangelegenheit gewesen, sagt die Verteidigungsministerin.

Auch unter den Jungen wenig Frauen

Das 'Junge Forum Außenpolitik' stellt jedes Jahr am Rande der Sicherheitskonferenz eine Diskussionsrunde auf die Beine. Dieses Mal hat das Podium ein sichtbares Ungleichgewicht: Fünf Männer und nur eine Frau – auch die Moderatoren des Jungen Forums, die das Panel begrüßen, sind männlich, Maike Krause aus dem Vorstand bedauert das:

"Ja, das ist schade, aber ich hoffe, dass wir das im Publikum aufmischen können." Maike Krause, Vorstand Junges Forum

Dort zumindest findet man viele Frauen, aber der Weg bis auf die großen Podien ist noch weit.

SIKO 2019: Old White Men - wo sind die Frauen auf der Sicherheitskonferenz?

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