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Afrikahilfe: Kooperation mit afrikanischen Staaten | BR24

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Die Strategie: die Förderung von privaten Investitionen in den afrikanischen Kontinent. Ursula Eid, Präsidentin der Deutschen Afrika Stiftung, erklärt, warum das eine vielversprechende Idee ist.

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Afrikahilfe: Kooperation mit afrikanischen Staaten

Beim Afrika-Gipfel in Berlin beraten derzeit Industrienationen und afrikanisches Staatschefs, wie dem Kontinent wirtschaftlich geholfen werden kann. Ursula Eid, Präsidentin der Deutschen Afrika Stiftung, über die Idee privater Investitionen.

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Bayern 2-radiowelt: Die Initiative "Compact with Africa" gibt es seit rund zwei Jahren - was hat man bisher erreicht?

Ursula Eid: Nach so kurzer Zeit ist es schwierig, eine Bilanz zu ziehen. Aber ich glaube, dass grundsätzlich erreicht wurde, dass durch die Aufhängung bei den G20 - das globale Netzwerk der reichsten Staaten dieser Erde - dass dadurch Afrika doch hoch auf die internationale Tagesordnung kam. Und diesmal ging es nicht um Negativ-Themen, also um Ebola oder um Kriege, sondern darum, dass der Blick auf das Potenzial Afrikas geleitet wird - und zwar auf das Potenzial, das Afrika ja selber schon seit langen Jahren entwickeln und für sich nutzen will. Somit ist Afrika aus der Ecke des Entwicklungshilfe-Kontinents herausgeholt worden. Der Schwerpunkt wird nun auf wirtschaftliche Zusammenarbeit verlagert, was die Afrikaner schon seit über 20 Jahren wollen. Und wenn man sieht, dass so kleine Länder wie Benin oder Burkina Faso oder Togo mit dabei sind, dann ist allerdings zu fragen, ob das wirklich zu einem großen Erfolg wird, denn das sind nun nicht die Wirtschaftsmotoren, die Afrika wirklich wirtschaftlich voranbringen können.

Ist es denn überhaupt die richtige Strategie, private Investitionen zu fördern? Oder sollte da der Staat doch mehr tun?

Ursula Eid: Ich halte diese Strategie grundsätzlich für richtig. Denn: Was kann ein Staat machen? Ein Staat selber ist ja kein Unternehmer und kann allenfalls in der Verwaltung, in der Bürokratie Arbeitsplätze schaffen. Und Afrika braucht ausländische Investoren. Afrika selber hat nicht genügend Finanzen - man braucht Investoren zum Aufbau einer verarbeitenden Industrie. Das kann ein Staat gar nicht leisten. Die Rohstoffe sollen zu Hause verarbeitet werden. Afrika will die Wirtschaft diversifizieren, um regionale Wirtschaftskreisläufe in Gang zu setzen. Die Wertschöpfung soll im eigenen Land bleiben - und dazu benötigt man natürlich entsprechende Expertise. Know-how soll transferiert werden, Technologie auch. In Afrika ist die Bevölkerung zu 60 Prozent jünger als 25 Jahre. Um diese Leute in den Arbeitsmarkt zu integrieren, braucht Afrika pro Jahr 20 Millionen Arbeitsplätze. Das kann ein Staat gar nicht alleine schaffen. Und deswegen ist es dringend notwendig, dass Unternehmen in Afrika aktiv werden, um junge Menschen ins Arbeitsleben zu bringen, damit sie ihre Existenz sichern können, Anerkennung in der Gesellschaft erringen und sich als produktives Mitglied einer Gemeinschaft sehen.

Geht das eigentlich auch in die andere Richtung? Also Afrika in Europa zum Beispiel?

Ursula Eid: Ja, Afrika ist ein sehr innovativer Kontinent. Die Deutsche Afrika Stiftung hat dieses Jahr einer IT-Unternehmerin aus Kenia den deutschen Afrikapreis verliehen, Juliana Rotich. Da hat man gesehen, dass hier eine ungeheure Innovationskraft steckt. Sie entwickelte zum Beispiel ein tragbares batteriebetriebenes Multiverbindungsgerät, mit dem man bis zu acht Stunden Strom im Internet haben kann. Das heißt auch in Deutschland könnte man so etwas einsetzen. Im umweltpolitischen Bereich denke ich an Ruanda, wo schon seit zehn Jahren Plastiktüten verboten sind. Bei uns soll das erst ab 2020 gelten. Gleichberechtigung von Männern und Frauen: Also, wenn ich sehe, dass in verschiedenen Ländern Afrikas verankerte Frauenquoten schon zum Tragen kommen - auch Ruanda den höchsten Frauenquoten-Anteil im Parlament hat - also da sind doch einige Aspekte, wo afrikanische Staaten uns durchaus was lehren können.