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Afrikanische Schweinepest: Spürhunde für Wildschweinkadaver? | BR24

© picture-alliance/dpa

Warnschild vor afrikanischer Schweinepest

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    Afrikanische Schweinepest: Spürhunde für Wildschweinkadaver?

    In Brandenburg ist ein mit afrikanischer Schweinepest infiziertes Wildschwein gefunden worden. Jetzt muss gesucht werden, ob es in den Wäldern noch mehr tote Tiere gibt. Eine Möglichkeit: speziell ausgebildete Kadaverspürhunde.

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    Von
    • Christine Schneider
    • Julia Weinzierler

    Für Menschen ist es nahezu unmöglich, einen Wildschweinkadaver im Wald zu finden. Weil die Afrikanische Schweinepest schon in Belgien nachgewiesen wurde, hat man im Saarland deshalb im letzten Jahr elf Hunde für die Kadaversuche ausgebildet, um im Ernstfall abgesperrte Befallszonen, sogenannte Restriktionsgebiete, zu durchsuchen und die Ausbreitung der Seuche schnellstmöglich zu minimieren.

    Kadaversuchhunde unterwegs

    Weil das gefährliche Virus monatelang in Kadavern überleben kann, besteht die Gefahr, dass sich Wildschweine, wenn sie an einem toten Artgenossen riechen oder fressen, infizieren und so die Seuche weiter verbreiten. Deshalb müssen alle Kadaver möglichst schnell gefunden und entsorgt werden.

    Welche Hunde sind geeignet?

    Geeignet als Kadaversuchhund sind alle Gebrauchshunde und Jagdhunde. Doch die Ausbildung ist eine Herausforderung: Denn die meisten Jagdhunde suchen eigentlich nur lebendes Wild oder verfolgen eine Blutspur. Doch Berufsjäger Rene Wiese hat es mit seinem Hund Otto geschafft.

    Nach ein paar Monaten Training sucht Otto auch im undurchdringlichsten Dickicht nach Wildschweinen, die an der Afrikanischen Schweinepest verendet sind. Dorthin ziehen sich sterbende Tiere oft zurück. Durch seinen guten Geruchssinn ist Otto dabei sehr schnell. "Ich schaffe so mit wenig Personaleinsatz enorme Flächen", erklärt Jäger René Wiese.

    Projekt noch in der Anfangsphase

    Obwohl im Saarland bald das Training von 20 weiteren Hunden beginnt, ist das Projekt noch in der Anfangsphase. Beteiligt sind zwar Landesveterinärbehörden und die Landesforstverwaltung, aber aktuell ruht die Ausbildung auf den Schultern von Ehrenamtlichen, für den Ernstfall sind Freistellungen und Kostenübernahmen nicht geklärt. Von der Effektivität aber ist man überzeugt.

    Im Saarland denkt man deshalb über Lehrgänge für interessierte Jäger nach. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern kam bisher noch keine Anfrage aus Bayern – allerdings teilt der Freistaat zumindest im Moment keine Grenze mit einem betroffenen Land. Zwar gab es 2018 in Tschechien ASP-Fälle, doch mittlerweile gilt das Nachbarland wieder als seuchenfrei.

    Bayern setzt auf Hilfe von Jägern

    In Bayern ist eine Lösung mit Spürhunden vorerst nicht vorgesehen. Der Bayerische Jagdverband (BJV) sucht in einem internen Aufruf nach Revierinhabern, die die Kadaversuche übernehmen könnten. Der Einsatz von Hunden sei nicht explizit geplant, wenngleich sogenannte Totverbeller, die für die Suche nach verendeten Tieren ausgebildet sind, ohne zusätzliches Training eingesetzt werden könnten, erklärt BJV-Sprecher Thomas Schreder.

    Hunde als Überträger der Schweinepest?

    Beim Bayerische Jagdverband sieht man aber ein Problem für den Einsatz von Kadaversuchhunden. Für Hund und Mensch ist die Afrikanische Schweinepest zwar ungefährlich. Aber Hunde könnten zu Überträgern des Erregers werden. Auch Menschen, die mit Schweinehaltern zu tun haben, sollten daher keinesfalls auf Kadaversuche gehen. Dem stimmt auch Berufsjäger René Wiese aus dem Saarland zu. Wichtig sei nach einem Einsatz eines Kadaverspürhundes das Desinfizieren der Pfoten. Laut Friedrich-Löffler-Institut reicht zur Desinfektion Seifenlauge.

    Schweinepest-Virus ist für Menschen ungefährlich

    Für Menschen ist die Tierseuche ungefährlich. Für Haus- und Wildschweine ist das Virus der Afrikanischen Schweinepest aber tödlich. Die Landwirte sind alarmiert. Denn beim ersten Nachweis bei einem Wild- oder Hausschwein verliert Deutschland den Status als "seuchenfrei". Schweinefleisch darf dann nicht mehr ausgeführt werden und Schweinehalter müssten um ihre Existenz fürchten.

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