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Alexander Gerst: "Liegestützen unterm Weihnachtsbaum" | BR24

© BR/Frank Überall

Der Astronaut Alexander Gerst ist zurück in Deutschland und freut sich auf Weihnachten bei der Familie. Auf der ersten Pressekonferenz spricht er über seine Rückkehr und blickt auf die Mission zurück. Und er sagt: Jetzt seien erst einmal andere dran.

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Alexander Gerst: "Liegestützen unterm Weihnachtsbaum"

Der Astronaut Alexander Gerst ist zurück in Deutschland und freut sich auf Weihnachten bei der Familie. Auf der ersten Pressekonferenz spricht er über seine Rückkehr und blickt auf die Mission zurück. Und er sagt: Jetzt seien erst einmal andere dran.

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Alexander Gerst betritt an diesem Samstagvormittag mit großem Lächeln die Bühne zur Pressekonferenz im Astronautenzentrum in Köln, winkt, reckt den Daumen in die Höhe. Wie stressig die letzten Tage waren, sieht man ihm nicht an: Die Landung, bei der er wegen technischer Probleme zusätzlich Aufgaben eines Kollegen übernehmen musste, der Flug zurück nach Deutschland und die ersten körperlichen Tests liegen hinter ihm. Doch während viele Astronauten nach ihrer Rückkehr noch wackelig auf den Beinen sind, weil sie nach mehreren Monaten plötzlich wieder der Schwerkraft ausgesetzt sind, verließ Gerst schon am gestrigen Freitag das Flugzeug in Köln mit festem Tritt.

Gerst: Es geht um das ganze Team

Es ist ihm bei dieser Pressekonferenz wichtig, erst einmal zu betonen, dass es nicht nur um ihn geht, sondern um das ganze Team – auch wenn natürlich heute alle seinetwegen gekommen sind. Auf der ISS hat er mit Astronauten von vier Kontinenten zusammengearbeitet. Das habe super geklappt, manchmal blicke man ganz erstaunt zurück, dass man eigentlich ganz unterschiedlich aufgewachsen sei, sagt Gerst. Auch Jan Wörner, Generaldirektor bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA, sagt, dass die ISS ein "geopolitisches Vorbild für die Erde" sei. Sie zeige das friedliche Zusammenleben verschiedener Länder ohne Grenzen.

Fitness spielt eine große Rolle

Aber natürlich steht dann doch Alexander Gerst im Vordergrund und wie es ihm nach der Rückkehr auf die Erde geht. Auf die Frage, wie er das gemacht hat, nach über einem halben Jahr keine großen Probleme mit der Schwerkraft zu haben, sagt er, Fitness spiele eine große Rolle und man müsse sein Sportprogramm ernst nehmen: "Ich habe Muskelmasse im Orbit aufgebaut, das habe ich gut gemerkt", sagt er. Andere würden genauso hart trainieren, sich aber damit schwerer tun. "Ich hab den Vorteil, dass sich mein Körper sehr gut an neue Begebenheiten anpassen kann, das war schon immer so."

Muskelkater auf der Erde

Er gibt aber auch zu, die ersten Tage zurück in der Gravitation seien nicht ganz einfach, und vergleicht es damit, wenn man nach langer Zeit zum ersten Mal wieder Fahrrad fährt. Wenn er den Kopf schnell bewegt, fühle es sich an, wie wenn der Boden schwankt, wie nach einer Schiffstour. Die Rumpfstabilisatoren und die Zusammenarbeit der Muskeln muss er noch trainieren.. "Ich bin jetzt in der Muskelkaterphase", sagt der 43-Jährige.

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Alexander Gerst kann sich einen dritten Flug ins All durchaus vorstellen. Bei einer Pressekonferenz in Köln würdigte er die Internationale Raumstation als Vorbild für das Miteinander der Staaten auf der Erde.

"Die zweite Mission war von Anfang an sehr viel leichter"

Gerst ist nun schon von seiner zweiten Mission zurückgekehrt, 2014 war er zum ersten Mal im All. "Die zweite Mission war von Anfang an sehr viel leichter", sagt er. Es habe keine Überlastung gegeben, und er habe sich an vieles erinnern können. So hätten seine Füße noch gewusst, wo die Fußtritte waren, wenn er sich durch die Raumstation bewegte.

Forschung an Krebszellen im All

Er blickt auch abschließend auf die Mission zurück, zum Beispiel auf ihre Forschung zu Krebszellen und zu Parkinson im Labor im All. "Wir führen da oben Experimente durch, die man nirgendwo sonst durchführen kann", sagt er. So wachsen Krebszellen in der Schwerelosigkeit sehr viel ähnlicher zum menschlichen Körper als im Labor auf der Erde. Die speziellen Proteinkristalle, die er gezüchtet hat, haben sie mit auf die Erde zurückgebracht in der Hoffnung, dass so vielleicht ein Gegenmittel gegen Parkinson gefunden werden kann. Auch in der Quantenphysik seien sie einen "riesigen Sprung nach vorne gekommen", sagt Gerst.

