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Bildrechte: picture alliance / AA | Abdulhamid Hosbas

Ein Jahr nach dem rassistisch motivierten Anschlag in Hanau gedenkt die hessische Stadt am Abend der neun Toten. An der Veranstaltung nimmt auch Bundespräsident Steinmeier teil.

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Akribische Ermittlungen: Ein Jahr nach dem Anschlag von Hanau

Heute jährt sich der Anschlag von Hanau. Bei der Gedenkfeier am Abend werden in der südhessischen Stadt Bundespräsident Steinmeier und ein Vertreter der Hinterbliebenen sprechen. In der Zwischenzeit gehen die Ermittlungen akribisch weiter.

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Von
  • Heike Borufka

Tobias R. war ein Einzeltäter. Er hatte keine Helfer, keine Unterstützer, keine Mittäter. Das ist der derzeitige Ermittlungsstand. Und es wird vermutlich auch der endgültige werden, denn die Bundesanwaltschaft hat auch ein Jahr nach dem Anschlag von Hanau keine Hinweise darauf, dass ein anderer als Tobias R. an dem Attentat beteiligt war.

Fragt man die Bundesanwaltschaft nach dem Stand des Verfahrens, lautet die nüchterne Antwort: "Im November vergangenen Jahres waren alle Ermittlungsschritte erfolgt." Eingestellt ist das Verfahren trotzdem nicht, obwohl der Täter tot ist und gegen einen Toten kein Strafverfahren geführt werden kann. Noch nicht.

Umfangreiche Ermittlungen der Bundesanwaltschaft

Zur Erklärung hat Generalbundesanwalt Peter Frank im SWR-Podcast "Die Justizreporter*innen" kürzlich gesagt. "Weil sich die Frage aufgedrängt hat, ob in ein solches komplexes Tatgeschehen nicht noch andere Personen in strafrechtlicher Weise involviert sein können.“

So läuft etwa noch eine Rechtshilfeersuchen, weil der Attentäter Tobias R. offenbar ins Ausland gechattet hat. Es soll nichts übersehen werden. Die Karlsruher Ermittler scheinen sehr akribisch gearbeitet und weit mehr ermittelt zu haben, als es die Strafprozessordnung von ihnen verlangt.

Akten liegen bis Monatsende zur Durchsicht den Opfer-Vertretern vor

Laut Bundesanwaltschaft sind Ende des Jahres alle Akten den Vertretern der Opfer zur Verfügung gestellt worden. Bis Ende des Monats haben sie Zeit, sie zu studieren, Bemerkungen zu machen, Anregungen zu geben. Dass welche kommen werden, gilt als wahrscheinlich. Dass die Bundesanwaltschaft ihnen nachgeht, ebenfalls.

Fragen bleiben bislang offen

Der Opferbeauftragte des Landes Hessen, der frühere Generalstaatsanwalt Helmut Fünfsinn, war es, der in der Nacht vom 19. auf den 20. Februar 2020 den Generalbundesanwalt angerufen hat, damit der das Verfahren übernimmt. Heute kümmert er sich um die Hinterbliebenen und Überlebenden des Anschlags. "Die einzige Zielrichtung des Strafverfahrens ist es, die Schuld eines Täters festzustellen", sagt er. Der Täter ist tot, gegen ihn kann es keinen Prozess mehr geben. Das sei für die Angehörigen sehr schmerzhaft, weil so viele Fragen offenblieben.

Welche Rolle spielte der Vater von Tobias R.?

Eine Frage, die sie sich stellen, und die auch die Bundesanwaltschaft sich gestellt hat, ist die nach der Rolle des Vaters von Tobias R. Was wusste er? Hat er seinem Sohn geholfen? Das Attentat mitgeplant, von den mörderischen Plänen des 43-Jährigen gewusst? Aber auch darauf haben die Ermittler keinen Hinweis gefunden. Damit bleibt der Vater von Tobias R. lediglich Zeuge in dem Verfahren. Die Angehörigen der Opfer dagegen haben ihn wegen Beihilfe zum Mord angezeigt.

Die Staatsanwaltschaft in Hanau, die von sich aus tätig wurde, hat ihn wegen Beleidigung angeklagt, weil er Überlebende und Angehörige der Opfer als "wilde Fremde" bezeichnet haben soll. Sie sollten "das Maul halten und sich dem Deutschen Volk unterordnen".

Außerdem prüft die Hanauer Staatsanwaltschaft, ob die Notrufe der Polizei in der Tatnacht ausreichend besetzt waren. Und es steht noch der Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Raum, weil an einem der Tatorte ein Notausgang verschlossen gewesen sein soll.

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