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AKK und die drei Kandidaten: Beginn der "Einzelgespräche" | BR24

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Annegret Kramp-Karrenbauer äußert sich bei einer Pressekonferenz im Konrad-Adenauer-Haus zu ihrem Verzicht auf die Kanzlerkandidatur.

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    AKK und die drei Kandidaten: Beginn der "Einzelgespräche"

    CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer will in dieser Woche Einzelgespräche mit den möglichen Nachfolgern für ihr Amt führen. Experten zweifeln jedoch an ihrer Durchsetzungskraft. Auf die Kandidaten Merz, Spahn und Laschet kommen aber ebenso Probleme zu.

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    Es wird eine Art Schaulaufen im Geheimen, wenn die drei Hauptkandidaten mit der scheidenden CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in Einzelgespräche gehen. Denn bislang gibt es keine Pläne, was davon nach außen dringen wird. Klar, es wird um Zeitpläne gehen, um Taktik, und möglicherweise schon um inhaltliche Positionen. Alle dürfen spekulieren, wer für welche Politik steht. Wie wirtschaftsfreundlich ist Friedrich Merz? Wie sozialliberal ist Armin Laschet? Wie progressiv ist Jens Spahn?

    Der Berliner Politikberater Frank Stauss findet, dass bislang kaum klar ist, welcher Kandidat für welche Politik steht: "Bisher reden wir eigentlich eher über Inhaltsvermutungen, als über tatsächliche Inhalte: Herr Laschet gilt als eher liberal und pro-europäisch. Er versucht, sich so etwas wie ein progressiveres Image zu geben – was er in NRW auch braucht, um dort wiedergewählt zu werden." Merz gelte eher als traditioneller Konservativer. Bei Jens Spahn wüsste man es nicht, so Stauss: "Er hat mal sehr stark rechts geblinkt, jetzt versucht er gerade wieder, in die Mitte zu rudern."

    Stauss: AKK hat im Moment keine Führungsstärke mehr

    Annegret Kramp-Karrenbauer wirkte fast schon entspannt und gelöst, als sie vergangene Woche ankündigte, auf die Kanzlerkandidatur zu verzichten. Die Auswahl ihrer Nachfolge will sie aktiv mitgestalten: Um einen Kanzlerkandidaten oder eine Kanzlerkandidatin für die CDU zu finden, wollte sie den Prozess weiter "von vorne führen."

    Damit wollte sie Führungsstärke zeigen. Der Politikberater Frank Stauss bezweifelt jedoch, dass ihr das gelingt, weil Kramp-Karrenbauer sich selbst schon aus dem Rennen genommen habe und eine Parteivorsitzende auf Abruf sei. "Im Amerikanischen würde man sagen eine 'lame duck', also jemand, der schon angekündigt hat, zurückzutreten und dies nur noch nicht vollzogen hat", sagt Stauss. "Insofern nehme ich an, dass die drei Herren, mit denen sie ja ausführliche Gespräche führt, dies nett und höflich über sich ergehen lassen werden." Faktisch führen könne Kramp-Karrenbauer im Moment aber nicht mehr.

    Kramp-Karrenbauers Nachfolger muss sich gegen Merkel profilieren

    Die Noch-Parteichefin kommt um ein paar unangenehme Wahrheiten nicht herum - ihr Zeitplan ist nicht zu halten. Ein Sonderparteitag könnte nötig werden. Und: Alle drei Kandidaten werden das gleiche Problem haben wie die jetzige Chefin: Sie müssen sich profilieren gegen eine starke Kanzlerin Angela Merkel, die Spitzenwerte in Umfragen genießt.

    Niemand will sie verjagen. Niemand glaubt im Moment, dass sie deutlich früher gehen will: "Frau Merkel hat ein sehr hohes Pflichtbewusstsein, ich würde das auch nicht unbedingt als eine Art von 'Kleben am Stuhl' bezeichnen," so Stauss. "Ich glaube tatsächlich (...), dass ihr im Moment der Rückzug eher schwer gemacht wird. Sie hat ja versucht, über den Weg mit Frau Kramp-Karrenbauer eine Lösung zu finden." Doch da sei sie, meint Stauss, zumindest aus ihrer Sicht enttäuscht worden. "Letztendlich wird es dann daran hängen, wie sich die CDU, aber auch die CSU positioniert, wir dürfen ja nicht vergessen, dass Markus Söder bereits angemeldet hat, zumindest bei der K-Frage ein Wörtchen mitreden zu wollen."

    Auch der Umstand, dass alle drei Kandidaten Männer aus Nordrhein-Westfalen sind, könnte noch zum Problem werden. Zumal das ebenfalls für den Generalsekretär und den Fraktionschef im Bundestag gilt. Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich durch ihren Verzicht vielleicht selbst von einer Bürde befreit. Ihre Partei allerdings steht vor einer Menge offener Fragen.