Über seine Zeit als Kommandant der ISS sagt er, die Funktion sei vergleichbar mit der eines Expeditionsleiters in der Antarktis. Man müsse den Gesamtüberblick haben: Wo die Geräte aufgebaut werden und wo das Essen hinkommt, damit nichts im Weg ist und sich niemand verletzt, aber auch die Zeitpläne von allen im Blick haben, damit es niemandem schlecht geht und sich niemand überarbeitet.

Fehlstart der "Sojus"-Rakete: "Ich hatte schon den Orangensaft kalt gestellt für meine Crew"

Gerst spricht aber auch über die Rückschläge in seiner Zeit auf der, zum Beispiel über den Fehlstart der "Sojus"-Rakete auf der Erde im Oktober. Eigentlich sollten zwei Astronauten zur Verstärkung auf die ISS kommen. "Ich hatte schon den Orangensaft kalt gestellt für meine Crew", sagt Gerst. Danach mussten sie sich erst darauf einstellen, dass sie nur zu dritt seien. "Wir haben schon ein bisschen Überstunden gemacht", sagt er.

Sie hätten danach auch bewusst entschieden, abends immer zusammen zu essen – was nicht immer so sei, wenn man zu sechst auf der Raumstation sei. Dann würde die amerikanische Seite und die russische oft jeweils bei sich essen. Und jeden Samstag Abend haben sie die Leinwand aufgespannt und Filme geschaut, erzählt Gerst. Auch jetzt, wo er zurück auf der Erde ist, habe er noch Kontakt zur Crew. Er vermisse die Freunde dort oben schon jetzt, sage er. Die Weltraum-WG, "das sind Freundschaften, die halten."

Zu weiteren Weltraumissionen: "Jetzt sind erstmal andere dran"

Weitere Missionen schließt er nicht aus: Man müsse als Astronaut immer flexibel sein. Aber jetzt seien erst einmal andere dran.

Nun freue er sich aber sehr, dass er wieder hier sei. "Nachts durch einen Dezembernieselschauer zu laufen, ist nicht für alle 'ne schöne Sache – aber ich hab es tatsächlich vermisst", sagt er. Diese Wertschätzung aus der Ferne sei auch ein Grund für seine Videobotschaft an seine Enkelkinder gewesen, die Alexander Gerst kurz vor seiner Rückkehr aufnahm und die viral ging. Ich hab gemerkt, ich hab die einmalige Chance, eine Perspektive von oben, von außen aufzufangen“, sagt er. In der Botschaft sprach er darüber, was die Menschheit ändern muss, damit die Erde ein lebenswerter Planet bleibt, und entschuldigte sich für seine Generation, die den Planeten wohl nicht im besten Zustand hinterlassen werde.

Nun freut er sich auf Weihnachten bei der Familie - Geschenke kauft er aber dieses Jahr keine

Jetzt kümmert aber auch Alexander Gerst sich erst einmal um Weihnachten. Weihnachtsgeschenke habe er tatsächlich schon alle, nämlich keine, scherzt Gerst zu Beginn. "Dieses Jahr habe ich eine gute Ausrede", sagt er. Die nächsten Tage werden noch viele wissenschaftliche Daten erhoben und medizinische Untersuchungen durchgeführt. Normalerweise habe man in den ersten Tagen überhaupt keine Zeit. Aber dank Verhandlungen kann er an Weihnachten nun zwei Tage nach Hause zu seiner Familie. "Darüber habe ich mich schon im Orbit gefreut", sagt er. Er müsse nur trotzdem das Fitnessprogramm einhalten. "Die Liegestütze unterm Weihnachtsbaum muss ich tatsächlich durchführen", sagt er.

Auch die Maus ist sicher gelandet - auf den Elefanten muss sie aber noch etwas warten

Und ein paar Momente gibt es bei der Pressekonferenz dann doch, bei denen es nicht um Alexander Gerst geht - sondern um die Frage, ob Maus und Elefant von der "Sendung mit der Maus" eigentlich auch wieder heil auf der Erde gelandet sind. Die hatte Gerst mit ins All genommen. "Die Maus ist mit mir gelandet, ist aber noch in Kasachstan in Quarantäne", sagt Gerst. Sie komme Ende Januar oder Anfang Februar wieder. Der Elefant habe eine Verlängerung auf der ISS beantragt. "Der war zu schwer", scherzt Gerst. Der komme erst Ende Januar zurück und lande dann in Houston, Texas. Ende Februar seinen dann alle wieder glücklich vereint.

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Frisch aus dem All zurückgekehrt gab Alexander Gerst in Köln eine Pressekonferenz. Zuallererst hob er die Teamleistung hinter der erfolgreichen Mission hervor. Auf die Frage, ob er noch mal ins All reisen will, antwortete er gewohnt bescheiden.

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B5 Nachrichten

Von
  • Elisabeth Kagermeier
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