BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

AKK als CDU-Chefin - Eckpunkte eines Scheiterns | BR24

© BR

Erst 14 Monate ist Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzende im Amt. Schon bald nach ihrer Wahl geriet sie innerparteilich in die Kritik, der Befreiungsschlag auf dem Leipziger Parteitag blieb ohne Wirkung. Eine Chronologie des Scheiterns.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

AKK als CDU-Chefin - Eckpunkte eines Scheiterns

Erst 14 Monate ist Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzende im Amt. Schon bald nach ihrer Wahl geriet sie innerparteilich in die Kritik, der Befreiungsschlag auf dem Leipziger Parteitag blieb ohne Wirkung. Eine Chronologie des Scheiterns.

Per Mail sharen

Seit Annegret Kramp-Karrenbauers knappem Sieg beim Bundesparteitag in Hamburg sind gerade erst 14 Monate vergangen: 517 von 999 abgegebenen Stimmen, gerade mal 35 mehr als ihr im 2. Wahlgang verbliebener Gegenkandidat Friedrich Merz:

"Ich nehme die Wahl an und bedanke mich für das Vertrauen, und ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich insbesondere bei Jens Spahn, insbesondere bei Friedrich Merz, für diesen fairen Wettbewerb, den wir uns geliefert haben." Annegret Kramp-Karrenbauer

Unglückliche Äußerungen nicht nur im Fasching

In Umfragen legt AKK, wie sie nun immer häufiger genannt wird, zunächst deutlich zu. Doch mit der Zeit dreht sich der Wind, innerparteilich wächst die Kritik. Wahlschlappen und unglückliche Äußerungen setzen die Parteichefin unter Druck.

Bei einer Faschingsveranstaltung etwa spottet sie über Toiletten für intergeschlechtliche Menschen. Viele finden ihren Witz überhaupt nicht lustig.

Auch als kurz darauf der YouTuber Rezo mit dem millionenfach geklickten Internet-Video "Die Zerstörung der CDU" für Aufsehen sorgt, reagiert Kramp-Karrenbauer ungeschickt.

Wahlschlappen als Begleiterscheinung

Bei der Europawahl im Mai 2019 fährt die CDU unter ihrer Führung ein denkbar schlechtes Ergebnis ein. Interne Schuldzuweisungen aus ihrem Umfeld an konservative Kräfte in der Jungen Union sorgen für Ärger.

Es folgen weitere Wahlschlappen, erst in Brandenburg und Sachsen, schließlich auch in Thüringen, wo die CDU nur noch auf Platz drei landete.

Befreiungsschlag in Leipzig

Auf dem Parteitag in Leipzig vor gut zwei Monaten räumt Annegret Kramp-Karrenbauer Fehler und schlechtes Krisenmanagement in ihrem ersten Amtsjahr ein, präsentierte sich aber zugleich kämpferisch und stellte schließlich die Machtfrage:

"Wenn ihr der Meinung seid, dass dieses Deutschland, so wie ich es möchte, nicht das Deutschland ist, das ihr euch vorstellt, wenn ihr der Meinung seid, dass dieser Weg, den ich gemeinsam mit euch gehen möchte, nicht der Weg ist, den ihr für den richtigen haltet, dann lasst es uns heute aussprechen, und dann lasst es uns heute auch beenden, hier und jetzt und heute." Annegret Kramp-Karrenbauer

Kramp-Karrenbauers interne Kritiker wirken überrumpelt, niemand fordert die Parteichefin heraus. Auch ihr alter Rivale Friedrich Merz sichert ihr Loyalität zu.

Die Frage nach der Durchsetzungskraft

Doch die Frage, welche Durchsetzungskraft sie als Parteichefin tatsächlich hat, begleitet Annegret Kramp-Karrenbauer trotzdem weiter. Bis hin zur Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) zum Ministerpräsidenten im Erfurter Landtag letzte Woche – mit Stimmen aus der Fraktion der CDU und der AfD.

"Das Verhalten der CDU in Thüringen im dritten Wahlgang geschah ausdrücklich gegen die Empfehlungen und gegen die Forderungen und Bitten der Bundespartei…" Annegret Kramp-Karrenbauer

Zielvorgaben ohne Wirkung

Wo steht die CDU? Auf diese Frage eine klare Antwort zu finden, wird seither immer schwieriger. Annegret Kramp-Karrenbauer gelingt es auch in den Folgetagen nicht, ihrer Partei eine klare Zielrichtung, der alle folgen, vorzugeben. Ihre Position bleibt umstritten. "Für die CDU Deutschlands und die CDU Thüringen gilt weiter, erstens: Von der CDU gibt es keine Stimme für einen Kandidaten der AfD oder der Linkspartei."

Auch ihr Versuch, die Thüringer CDU-Landtagsfraktion auf Neuwahlen im Land einzustimmen, bleibt vergeblich. Als Konsequenz kündigt sie schließlich den baldigen Rückzug vom Parteivorsitz an.

© BR

Der geordnete Übergang, den Angela Merkel für die CDU wollte, ist durch den angekündigten Rücktritt von Kramp-Karrenbauer gescheitert, meint Tina Hassel.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!